Archiv für Dezember 2006

Ich bin viele

… unter diesem Titel ist heute die neue Phase 2 erschienen, die nun, im leicht abgewandelten Design, leider nicht mehr die „Zeitschrift gegen die Realität“ ist (zumindest nicht offiziell). Aber gegen all das Schlimme, das wie Welt ist, trotzdem, und deshalb diesmal für und über und vielleicht auch sogar ein bisschen gegen das Subjekt, das ganz individuell unterworfene wie das kollektivsichnichtentblödende.

Nicht ganz frei von Eitelkeit sei besonders auf den Schwerpunktbeitrag der P2 Berlin, „Verharren im Dekonstruierten“, hingewiesen, mit dem wir schonungslos und ein wenig deprimiert dem unter Antideutschen beliebten Sport nachgehen, einige Nichtzuendegedachtismen des Poststrukturalismus aufzudecken, das allerdings natürlich sehr viel fundierter und argumentativer, als ihr es aus anderen Zeitschriften gewöhnt seid.

Jedenfalls könnt ihr das Werk auf der Webseite bestellen oder (oder und!) ab nächster Woche in einer der einschlägigen Buchhandlunge erwerben (z.B. Schwarze Risse im Mehringhof oder auf der Kastanienallee in Berlin).

Übrigens auch ein hervorragendes Weihnachtsgeschenk für alle Subjekte (ihr wärt erstaunt, wieviele von euren Freunden und Verwandten heimlich welche sind)!

Cthulhu ftaghn!

Er ist groß. Er ist grün. Er ist so prominent, dass sogar schon Tocotronic ihm einen impliziten Liedauftritt zugedacht haben. Und es gibt ihn hier:

Who the fuck is Karoline?

Heute morgen auf dem Rückweg von der Drogerie kommt mir von der gegenüberliegenden Seite der Ampel also ein schwergewichtiger, alkoholtechnisch mitgenommener Mann entgegen, der mit weiten, langsamen Schwimmbewegungen seines rechten Arms die sich nähernden Autos magisch-majestätisch abhält. Als er direkt neben mir auf festem Bürgersteigboden angekommen ist, brüllt er plötzlich mit heiserer, aber durchaus markerschütternder Stimme: „HALLO KAROLINE!“

Manchmal macht Berlin mir Angst.

Zielwasser

Gestern in der U1 Richtung Warschauer Straße:
Mann, der im Türbereich steht, lässt beim telefonieren Bier fallen (ganz unmotiviert übrigens – wie sonderbar!). Hinterläßt aber nur ein kleines, bieriges Pfützchen und rettet den Rest schnell. Neben ihm auf der Band: ein massiger Kerl mit Vollbart und dezenten goldenem Ohrring, kein Rocker, aber nicht weit entfernt. Macht eine dezent ärgerliche, aber schweigsame Miene. Wurde ja auch nicht wirklich getroffen.
Dann: Zug fährt an. Die Ärmchen der sternförmigen Pfütze, die nach Westen zeigen, erzittern und beginnen, gegen die Fahrrichtung zu wachsen. Die beigen, matten Lederschuhe des Mannes stehen da wie die Sockel der beiden Freiheitsstatuen, unten drunter haben sie aber beide diese kleine Einbuchtung, also zwei Mini-Triumphbögen eingebaut. Eines der aromatischen Rinnsale durchquert nun treffsicher und ohne dem Mann dabei aufzufallen, erst das eine Portal dieser Art und dann das Zweite, um schließlich am weichen, grauen Lederstiefel seiner Nebenfrau zum Stehen zu kommen.

Physik ist doch was tolles.

Berlin mit Bürgerkriegsflair

DefendIsrael

gesehen: Berlin-Charlottenburg, Marchstr. Ecke Landwehrkanal, am 16. November 2006

passend dazu mein bescheuerter Traum von neulich:

Ich sitze da mit ein paar sympathischen, dunkel gekleideten Menschen in einem überdimensionierten Klassenraum fest. Wir haben allerlei Waffen, denn draußen auf den riesigen Schulfluren befinden sich andere dunkel gekleidete, sympathische Menschen, die uns Belagern, wir haben nämlich Krieg, mit allem, was so dazugehört. Wir drinnen sind die Antideutschen, die draußen der Rest der „Szene“. Na das geht ja alles noch, aber dann muss einer von uns auf’s Klo, und die Klos sind blöderweise draußen auf dem Gang, hinter den feindlichen Linien. Er also: verbal die weiße Fahne gehisst und zur Klassenraumtür raus. Eine Minute später ist er zurück, weil er nicht durchgelassen wurde. Ich: Das geht jetzt aber wirklich zu weit! Stürme also raus und fange an, die Feinde zusammenzuschreien, die offenbar gerade bei der Mittagspause sind, alle lehnen an der Wand oder sitzen einfach auf dem roten Teppichboden rum und essen aus Papiertüten. Seid ihr jetzt total durch? Brüll ich rum, Spinnt ihr jetzt richtig? Die gucken mich aber irgendwie alle nur an wie Bahnhof …

Ich schwöre, ich hab’s wirklich geträumt! Und diesmal hab ich kein schimmeliges Brot gegessen!

Aphorismus des Tages II

Wenn man erfolgreich dafür kämpft, Teil der Gesellschaft zu sein, bringt das unglücklicherweise mit sich, Teil der Gesellschaft zu sein.