Archiv für Oktober 2007

Pandora 2 ist da!

Jetzt ist sie erschienen, die zweite Ausgabe unseres unglaublichen, urst unverschämten urgenialen Magazins mit einer Titelillustration des unvergleichen me raabenstein:

Pandora2

Los geht diese Ausgabe mit Ian McDonalds Geschichte „Die Kindgöttin“, die im Nepal und Indien der nicht mehr allzu fernen Zukunft spielt und die laufbahn eines schizophrenen Mädchens zum Thema hat, dass es von einer Göttin zur Schmugglerin zu – nun, lest es selber – bringt. McDonald hat es wie kaum ein anderer drauf, auf vergleichsweise engem Raum eine ungeheuer komplexe, sinnliche und glaubwürdige Zukunftswelt zu erschaffen. Einer meiner vier Storyfavoriten dieser Ausgabe!

Danach folgt ein herzerwärmender und bissiger Essay von Nalo Hopkinson zum Thema Rassismus und wie SF und Phantastik manchmal auf einer ganz individuellen Ebene dagegen hilft.

Elizabeth a Lynns klassische Fantasy-Novelle „Der Silberdrache“ ist fast schon in einem original tolkienschen Idiom verfasst – wenig Dialoge, oftmals knappe Beschreibungen und dann wieder viel Zeit für ein besonders eindrückliches Bild. Ich gebe zu, recht begeistern kann ich mich dafür nicht, ist mir alles zu romantisch und ungebrochen, aber: Lynn versteht ihr Handwerk. Und der Übersetzer auch!

„Stark und die Sternenkönige“ von den Altmeistern Leigh Brackett und Edmond Hamilton habe ich noch nicht gelesen (schließlich will ich auch wenigstens eine Überraschung pro Ausgabe). Mir wurden allerdings explodierende Galaxien versprochen …

Anschließend gibt Hardy Kettlitz einen kurzen Überblick über schwule Figuren in der SF, dann folgt S.T. Joshi mit ein paar Erläuterungen zu Lovecrafts Theorie der fantastischen Literatur.

Ellen Klages‘ „Das grüne Meer aus Glas“ ist eine realistische Geschichte über die ersten Atombombenversuche, von der man sich fast wünschte, sie wäre „nur“ SF … leise verstörend werden aus der Perspektive eines jungen Mädchens die schrecklichen Wunder einer unbegreiflichen neuen Technik erzählt.

Anschließend schlägt Adam Roberts eine neue Lesart von George Orwells „1984″ vor. Auch hier geht’s ein wenig verstörend zu.

Dann folgt Ted Chiang’s großartige Erzählung „Die Wahrheit vor Augen“. In Form von fiktiven Interviewausschnitten nimmt sich Chiang eines Themas an, dass völlig ungeeignet für eine SF-Geschichte erscheint: Lookism. Da guckt ihr, was? Das wirklich erstaunliche: das ganze funktioniert als Geschichte. Chiang ist einfach ein unglaublich guter Storyautor, der seine Materie 110%ig im Griff hat. Aber was lasse ich mich hier aus, gleich im Anschluss könnt ihr nämlich in der Pandora meine essayistische Würdigung der Erzählung lesen …

Tobias O. Meißners rollenspielerische Fantasy-Story „Der Tag am Ufer“ ist vielleicht ein bisschen eine Gratwanderung: eigentlich handelt es sich um ein unveröffentlichtes Kapitel aus seinem „Im Zeichen des Mamuts“-Zyklus, das zwar eigenständig lesbar ist, aber in meinen Augen ohne die dazugehörigen Romane nicht wirklich viel hergibt. Jedenfalls aber eine gute Kostprobe für potenzielle Mammut-LeserInnen. Danach folgt ein umfangreicher Essay über die Computerspieleinflüsse auf Meißners Werk aus der Feder von Markolf Hoffmann.

Zwei Texte (von Dave Truesdale und Graham Sleight) befassen sich mit dem SF-Riesen Alfred Bester, sowohl mit seinen beiden großen Romanen „The Stars My Destination“ und „The Demolished Man“ als auch mit seinem Treiben als SF-Kritiker.

Als letzte Story folgt Kelly Links wunderbarer „Verschwindetrick“, magisch-realistisch, ein wenig gruselig und skurril illustriert von Mariya Yordanova. Neben Chiang, McDonald und Klages meine vierte Lieblingsstory in dieser Ausgabe. John Clute gibt am Ende noch ein paar Einlassungen über Kelly Link, die mir diesmal zugegebenermaßen etwas zu sehr ins kryptische abdriften.

Wie ihr Pandora kriegt, erfahrt ihr übrigens hier. Das günstige 20-€-Jahresabo gibts übrigens nur noch bis Ende 2007!

Story erschienen, Lesung am Dienstag und endlos Lesestoff

Inzwischen ist mein Belegexemplar von S.F.X. eingetrudelt, indem meine Story „Wo uns niemand findet“ enthalten ist. Ich verzichte jetzt mal auf den Werbeblock – wer einfach zwei Einträge runterscrollt oder in die Kurzgeschichten-Rubrik geht, findet Titelbild, Inhaltsverzeichnis, Bestellink und den ganzen Schnickschnack dort.

Leider bini ch noch nicht zum lesen gekommen, denn derzeit nimmt mich Mark Z. Danielewskis „House of Leaves“ gänzlich gefangen. Ein unverschämter Geitserhausroman, unverschämt deshalb, weil er neidisch macht – „das hätte ich auch gekonnt, wäre ich nur so dreist gewesen, es einfach zu schreiben“. Was natürlich Unsinn ist. Zwei Haupthandlungsstränge (einer davon die Nacherzählung eines sonderbaren Dokumentarfilms durch einen Blinden, verpackt in eine filmwissenschaftliche Arbeit, die andere der stetige mentale Verfall desjenigen, der das Manuskript dieser Nacherzählung findet und zur Veröffentlichung bearbeitet), ein Haufen typographischer Extravaganzen, Reflektionen über die Natur der Angst – und all das nicht nur spannend, sondern geradezu furchteinflößend.

Die deutsche Ausgabe ist übrigens jüngst unter dem Titel „Das Haus“ bei Klett-Cotta erschienen und z.B. im Otherland immer vorrätig. Noch dazu befindet sich Danielewski gerade auf Deutschland-Tournee. Kommenden Dienstag, den 16. Oktober, ist er in Berlin und liest im Festsaal Kreuzberg – gemeinsam mit seiner Übersetzerin Christa Schuenke und moderiert von niemand geringerem und niemand höherem als Dietmar Dath. Karten gibt’s für schlappe 9 € ebenfalls im Otherland.

Jetzt muss ich leider auch noch arbeiten und darft erst heute abend weiterlesen, nägh …