Nochmal gelesen: Marcus Hammerschmitt, Pension Barbara

pensionbarbara

Kürzlich habe ich mir noch einmal unseren Beben-Titel Pension Barbara vorgenommen, ein Buch, auf dem ich auch beim dritten Lesen noch ganz schön zu kauen habe. Die Handlung knapp umrissen: Der seit kurzem arbeitslose Felix Walter mietet sich ein Pensionszimmer im Dörfchen Kesslingen, um bei seiner Frau sein zu können, die sich im nahen alternativmedizinischen Meckenheim-Institut auf die Geburt des ersten Kindes vorbereitet. Von Anfang an fühlt Felix sich beklommen in Kesslingen, verabscheut dessen Bewohner. Dazu kommen Schwierigkeiten, zu seiner Frau Katharina vorzudringen. Überhaupt erscheint ihm das Meckenheim-Institut zunehmend verdächtig – veranstalten die da irgendwelchen esoterischer Hokuspokus, vielleicht gar verquickt mit alten Nazi-Zuchtideologien? Dazu unerklärliche Zahnschmerzen, Waffenfunde in verlassenen Bunkern und eine Kirche mit teuflisch bizarren Malereien an den Wänden … alles ist ein ganz bisschen schräg, ein ganz bisschen gegen Felix, mit einer Permanenz, die ihn schon bald an eine Verschwörung, medizinische Experimente und noch Grauenvolleres glauben lässt.

Die Qualitäten von Pension Barbara sind leicht zu benennen: Eine seltene sprachliche Exaktheit, eine paranoide Grundstimmung, die auf dem schmalen Grat zwischen Bedrohlichkeit und Absurdität wandelt, die schonungslose Nachzeichnung eines spießigen, beengenden Millieus …

Und da ist schon eines dieser Worte, das eigentlich überhaupt nicht zu diesem Buch passt – „schonungslos“. Da denkt man gleich, hier habe man es mit einer bitterbösen Satire zu tun, die das Kleinbürgertum in all seiner Widerwärtigkeit vorführt und es Spott und Abscheu preisgibt. Ein Buch, das einem das beruhigende Gefühl gibt, klüger und kultivierter zu sein als das Pack, das da vorgeführt wird. Tja, schön wär’s. Oder auch nicht, denn so ein Buch hätten wir beim Beben wohl kaum gewollt.
Pension Barbara ist schlicht und einfach ein gutes Stück fieser. Klar, die Zustände im Dorf Kesslingen, wo sich der Großteil der Handlung abspielt, sind abscheulich: „Ein Pferd mit herausquellenden Gedärmen auf der Straße wäre hier auch kein Stilbruch“, denkt Felix Walter, und man fühlt sich sofort eingeladen, mit ihm zusammen so richtig abzukotzen über den Häkelschutzbezug auf dem Telefon in seinem Zimmer, über die Wachstuchtischdecke in der Küche, über die Verlogenheit, die Kesslingen aus jeder Pore quillt.

Aber was ist das für ein Kerl, mit dem zusammen man da abkotzt? Da die Geschichte in der ersten Person aus Felix‘ Perspektive erzählt wird, erfahren wir mehr über ihn, als uns lieb sein kann: Ein Mann, der seiner Umwelt prinzipiell mit Feindseligkeit und Misstrauen begegnet, der sich Todesfantasien über seine schwangere Frau ausspinnt, der aus der Bitte um einen Wasserkocher einen Psychokrieg macht und jeden noch so kleinen Triumph im verbalen Kampf gegen seine vielköpfige Feindesschar mit grimmiger Häme auskostet. Jemand, der so wenig Bezug zu seinen eigenen Gefühlen hat, dass er sich, wenn er am Handy weint, Sorgen darüber macht, dass die Feuchtigkeit das Gerät beschädigen könnte.

Ist Pension Barbara also in Wirklichkeit eine Satire über diesen neurotischen Verstandesmenschen, der den kritisch-analytischen Blick auf seine Umwelt über jedes Maß hinaustreibt? Die kritische Vernunft, die er sich zugute hält, macht sich zum Komplizen der absurden Verhältnisse, denen er ausgesetzt ist. Jedes noch so kleinliche Psycho-Spielichen spielt Felix mit oder erfindet es gar erst, im vollen Bewusstsein der Blödsinnigkeit seines Tuns; sein kritisches Hinterfragen schlägt in Menschenhass und paranoiden Wahn um. Das Lachhafte an der ganzen Angelegenheit hat nichts Befreiendes – es ist der eigentliche Albtraum, weil der Verstand einfach nicht mit ihm fertig wird. Was in Pension Barbara eine tödliche Kränkung erfährt, ist der Glaube, dass man etwas, nur, weil man es mit Vernunft durchdrungen hat, auch besiegt hätte. Felix Walters Frau Katharina, die wir (zumindest aus seiner Perspektive) als launenhaft und gleichzeitig völlig unkritisch erleben, erscheint zunehmend als die Person, die den wesentlich gesünderen, pragmatischeren Umgang mit ihrer Umwelt pflegt. Sie nutzt das Meckenheim-Institut genau so lange, wie es ihr persönlich eben von Nutzen ist, anstatt sich von ihm verrückt machen zu lassen.

Trotzdem habe ich vollstes Verständnis für diesen verrannten Kerl, für seine ätzenden inneren Kommentare auf alles und jeden. Ich kann seine Mischung aus Verächtlichkeit und Verstricktheit bestens nachfühlen. Das, womit er konfrontiert wird, ist ja absurd, und der Verstand muss je mehr daran verzweifeln, desto mehr er sich abmüht. Natürlich ist das nicht einfach die Geschichte eines Opfers, das von seiner Umwelt verrückt gemacht wird – dafür bringt Felix selbst zuviel Kleinlichkeit, Gemeinheit und Verbohrtheit mit nach Kesslingen. Aber es ist halt auch keine Geschichte über einen gehässigen Paranoiker.

Man kann die Kesslinger ebenso wenig einfach mit einem Lachen abtun wie den Protagonisten. Lässt man sich auf Pension Barbara ein, dann wird man in die Sache verstrickt und wahrscheinlich mit dem etwas peinlich berührten Gefühl aus der Lektüre entlassen, das man den Autor irgendwie falsch verstanden haben müsse. Kann das sein, dass einem hier kein Rückzugsraum gelassen wird, von dem aus man spöttisch über die Kesslinger, Felix Walter und diesen ganzen Irrsinn lachen kann?

Eine Satire ist das jedenfalls nicht, sondern tatsächlich noch eher eine Horrorgeschichte – mit vielen Fiesheiten, bösartigem Leserreinsaugen und kleinen, aber nachhaltigen Erschütterungen.

Gelesen: Ulrike Schmitzer, Es ist die Schwerkraft, die uns umbringt

Schwerkraft

Auf diesen mit rund 160 Seiten schön kurzen Roman war ich ordentlich neugierig – und es fängt auch sehr vielversprechend an. Da wird nüchtern von einer seltsamen Begegnung im Zug mit einer Frau, deren Hobby es ist, Strommasten zu fotografieren, erzählt, und schon auf dieser einen Seite steckt ein sehr feiner Humor im sachlichen Tonfall.
Die oberflächliche Handlung von Es ist die Schwerkraft, die uns umbringt ist leicht zu verfolgen: Die Biochemikerin Kira testet Astronautenzeug für zukünftige Marskolonisten. Gleichzeitig forscht sie auch noch an irgendwelchen Blaualgen, die ein wichtiges Nahrungsmittel für die Marssiedler werden könnten. Schon recht früh, nachdem sie sich für das Projekt gemeldet hat, erfährt sie hinter vorgehaltener Hand, dass es sogenannte Schläfer gibt, Menschen, die als Teilnehmer einer Marsbesiedlungsexpedition vorgesehen sind und ein ganz normales Leben leben, bis man sie für die Mission aktiviert, die vielleicht – wahrscheinlich – niemals kommen wird, zumindest nicht zu ihren Lebzeiten. Und natürlich gewinnt man als Leser zunehmend den Eindruck, Kira selbst sei eine solche Schläferin. Irgendetwas in der Art unterschrieben hat sie auch, freilich ohne richtig hinzugucken, und dass diese Raumfahrtstypen ihr gegenüber immer wieder darauf anspielen, dass sie die teuren Pflegekosten für Kiras Vater übernehmen, was sie ja nicht müssten, wirkt auch verdächtig erpresserisch.
Leicht benommen treibt Kira durch die aus der Ich-Perspektive erzählte Handlung, lehnt sich mal auf gegen die Weisungen dieser komischen Weltraumbehörde und macht öfter dann doch, was man ihr sagt. In einem kleinen Akt der Rebellion wirft sie einen Blick auf eine verbotene Liste mit anderen TeilnehmerInnen des Weltraumprogramms, macht eine dort aufgeführte Person ausfindig, die sich als ihre Zwillingsschwester Zoe entpuppt, von der Kira bislang nichts wusste. Kira lernt die Frau, die genau wie sie aussieht, als launische Kulturtante mit immer neuen abstrusen Kunstprojekten kennen und begleitet sie durch ihre Schwangerschaft – und bekommt dabei doch nie so richtig menschlichen Kontakt zu ihr. Wie zu überhaupt niemandem – ihr Vater ist praktisch ein lebender Toter, zu dem vorzudringen in dem abscheulichen teuren Pflegeheim noch dazu fast unmöglich ist; Freunde hat sie sonst anscheinend keine; und alle NASA- und Raumfahrtleute, mit denen sie es zu tun bekommen, sind von grundauf verdächtig, ihr ganzes Leben manipuliert zu haben, und zwar schon seit vor ihrer Geburt. Da erscheint die Aussicht auf eine 1000-Tage-Isolationsstudie, die eine Marsmission fingieren soll, einem als Leser schon fast verheißungsvoll, schließlich wird irgendwann einmal am Rande erwähnt, dass Menschen, die man für lange Zeit auf engem Raum zusammensteckt, in der Regel echte Freundschaft und Toleranz erlernen. Kira sieht das allerdings nicht so, der graut es vor den 1000 Tagen völliger Abgeschnittenheit – obwohl sie eigentlich ohnehin schon völlig abgeschnitten ist.

Was sich in der Zusammenfassung so Verschwörungsthrillermäßig liest, bleibt eigentlich eine ganz ruhige Geschichte über dieses Isolationsgefühl, die weniger beklemmend daherkommt und mehr wie ein anhaltender gelinder Verwirrungszustand. Selbst dann, wenn Kira in leise Panik verfällt, schwingt noch fast unmerkliche Selbstironie mit. Gekonnt erzählt ist das jedenfalls, und auf eine verquere Art auch psychologisch glaubwürdig. Ich muss aber zugeben, dass sich mir für ein Buch, das viel Aufhebens um diverse Rätsel macht, am Ende doch zu wenig Teile ineinanderfügen. Und dann ist da auch noch das Ende, das wie eine Pointe daherkommt, aber von Anfang an absehbar war … ich vermute mal stark, dass diese Absehbarkeit auch beabsichtigt war. Aber wäre es nicht trotzdem klüger gewesen, nicht ganz so auf den (Nicht-)Überraschungseffekt des letzten Satzes abzuheben?

Es ist die Schwerkraft, die uns umbringt, ist ein Buch, bei dem ich den eigentlichen Kern der Handlung entweder nicht verstanden habe, oder in dem die Handlungselemente letztendlich nur Vehikel zur Darstellung der Isolation der Hauptfigur sind. Letzteres finde ich völlig in Ordnung, dann stört es mich nur, wenn das Buch zu viel Aufhebens um seine Handlung macht (Verschwörung! Zwillingsschwester! Manipulation bis ins vorangegangene Glied!), weil es dazu führt, dass ich versuche, etwas aufzuschlüsseln, wo es vielleicht gar nichts aufzuschlüsseln gibt.
Na ja, und wenn ich das Buch nicht verstanden habe, habe ich es nicht verstanden, was dann auch wieder okay ist.

Trotzdem: Erzählt ist das Ganze schön, stilsicher und durchaus lustig – das war sicher nicht das letzte Buch von Ulrike Schmitzer, das ich gelesen habe. Nächstes Mal gehe ich mit etwas mehr Ehrgeiz ran.

KLP-Nominierung und Interview in CthulhuLibria

Zwei Kurzmeldungen: Zum einen ist meine Übersetzung von Kim Stanley Robinsons Roman 2312 für den Kurd-Laßwitz-Preis nominiert. Ich harre gespannt der Entscheidung, insbesondere, weil mit Hannes Riffels Übersetzung von Jo Waltons In einer anderen Welt eine mindestens ebenso anspruchsvolle und ganz wunderschön gelungene Übersetzung nominiert ist.

Schon vor ein paar Wochen ist die Ausgabe 61 des Online-Magazins CthulhuLibria (PDF-Download hier) erschienen, die ein sehr ausführliches Interview mit mir enthält, in dem es vor allem ums Schreiben und dem Zusammenhang meiner Geschichten mit meiner politischen Biographie, um verschiedenen Phantastikbegriffe und um unseren Verlag das Beben geht. Dort wird auch mein Storyband Nichts Böses sehr lobend rezensiert.

Recently read: Robert Charles Wilson, Burning Paradise

(For the fun of it, this time in English!)

BurningParadise

I tend to look forward to each new novel by Robert Charles Wilson with the expectation of, at the very least, intelligent entertainment. I still rate Spin a true masterwork of sf, and while its two follow-up novels weren‘t brilliant, I still liked Axis for its romantic sense of adventure and Vortex for its sheer conceptual grandeur. And Julian Comstock might have been flawed, but it is nevertheless enormously fun to read.
However, Burning Paradise puts a serious dent in my optimism about Wilson’s novels. It is not per se a bad novel – it’s well-paced, with an original and engaging sfnal idea and serviceable main characters. But at the same time, it amplifies everything that is bland, facile and predictable about Wilson’s writing. It feels like a book that, in an attempt to please, takes all the easy ways out of its interesting dilemmas, while adding some half-hearted, pulpy horror elements as stand-ins for grit.

So what is Burning Paradise about? Its alternate history concept is actually pretty cool: around the beginning of the 20th century, the timeline of earth in this novel starts to diverge significantly from ours. Wars and major political crises have been averted by a worldwide culture of de-escalation and, often enough, by sheer coincidence. In 2014, the year the novel is set in, people on earth celebrate the 100th anniversary of the Great Armistice that ended the last real war. The world still has its share of smaller military conflicts, but they always seem to fizzle out.
Another major difference between our world and the world of Burning Paradise is the so-called radio-propagative layer around earth that amplifies and propagates all radio signals, so that they can be received all around the world.
What most people don‘t know is that the radio-propagative layer is in fact a lifeform that envelops earth and influences humanity by subtly altering its radio transmissions. As it seems, only a small international group of scientists and intellectuals calling itself „the Correspondence Society“ is aware of this. These people, most of them academics who have found their research into certain fields misterously blocked and chose to investigate, have been playing at conspiracy for a few decades. Calling the lifeform „the hypercolony“, they are convinced that it is a kind of hive entity without true intelligence or consciousness – but with the evolved ability to manipulate intelligent species and mimick their language and even their appearance. The Corresponcence Society is convinced that the century of relative peace that humanity has enjoyed has been engineered by the hypercolony to further its own ends – whatever they may be. Most members of the society were happy doing their research and keeping their mouths shut, never messing with the hypercolony itself. That changed in 2007: so-called sims, soulless, human-looking things created by the hypercolony, target and eliminate most of the leading minds of the Society. The rest go into hiding, most of them just keeping their head down. But for some of them, it’s war from now on – humanities first real war in a long time.

We get all of this backstory relatively early in the book, which is a smart move. Instead of trying to build suspense by teasing the big reveal, Wilson reveals pretty much everything at the beginning and then goes on to explore the concept. Or so I expected, but there’s actually very little exploration happening.

The first big disapppointment is how little Wilson makes of his alternate history scenario – apart from what we hear from the news and the apparent (and logical) lack of advanced computer and space flight technology, this world doesn‘t seem very removed from our own. Its general culture is pretty similar – which is a hard pill to swallow, if we imagine that the most defining event of the 20th century, World War 2, never took place. To be fair, we spend most of the time with protagonists who are on the run and try to avoid contact with pretty much everyone outside of their circle of co-conspirators, so as readers, we might never learn about most of the changes; however, it looks as if Wilson had deliberately set out to construct a narrative that allowed him to show us as little as possible of this alternate earth, and that begs the question why he decided to make this an AH novel in the first place.

There are other elements of the novel that truly stretch credulity. For example, it seems pretty strange that all members of the corresponcence society are absolutely convinced that the century of relative peace on earth is the hypercolony’s work. These are academics and humanists – should not at least some of them consider the possibility that human culture has simply evolved beyond big-scale military conflicts? That reason has finally won? There is, after all, very little compelling evidence about how exactly the hypercolony changed human history. Should the exact nature of its influence not at least be a matter of debate? If I found out about an alien entity manipulating humanity, I would certainly not jump to the conclusion that that must be the explanation for the current era of peace and stability. Psychologically, this would only make sense for someone who knows how the actual history of the 20th century played out.

Then there is the notion of the non-intelligence of the hypercolony, that also seems to be shared by everyone in the Correspondence Society, even though it is based simply on the analogy of the insect state. This might have brought up some interesting questions about how we define consciousness, and how we can know if something has a consciousness, if not from its behaviour. After all, the hypercolony-created, human-looking sims do act like humans most of the time;. We are told time and again that this is an act, a lie, and not even that – it is mimicry, a strategy that has developed through evolution, without a conscious mind behind it. And surely, as soon as the sims are discovered, they drop the act and behave as perfect soldiers of the hypercolony, with no emotions, no soul and no regard for their own life.
While the sims as individuals are time and again convincingly revealed to be inhuman, they still act as if there was an intelligence behind their actions, using them as flesh puppets. However, even that possibility is time and again denied by all point-of-view characters of the novel. Everyone seems to be absolutely convinced that only mimicry is at work.
But how believable is the notion that the hypercolony is non-intelligent, that it is only mimicking consciousness to interact more efficiently with humanity? If, for example, the hypercolonies use of language is simply a matter of evolutionary adaptation, should the trial and error involved not have led to the discovery of the hypercolony by humans long ago? Is it even imaginable that something like the use of language can be „learned“ by biological mimicry – within the lifetime of any given human language – without the workings of a mind that actually can understand and reflect on its symbolical dimension? Can language be successfully „mimicked“ in that way?

The whole concept seems to flimsy that I half-expected the whole story the Corresponcence Society tells itself to fly apart at some point in the novel. How come that no one has ever investigated the sims, who have been present on earth at least for decades and are not only significantly different from humans on a biological level, but also have to be born by unknowing human mothers? Surely, there is something like pre-natal ultra-sound checkups in this world, so a child with green goo instead of a brain should kind of stick out even before birth.
While we do find out that the Society doesn‘t know the full picture, everything it does suspect about the hypercolony turns out to be true. I did praise Wilson for giving us all the relevant information about his novum right in the beginning, and I‘m not saying that I expected some big reveal; but I would have expected him to explore the ambivalences of his concept.

To be fair, there is another conceptual thread in the novel that turns out to be less about the difficulties in defining the nature of consciousness and more about the ironies of war and freedom. It is made pretty clear that some members of the correspondence society actually long for war with the hypercolony, or maybe just for any war, and that they resent the hypercolony for pulling humanities teeth. In the end, the most bellicose Society member turns out to be the one who has been most manipulated by the hypercolony; and the main message of the book seems to be that the best soldiers among the Society are exactly like the sims they despise: They are calm, ruthless and selfless in their actions, like members of a hive-identity that care in no way for their individual survival. So the irony would be that humanities fight to be free from the hypercolony will lead only to humanity becoming more like the hypercolony – instead of being „preyed“ upon in a most benevolent way by a mindless alien insect-god, it will brutally and equally mindlessly prey upon itself. I appreciate this message as a deconstruction of soldierly virtues; however, it is delivered pretty heavy-handedly, and, again, sorely lacks complexity.

Maybe I‘m coming down a little hard on this book, since, on top of it all, I really find its halfway approving depiction of conspiracy theories rather misguided; while it is true that Burning Paradise satirizes the self-important conspiracy theorist who considers himself at war, it also vindicates the narcissistic mindset of conspiracy theorists in general, without casting any doubt on the notion of partaking in some secret knowledge. This is a political objection against Wilson’s novel that not everyone will share.

I haven‘t lost a word about any of the characters in Burning Paradise; the reason being that, while they are all serviceable and act more or less believably, there is nothing very interesting about them. There’s teenage love and estranged love, there’s anger and there are hidden qualities that may not be qualities after all; all of this is depicted pretty well and should at least be engaging on a human level, but it just didn‘t click with me. In the end, the only thing Burning Paradise really has going for it is suspense – it gets into the thick of it pretty much from page one and doesn‘t let up. But I‘ve really come to expect more from Wilson.

Gesehen: Godzilla (1954)

Kindheitserinnerungen an: Grauhäutige Gummimonster in Karateposen! Poppige Musik! Der Kampfschrei eines rostigen Elefanten! Mechagodzillas Haut wird von Gozillas rakioaktivem Atem weggebrannt, und darunter ist: Metall!
Keine Kindheitserinnerungen an: Menschliche Figuren. Tragödien. Dialoge.

Komisch, komisch war es dann neulich, mir den Ur-Godzilla-Film von 1954 anzusehen. Irgendwie hatte ich den zwar auch schon mal gesehen, aber die Erinnerungen waren diffus. Inzwischen ist ja relativ bekannt, dass der erste Godzilla-Film eine Reaktion sowohl auf Hieroshima und Nagasaki als auch auf amerikanische Atombombentests im Pazifik war (zuvor geriet 1954 ein japanisches Schiff in den Wirkungskreis eines solchen Tests, was zahlreiche Besatzungsmitglieder das Leben kostete). Das vermittelt der Film auch ganz unsubtil: Godzilla, erklärt uns ein Wissenschaftler, ist eine Urzeitechse, die durch Atombombentests geweckt wurde und nun mies gelaunt durch den Pazifik wütet – erst terrorisiert „der Godzilla“ die Insel Odo, aber irgendwann, das steht fest, wird er sich Japan selbst und Tokio zuwenden. Dieses Szenario wird erst mal ganz in Ruhe aufgebaut, mit vielen Talking Head, die vor irgendwelchen Komittees leider völlig lächerlichen Wissenschafts-Babel ablassen (so soll Godzilla aus dem Jura stammen und 2 Millionen Jahre alt sein, und in seinem Fußabdruck wurde ein „Tribolit“ gefunden – da stimmt so ziemlich keine Zahl, und Buchstaben sind auch vertauscht. Aber das könnte natürlich auch der deutschen Synchronisation anzulasten sein). Schnell gibt es dann auch Konflikte zwischen den eitel dreinschauenden Generälen, die gleich losballern wollen und irgendwelchen Frauen, die anscheinend hauptberuflich Frauen sind und sich deshalb Sorgen machen, dass es noch mehr Tote geben könnte. Ganz traurig ist der alte Zoologe, dass diese erstaunliche Wesen sterben soll, gleichzeitig verkündet er aber auch unheilvoll, dass es ohnehin nicht totzukriegen sei, wenn man nicht Einblick in die Geheimnisse des Lebens selbst gewinne.
Die hat zufällig der junge, kriegsversehrte Wissenschaftler Serizawa, der insgeheim einen Sauerstoffzerstörer entwickelt hat, der im Wasser Blubberblasen macht und dabei alle Fische in Gräten verwandelt – und, so ist zu hoffen, alle Godzillas in Riesenskelette.

Nebenher gibt es eine tragische Liebesgeschichte um selbigen Serizawa und die ihm versprochene Tochter des Zoologen, Emiko, die eigentlich den Marineoffizier Ogata liebt – und er sie auch. Nur hält der Vater es mit den traditionellen Werten und stellt sich der jungen Liebe in den Weg.

Die eigentlichen Godzilla-Auftritte bleiben spärlich, sind aber überraschenderweise (und mit Ausnahme der ersten Sichtung auf der Insel Odo) ziemlich atmosphärisch inszeniert. Als schwarzer, pockennarbiger Gigant stapft das schwerfällige Ungetüm durch Tokio, lässt Züge entgleisen, setzt Häuser in Brand und zerstrahlt mit seinem radioaktivem Atem schon auch mal ziemlich krass eine Menschengruppe. Und bei aller Zerstörungslust ist das Bild völliger Vernichtung, das Godzilla hinterlässt, dann doch ziemlich verstörend, besonders, wenn man den historischen Hintergrund des Films im Hinterkopf hat. Da gibt es nicht nur plattgelatschte Häuser, sondern auch haufenweise Tote und Verletzte und noch dazu tödlich verstrahlte Kinder. Seltsam, wenn dann nach diesen eher nüchtern präsentierten Bildern mit einer ungeheuren Kinderchor-Kitschoffensive auf die Tränendrüsen gedrückt wird. Ich vermute mal stark, dass dieses Pathos schlicht und einfach authentisch war, heute wirkt es eher geschmacklos, besonders, wenn es der Anlass für den bis dahin noch zögernden Serizawa ist, die von ihm entwickelte ultimative Waffe gegen Godzilla einzusetzen – bis dahin waren nämlich seine Bedenken zu groß, mit dieser Erfindung des Schreckens an die Öffentlichkeit zu gehen, bevor er eine Möglichkeit gefunden hat, sie zu neutralisieren.

Das klingt jetzt alles ziemlich negativ, aber eigentlich hat mich der Film durchaus beeindruckt. Die Botschaft – Mensch, pass auf, wenn du dich mit den Urkräften der Natur einlässt, du wirst sie nie kontrollieren können! – kommt natürlich enorm plump daher, sie gewinnt aber durchaus Vielschichtigkeit durch die Debatten darüber, ob und wann es gerechtfertigt ist, Massenvernichtungswaffen zu entwickeln und einzusetzen. Godzilla ist dabei auch eher eine tragische Figur, auf keinen Fall böse. Eher ist er/sie (ich weiß es auch nicht, für mich eine Sie, im Film aber immer „der Godzilla“) ein Kollateralschaden der Atombombe und am Ende ebenso ein Opfer von Vernichtungstechnologie wie die Menschen selbst. Da kommt dann letztlich die zweite Botschaft bei raus, dass Krieg immer eine Tragödie ist, egal, wie richtig oder notwendig er erscheint. Auch das ist banal, aber von diesem Film schon ziemlich gut in Szene gesetzt.

Man sollte sich übrigens die japanische (teilweise nicht synchronisierte, sondern nur untertitelte) Langfassung spendieren. Aus der deutschen Synchronfassung hat man vor allem lange Debatten über den Einsatz von Massenvernichtungswaffen rausgeschnitten. Die sind in der japanischen Fassung zwar auch wirklich etwas ausufernd und pathetisch, doch andererseits kommen in ihnen einige wichtige Handlungselemente vor, die in der deutschen Synchronfassung unterschlagen werden – beispielsweise ist die Dreiecksstory um Ogata, Emiko und Serizawa in der Kurzversion gar nicht zu verstehen.

Auf jeden Fall ein Stück Filmgeschichte. Ich habe ihn übrigens vor allem deshalb angeschaut, weil im Mai ein neuer amerikanischer Godzilla-Film ins Kino kommt. Der Trailer macht einen vielversprechenden Eindruck, ein guter Regisseur und gute Schauspieler sind auch am Start, und glücklicherweise hat das Ding auch nichts mit Roland Emmerichs seelenlosem Machwerk von 1998 zu tun.

Gesehen: Grand Budapest Hotel

Ich bin ja jetzt nicht der große Kinokenner, und von Wes Anderson habe ich bisher auch nur drei Filme gesehen – den letzten davon, Grand Budapest Hotel, vergangene Woche. Den fand ich nicht nur wie die beiden anderen vergnüglich, irgendwas daran ging mir auch über den Kopf ans Herz oder umgekehrt.
Grand Budapest Hotel spielt in den 1930ern in irgendeinem fiktiven osteuropäischen Kleinstaat und handelt von dem Concierge M. Gustace, der mit Edelstahl- und Samthandschuh die Herrschaft über das titelgebende mondäne Hotel ausübt. Besonders reiche ältere Damen dürfen sich seiner Zuwendung erfreuen. Das Wolfbefinden seiner Gäste und Diskretion sind ihm dabei oberstes Gebot. Diese dienstbeflissene, strenge, schwuchtelige, bescheidene und eitle Figur gäbe in den meisten Geschichten einen trefflichen Schurken und Trickbetrüger ab, oder er wäre der Antiheld irgendeiner tumben Satire über bürgerliche Doppelmoral. In Grand Budapest Hotel jedoch nicht: Da ist M. Gustave der romantische Held eines fast durchweg romantischen Films.
Die Abenteuer, in die er zusammen mit seinem Schützling, dem Lobby-Boy Zero Mustafa verwickelt wird, drehen sich um die umkämpfte Erbschaft einer alten Dame, die häufiger Gast des Grand Budapest Hotel und Objekt von Gustaves Aufwartungen war. Das Schurkeninventar skrupelloser und brutaler Erbschleicher ist so überzeichnet, wie man das erwartet darf, und sorgt für das eine oder andere makabre Mord- und Fingerabhack-Zwischenspiel (allen voran der mit den eisenberingten Fingerknöcheln knackende und stählern grinsende Willem Dafoe); soweit ist das alles so wunderbar harmlos wie die Lektüre eines Jules-Verne-Romans. Der quietschbunte Kolportage-Charakter der ganzen Geschichte wird zusätzlich begünstigt durch die mehrfache fiktionale Verpacktheit der Geschehnisse – über den Anblick eines Denkmals werden wir zu einem Autor geleitet, dem ein erwachsener Zero Mustafa, der seinem jugendlichen Alter Ego seltsamerweise so gar nicht ähnlich sieht, die Geschichte seiner und Gustaves Abenteuer erzählt. Deutlicher ließe sich wirklich nicht signalisieren, dass die Historzität dieser Geschichte pure Fiktion ist, eine nostalgische Vision einer westlichen Zivilisation, deren Korrektheit und Diskretion nicht etwa Korsett oder Fassade ist, sondern ein hübsch verzierte, doppelflügelige Tür, hinter der für jeden die Freiheit eines verschwiegenen Zimmers bereitsteht. In der Anstand und Höflichkeit tatsächlich das sind, als was sie sich ausgeben – der Wille, allen in ihren Bedürfnissen gerecht zu werden und gleichzeitig niemandem näher zu treten, als er oder sie es wünscht. In der Exzentrizität der fundamentale Zustand des Menschen und sein wichtigstes und schönstes Recht ist.

Und dann kamen sie komischerweise trotzdem und um so heftiger, die Momente, in denen ich schlucken musste.

Zu Anfang wird noch die Macht dieser wunderschönen Art von Anstand ausgestellt – wenn etwa Gustave und Zero im Zug von Soldaten (Krieg droht!) kontrolliert werden, die den Einwandererjungen Zero abführen wollen. Nicht nur lehnt sich Gustave bestimmt gegen diese Ungerechtigkeit auf, und dank seiner guten Beziehungen zum Polizeikommandanten (Ed Norton mal als preußisch-zackiger, aber ebenfalls sehr anständiger Uniformträger) lässt er den miesen Soldatenhaufen auch ganz klein aussehen.
Etwa auf der Hälfte des Films erscheint die Zivilisation, für die M. Gustave steht, aber schon nicht mehr ganz so glanzvoll: Erstmals verliert Gustave die Contenance und fällt mit einer wüsten Tirade über seinen Lobby-Boy her, weil dieser sein liebstes Eau de Toilette im Hotel vergessen hat. Er beschimpft ihn als Barbaren, der wahrscheinlich stinkend unter Ziegen aufgewachsen ist und fragt, warum er überhaupt seine Heimat verlassen hat, in der ein primitiver Kerl wie er ja wohl weit besser aufgehoben gewesen wäre.
Zero erwidert darauf, dass er seine Heimat verlassen habe, weil seine ganze Familie im Krieg ermordet wurde.
Die Reaktion des zerknirschten Gustave, der sich sofort wortreich und hochoffiziell bei seinem Lobby-Boy entschuldigt und erklärt, dass ein solches Verhalten wie das von ihm an den Tag gelegte des Grand Budapest Hotels unwürdig sei, ist aber nicht in erster Linie wegen ihres überbordenden Gestus und ihrer Versöhnlichkeit so anrührend, sondern weil sie der Sache nach zutiefst angemessen ist.
Na klar, persönlich kann man Gustaves Ausfall verstehen, schließlich hat er gerade eine strapaziöse Flucht aus dem Gefängnis hinter sich. Aber der Zivilisation, wie sie durch ihn und das Grand Budapest Hotel vertreten wird, ist seine rassistische Tirade wahrhaft nicht würdig – so, wie unserer ganz realen Zivilisation ihr schmutziges Fundament aus Kolonialismus und Rassismus eigentlich nicht würdig ist. Es ist buchstäblich unanständig. (Klar, wortreiche Entschuldigungen helfen da auch nicht …)
Ohne diese Szene wäre der Film vielleicht eine allzu gefällige Romantisierung der Zwischenkriegszeit gewesen. Doch dieser eine Moment ist von einer echten Trauer darüber durchdrungen, dass die westliche Zivilisation nicht das einlösen kann, was sie zumindest ansatzweise einmal versprochen hat – anständig zu sein; jeden Menschen in seiner Exzentrität zu achten und eine schön verzierte Tür mit einem Zimmer voller Freiheit dahinter für ihn zu sein –, die wenig mit Nostalgie und viel mit der wirklichen Trauer über die allgemeine Bekacktheit der Verhältnisse zu tun.
Die wird einem dann zum Ende auch noch mal ziemlich brutal vorgeführt, wenn Gustaves Anstands-Macht vom Faschismus niedergewalzt wird, der halt doch stärker ist. Das ist schon fast ein bisschen zu dicke, man bekommt das Gefühl, dass Anderson einem jetzt plötzlich einen Strick daraus drehen will, dass man sich so lange an seinen harmlosen Späßen erfreut hat. Vielleicht dreht er sich aber auch nur selber den Strick. Jedenfalls ist auch das natürlich ein starker Moment, der einem durchaus ganz primitiv in die zuvor behutsam geöffnete Wunde haut.
Meine beiden Kinobegleiterinnen haben das übrigens nicht so intensiv empfunden wie ich. Wahrscheinlich ist hier also auch eine Menge Projektion am Werk. Andererseits verweist der Abspann darauf, dass der Film von den Werken Stefan Zweigs inspiriert sei. Den habe ich zwar nie gelesen, doch mein Google-Fu förderte zutage, dass Zweig in Die Welt von Gestern seinen Unglauben darüber kundtat, dass Europa nach dem ersten Weltkrieg nicht zu einem dauerhaften Frieden gefunden hat.

Lektoriert und erschienen: ein totes im see‘bolo

Gecko Neumckes soeben in unserem Verlag das Beben erschienene Buch ein totes im see‘bolo war von allen Manuskripten, die uns Ende letzten Jahres hereingeflattert sind, sicher das überraschendste. Erst mal sperrig – hä, warum ist da alles klein geschrieben? Was sind das für komische Zwei-Silben-Wortbestandteile in schuh‘bolo, oldie‘gana, cono‘rüben, chip’sibi? Warum wimmelt es von lauter „Es‘“ statt „Ers“ und „Sies“? Da schwant einem Politisches …
Beim Weiterlesen wurde alles ganz schnell nicht absolut klar, aber doch irgendwie nachvollziehbar. Ich konnte mir einen groben Reim auf die sprachlichen Eigenwilligkeiten machen, begriff, wie die Protagonisten drauf sind und habe langsam angefangen, mich nicht nur ein bisschen zu amüsieren, sondern richtig breit über dieses Buch zu grinsen. Gnihihi, dachte ich mir, da lebt die Hauptfigur im schönsten Anarchokommunismus, und was denkt sie sich? Zum Beispiel das:

in den alten zeiten wär ich einfach müllmensch gewesen und gut, acht stunden keulen, dann feierabend. jetzt war der müll mein notwendiges viertel, und dann kam noch dieser quatsch mit dem repro und der politik und dem freien für mich. danke, santa frigga. keine ahnung, warum ich schon wieder so ne scheißlaune hatte

Oder: Gnihihi, diese knörzigen Altautonomen, die zwei Generationen später noch immer von der Niederringung des Kapitalismus rumpoltern wie irgendwelche Weltkriegsveteranen, die kenn ich doch auch. Und das mit der aufgehobenen Zweigeschlichtlichkeit war zur Abwechslung richtig schön locker und beiläufig erzählt. Vor allem aber hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass es richtig Spaß machen würde, in so einer gut organisierten, aber leicht verpeilten befreiten Gesellschaft irgendwo zwischen William Morris und Elektrifizierung zu leben. Und den Spaß hatte ich auch beim Lesen. Wo gibt’s denn bitte so was, eine Utopie, in der das Leben nicht langweilig ist? In der Kinder ziemlich oft nerven, lästige Pflichten nur unter Maulen erledigt werden und plötzlich so aufschreckende und aufregende Dinge passieren wie ein Mord?

Irgendwann am Ende habe ich auch kapiert, dass die ganzen komischen Begriffe und die politische Organisation der geschilderten Gesellschaft maßgeblich auf dem Buch bolo‘bolo des ziemlich seltsamen Schweizer Autors P.M. beruht. Von P.M. hatte ich irgendwann mal Weltgeist Superstar gelesen und erinnere mich dunkel, dass ich zum Teil belustigt und zum Teil aus weltanschaulichen Gründen sehr verärgert darüber war. Zum P.M.-Fan hat es jedenfalls nicht gemacht, deshalb habe ich auch nie bolo‘bolo gelesen, obwohl das Buch so eine Art Bibel meiner Wagenplatz-FreundInnen war. Trotz dieser Bildungslücke habe ich ein totes im see‘bolo uneingeschränkt genossen und wollte es hinterher gleich noch einmal lesen.

Da traf es sich ganz gut, dass es sich um ein bei uns eingesandtes Manuskript handelte, das noch dazu dem ganzen Verlagsteam gefiel. Ich meldete mich also flugs freiwillig als Lektor und habe mich an den zweiten und dritten Lesedurchgang gemacht. Und zusammen mit Gecko natürlich noch ein bischen am Text rumgeschraubt, ihm hier eine Stelle ausgeredet und ihm da noch ein paar Absätze mehr abgeschwatzt. Dabei habe ich mal wieder gemerkt, dass ich gerne viel öfter Texte lektorieren möchte, weil das eine enorm interessante Art ist, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Es geht dabei ja nicht nur darum, hier und da eine schönere Formulierung zu finden. Man muss sich immer fragen: Was ist das für ein Text, wie klingt der, was tut der, was gehört da rein und was sind Sachen, die da eigentlich nicht reingehören, dem Autor aber reingerutscht sind? Und gibt es darin Formulierungen, die nicht schöngemacht werden sollten, die hässlich sein müssen oder die man sogar noch hässlicher machen muss?

Die Lektoratserfahrung mit ein totes im see‘bolo war bisher meine angenehmste und befriedigendste – sicher auch, weil ich mir viele Gedanken über den Text machen konnte, ohne dem Autor letztlich mit besonders viel Änderungen aufwarten zu müssen. Das Meiste stimmte schon so, in aller Verschrobenheit, mit den Kleinbuchstaben, den komischen Zweisilbern, dem Plauderton der Figuren, den kleinen lieben und den kleinen makaberen Witzen … es ist einfach ein ganz tolles Buch, und ich wünsche mir natürlich, dass ganz viele Leute es lesen!

Hier geht’s zur Buch-Webseite und zur Leseprobe.

Ein Interview …

mit mir, in erster Linie zu meinem Storyband, gibt es hier.

Erste Rezensionen zu „Nichts Böses“

… sind erschienen.

Auf fantasyguide urteilt Ralf Steinberg:

»Nichts Böses« ist schaurige Phantastik, die man mit einem breiten Grinsen liest.

Und Klaus N. Frick macht mich fast verlegen mit den Worten:

Wer unbedingt einen Vergleich möchte, darf gerne Ray Bradbury bemühen: Wie der Altmeister der phantastischen Literatur lässt auch Schmidt gern zu, dass sich Realität und Phantastik vermischen. Das macht er so geschickt, dass man manche Geschichten gleich ein zweites Mal lesen möchte.

Schlotzen & Kloben gibt es immer noch!

Wir haben in letzter Zeit an der Werbefront schwer geschwächelt, aber unsere Lesebühne gibt es immer noch – und sie hat mit Svenja Schröder sogar Nachwuchs bekommen! Am 14. November treten wir wieder in der Z-Bar auf – alles weitere erfahrt ihr auf unserem Blog.