Jetzt ist sie erschienen, die zweite Ausgabe unseres unglaublichen, urst unverschämten urgenialen Magazins mit einer Titelillustration des unvergleichen me raabenstein:

Los geht diese Ausgabe mit Ian McDonalds Geschichte „Die Kindgöttin“, die im Nepal und Indien der nicht mehr allzu fernen Zukunft spielt und die laufbahn eines schizophrenen Mädchens zum Thema hat, dass es von einer Göttin zur Schmugglerin zu – nun, lest es selber – bringt. McDonald hat es wie kaum ein anderer drauf, auf vergleichsweise engem Raum eine ungeheuer komplexe, sinnliche und glaubwürdige Zukunftswelt zu erschaffen. Einer meiner vier Storyfavoriten dieser Ausgabe!
Danach folgt ein herzerwärmender und bissiger Essay von Nalo Hopkinson zum Thema Rassismus und wie SF und Phantastik manchmal auf einer ganz individuellen Ebene dagegen hilft.
Elizabeth a Lynns klassische Fantasy-Novelle „Der Silberdrache“ ist fast schon in einem original tolkienschen Idiom verfasst – wenig Dialoge, oftmals knappe Beschreibungen und dann wieder viel Zeit für ein besonders eindrückliches Bild. Ich gebe zu, recht begeistern kann ich mich dafür nicht, ist mir alles zu romantisch und ungebrochen, aber: Lynn versteht ihr Handwerk. Und der Übersetzer auch!
„Stark und die Sternenkönige“ von den Altmeistern Leigh Brackett und Edmond Hamilton habe ich noch nicht gelesen (schließlich will ich auch wenigstens eine Überraschung pro Ausgabe). Mir wurden allerdings explodierende Galaxien versprochen …
Anschließend gibt Hardy Kettlitz einen kurzen Überblick über schwule Figuren in der SF, dann folgt S.T. Joshi mit ein paar Erläuterungen zu Lovecrafts Theorie der fantastischen Literatur.
Ellen Klages‘ „Das grüne Meer aus Glas“ ist eine realistische Geschichte über die ersten Atombombenversuche, von der man sich fast wünschte, sie wäre „nur“ SF … leise verstörend werden aus der Perspektive eines jungen Mädchens die schrecklichen Wunder einer unbegreiflichen neuen Technik erzählt.
Anschließend schlägt Adam Roberts eine neue Lesart von George Orwells „1984″ vor. Auch hier geht’s ein wenig verstörend zu.
Dann folgt Ted Chiang’s großartige Erzählung „Die Wahrheit vor Augen“. In Form von fiktiven Interviewausschnitten nimmt sich Chiang eines Themas an, dass völlig ungeeignet für eine SF-Geschichte erscheint: Lookism. Da guckt ihr, was? Das wirklich erstaunliche: das ganze funktioniert als Geschichte. Chiang ist einfach ein unglaublich guter Storyautor, der seine Materie 110%ig im Griff hat. Aber was lasse ich mich hier aus, gleich im Anschluss könnt ihr nämlich in der Pandora meine essayistische Würdigung der Erzählung lesen …
Tobias O. Meißners rollenspielerische Fantasy-Story „Der Tag am Ufer“ ist vielleicht ein bisschen eine Gratwanderung: eigentlich handelt es sich um ein unveröffentlichtes Kapitel aus seinem „Im Zeichen des Mamuts“-Zyklus, das zwar eigenständig lesbar ist, aber in meinen Augen ohne die dazugehörigen Romane nicht wirklich viel hergibt. Jedenfalls aber eine gute Kostprobe für potenzielle Mammut-LeserInnen. Danach folgt ein umfangreicher Essay über die Computerspieleinflüsse auf Meißners Werk aus der Feder von Markolf Hoffmann.
Zwei Texte (von Dave Truesdale und Graham Sleight) befassen sich mit dem SF-Riesen Alfred Bester, sowohl mit seinen beiden großen Romanen „The Stars My Destination“ und „The Demolished Man“ als auch mit seinem Treiben als SF-Kritiker.
Als letzte Story folgt Kelly Links wunderbarer „Verschwindetrick“, magisch-realistisch, ein wenig gruselig und skurril illustriert von Mariya Yordanova. Neben Chiang, McDonald und Klages meine vierte Lieblingsstory in dieser Ausgabe. John Clute gibt am Ende noch ein paar Einlassungen über Kelly Link, die mir diesmal zugegebenermaßen etwas zu sehr ins kryptische abdriften.
Wie ihr Pandora kriegt, erfahrt ihr übrigens hier. Das günstige 20-€-Jahresabo gibts übrigens nur noch bis Ende 2007!