Übermorgen Lesung in der Tristeza

Und auch an dieser Stelle sei nochmals darauf hingewiesen: Am Donnerstag, dem 4. Februar um 20 Uhr, liest schlotzen und kloben mal wieder in der tristeza!

Erschienen:

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Gewisse Gerüchte über das Ableben der Pandora nach dieser Ausgabe könnten sich in fernerer Zukunft als übertrieben erweisen.

Altmodisches mit kleinen Freuden & Ärgernissen

Weil ich kürzlich gebeten wurde, für eine englischsprachige Zeitschrift ein paar herausragende deutschprachige Phantastik-Titel rauszupicken und kurzzubesprechen, habe ich mal wieder meine Vorurteile gegen die Mehrzahl ebensolcher überwunden und angefangen, Karsten Kruschels Vilm – Der Regenplanet zu lesen. Nach Fastabschluss des ersten Bands sage ich: Gar nicht übel, auf ne Art sogar sehr gut, von der Erzählweise her altmodisch, aber angenehm und ein bisschen wie Kim Stanley Robinsons Mars-Trilogie (wenn auch, soweit ich das bisher beurteilen kann, weniger komplex und politisch).

Minuspunkt: Telepathische Aliens. Immer das gleiche.
Pluspunkt: Die Alien -Telepathie wird als sexuelles Erlebnis beschrieben, sogar (und gerade) im Kontakt mit Kindern. Das macht es etwas gruseliger und interessanter und wirkt wunder gegen den in der Sache angelegten Kitschfaktor.
Minuspunkt: Es gibt irgendwelche noch nicht näher definierten reichen Mistkerle namens „Goldene Bruderschaft“. Die werden nur ganz am Rande als verantwortliche für eine Raumschiffkatastrophe benannt, und Sympathieträgerin A sagt zu Sympathieträger B: „Die konnte ich noch nie leiden“, und schon ist Gemeinsamkeit gestiftet zwischen den beiden. Diesen Erzähltrick, um Gut und Böse herzustellen, konnte ich noch nie leiden (harhar!). Da klingt für mich gleich wieder der Stille Konsens über „die da, die nicht zu uns gehören“ an, die Herstellung von Gemeinschaft über Ablehnung des Dritten, mitsamt Das-musste-mal-gesagt-werden-Gestus. Wenn ich das lese und es mir als Identifikationsangebot mit der Gemeinschaft der Anständigen unterbreitet wird, dann schaudert es mich ein bisschen, auch, wenn’s nur ein ganz beiläufiger Satz ist.
Mal sehen, was das wird mit den Goldenen. Vielleicht relativiert sich mein Unbehagen ja noch, vielleicht spielen die gar nicht die Rolle des bösen Dritten.

Trotzdem bereue ich es nicht, das Buch schon ein paarmal im Laden empfohlen zu haben, ist einfach sehr gelungene, wunderbar lesbare SF mit guten Figuren.

„Die Audienz“ erscheint im März

Im März 2010 erscheint im Wurdack-Verlag die Anthologie Die Audienz, in der nicht nur meine Story „Auslese“ erhalten ist, sondern auch eine neue Geschichte von Karla. Anschaffung lohnt sich also mindestens doppelt.

AudienzCover

Lesung 17. Dezember: Das Ding in der Krippe

Am 17. Dezember um 20 Uhr weihnachtet Schlotzen&Kloben feiervertagt in der Tristeza. Passend zur Jahreszeit wird ganz kurz vor Ladenschluss Klingendes, Dringliches und Besingliches vorgetragen … Lupft das schneeweiße Leichentuch und schaut, was das Rentier mal wieder reingetragen hat!

Sie schläft und hat in verlorenen Welten was zu lachen

Kürzlich traf im Otherland als Kundenbestellung die Storysammlung Lost Worlds von Clark Ashton Smith ein, ein Name, an den ich mich erinnerte, weil es zwei Sammelbände mit seinen Geschichten in der schwarzgebundenen, auf blassgrünem Papier gedruckten phantastischen Bibliothek bei Insel gab, die früher im Regal meines Vaters standen (und jetzt bei mir), die ich aber nie gelesen habe. Außerdem hatte ich mal irgendwo gehört, dass Smith einer von diesen „Weggefährten Lovecrafts“ gewesen sei.
Aus purem Neid habe ich mir das Buch auch bestellt, in der Erwartung, beim Lesen dann wahrscheinlich eh nur auf eben einen solchen „Weggefährten Lovecrafts“ zu stoßen, d.h. auf einen schwächeren Lovecraft.
Glücklicherweise hat sich dann herausgestellt, dass Smith überhaupt kein Lovecraft irgendwelcher Art ist, sondern tatsächlich ein Smith, will sagen: Etwas schlampig, grotesk und derb komisch. Das Fantasy-Schurkenstück „The Tale of Satampra Zeiros“ ist noch recht konventionell, aber „The Door to Saturn“ wird dann schon völlig schräg, auch unkontrolliert, mit einem völlig überhasteten Ende, das nach Termindruck schmeckt, mit brachialen Pointen und einer Spur Satire auf Eugenik und Kolonialismus. Macht Spaß, mehr davon! Als nächstes kommt „The Seven Geases“, eine ganz vortreffliche Leserverarsche mit einem Haufen abstruser uralter Götter (die es übrigens allesamt ins Monsterkompendium des Cthulhu-Rollenspiels geschafft haben. C.A. Smith macht einen Witz, Chaosium macht einen Lexikoneintrag …). Angesiedelt ist das, was ich bisher gelesen habe, in der fiktiven irdischen Vorzeit-Zivilisation der Hyperboräer, es könnte aber auch überall anders spielen, wo Monstergötter in Grotten hausen und wo Kriegsherren und Hohepriester so selbstgefällig und eitel sind, dass es ihnen zu beiden Ohren rauskommt und man es gar nicht abwarten kann, dass der hutzelige kleine Mann mit dem dunklen Wissen es ihnen so richtig besorgt.

Parallel lese ich auch noch einen unordentlichen Roman, nämlich Sie schläft von Dietmar Dath. Der handelt ebenfalls in sehr lustiger Weise vom Grauen, nur vom gegenwärtigen statt vom vorzeitigen. Die Haare, das Hemd und der Lippenstift, Stoff für böse Träume … Und bei dieser Parallellektüre komme ich plötzlich drauf: Jasper schreibt manchmal wie halb Dietmar Dath und halb C.A. Smith.

Vincent Preis 2009

Seit 2007 organisiert Michael Schmidt die Verleihung des Vincent Preis für deutsprachige Horror-Literatur. Das ist ein ziemlicher Kraftakt, wenn man sich so ansieht, was insbesondere im Story-Bereich so alles erscheint. Ich selbst lese nur einen Bruchteil davon, deshalb habe ich bisher nicht beim Vincent abgestimmt und werde das wahrscheinlich auch 2009 nicht tun.
Andererseits bin ich dieses Jahr mit einer Story wählbar, nämlich mit „Eine andere Wildnis“ aus Zwielicht. Und es gibt noch ein paar andere Stories, die ich mit Nachdruck empfehlen mag, z.B. Christian Weis‘ „Im Abgrund“ aus derselben Anthologie, und Simon Weinerts teenangertragische „Wolf an der Leine“ und Maike Hallmanns düsterlyrische „Lilith“, beide aus Gothic – Dark Stories. Vielleicht hat ja wer Lust, noch ein bisschen mehr als das zu lesen und qualifiziert abzustimmen. Bedingung ist lediglich, dass man sich im Horror-Forum anmeldet.

Rollenspiele und alternative Marktwirtschaft

Ihr habt schon alle von diesem diversen postmodern-alternativen Jungunternehmermüll gehört, kleine geile Firmen und so? Projekte klarziehen, direktes Producer-Consumer-Interface, flache Hierarchien, JedeR UntenrehmerIn seiner selbst? Klingt blöd, was? Hat aber echt seine Vorteile.

Zum Beispiel für Rollenspieler. Und Rollenspielautoren. Greg Stolze zum Beispiel hat mal wieder ein sehr erfreuliches Projekt am Start: Ein Kern-Regelbuch zu seinem höchst gelungenen Fantasy-Rollenspiel REIGN. Leider ist noch nicht entschieden, ob das Ding in die Produktion geht – das macht es nämlich erst, wenn sich genug Unterstützer (sprich: Käufer) finden, damit der Spaß sich auch lohnt. Bis zum 18. Dezember müssen noch gut 2000 $ in Form von „Pledges“ zusammenkommen. Bieten muss man (außerhalb der USA) mindestens 25 $ (Das sind derzeit ca. 18 €). Eingezogen wird das Geld erst am 18. Dezember und nur, falls überhaupt genug zusammenkommt, vorher kann man sein Gebot jederzeit zurücknehmen. Falls genug zusammenkommt, kriegt jeder, der geboten und bezahlt hat, das Buch zugeschickt. Und weil ich geboten habe und auch gerne das Buch hätte, will ich natürlich, dass alle möglichen anderen Leute auch bieten.

Die erste Fassung von REIGN besitze ich schon, es handelt sich um ein recht originelles Fantasy-Setting (schönstes Detail: Männer reiten dort nur im Damensitz – dort also Herrensitz –, weil der Aberglaube besteht, sie würden durch breitbeiniges Reiten impotent), zusammen mit einem gut durchdachten, sehr spielbaren, flexiblen und in diversen anderen Settings erprobten Regelsystem (dem „One Roll Engine“). Hat außerdem sehr schöne Regeln für Konflikte zwischen Gruppen und Organisationen.
Das Buch REIGN ENCHIRIDION, für das ihr bieten sollt, enthält nur den Regelteil und ist dafür handlich und preiswert – und da REIGN ein ganz hervorragendes System für Selbst-Weltenbau ist, auch sehr sinnvoll für Leute, die das dicke Buch mit der Weltbeschreibung nicht haben. Das bieten geht ziemlich einfach, wenn man bei amazon.com angemeldet ist, sonst ist es ein bisschen komplizierter.

Also helft Greg Stolze, diesem wackeren Unternehmer seiner selbst, bei seinem neuesten kleinen, geilen Projekt! Und helft mir dabei, dieses Buch zu kriegen!

The Horror! The Horror!(-anthology)

Ich komm gerade nicht mehr mit Romanen zurecht, habe Ken Scholes eigentlich ziemlich guten „Lamentation“ sogar vorerst abgebrochen, weil mit der Langzeitschub für sowas gerade fehlt. Stattdessen habe ich nun eine größtenteils ungelesene Horroranthologie von der bald schon legendären Herausgeberin Ellen Datlow aus dem Regal gezogen, nämlich „Inferno“. Die ist tatsächlich sehr gut, vor allem enthält sie auch eine mir noch neue Story von Laird Barron, womit eigentlich schon genug Gründe vorliegen, sie sich angeschafft zu haben.
Jetzt bin ich aber doch zu faul, was über die einzelnen Geschichten zu schreiben. Stattdessen halte ich hier nochmal ein horrifizierendes Erlebnis fest, das vor einer Weile nicht mir, sondern einem kleinen Kind neben mir widerfahren ist: Die Frau, die dessen Wagen schob, hatte selbigen nämlich an einer roten Kampel auf Stoßkante mit dem Bordstein gebracht, sodass einen halben Meter vor der Nase der/des Kleinen beständig die Autos vorbeisausten. Dazu manträtierte die Frau das Kind mit einem unablässigen, suggestiv gemurmelten: „Auto-auto-auto-auto-auto …“
Brr. Grusel.

Und ein letzter guter Rat, den ich kürzlich von einem Kunden erhielt: Zaubern kann man soviel man will. Mit echter Magie sollte man allerdings vorsichtig sein, die fällt ganz leicht auf einen zurück … diese Worte waren Teil einer angenehmen, interessanten und sogar sehr anrührenden Unterhaltung, und wer es nicht glaubt, hat den netten Xanth-Leser mit dem weißen Bart noch nicht kennengelernt.

3+4 Lesung des Autorenkombinats

Schlotzen & Kloben lädt zur dritten und vierten vorweihnachlichen Lesung. Süßer die Glocken nie schocken!

Hier Info-Flyer mit Daten ansehen