Archiv für November 2007

Oweh-oweh-o-Beowulf …

Eigentlich gesehen habe ich BEOWULF natürlich wegen der huge frickin‘ monsters und der bärtigen, kämpfenden Heroen.
Uneigentlich war Neil Gaimans Beteiligung am Drehbuch eine gute Entschuldigung, ins Kino zu gehen.

Die Begeisterung hält sich zugegebenermaßen in Grenzen.

Irgendwie ist das natürlich alles schön postmodern: Computergenerierte Archaik (Interessanterweise sehen die CGI-Männer allesamt besser aus als die Frauen, weil sie schlechtere Haut haben … hach, welch trefflicher Authentizitismus!), ein neuinterpretierter Mythos … gelernt habe ich, dass das Heroengeschäft nur was für selbstgefällige Aufschneider&Arschlöcher ist, die erst killen und dann noch mal killen. Naja, das habe ich nicht gelernt. Das wusste ich ja schon. Also nicht so spannend, die Erkenntnis.

Klar, das ist schon ganze nett, das erst Grendel und Hrothgar tragische Gestalten sind und sich die Tragik dann auf Beowulf überträgt, und die ganze Kastrationssymbolik mit abgehackten Armen, zu Quecksilber zerfließenden Schwerten und so hat auch was für sich. Ich mag so was unverhohlenes, dafür entschuldige ich auch einen Haufen reakionäres Mackergetue.

Und trotzdem. Trotzdem ist das ganze irgendwie statisch, irgendwie schrecklich unreflektiert, irgendwie für mich unverdaulich. Beim Herrn der Ringe war ich vielleicht nicht so kritisch, aber das hat auch als Kitsch so einwandfrei funktioniert, dass man sich einfach hingeben konnte … Aber Beowulf ist nicht mal richtig guter Kitsch, ein bisschen ironisch gebrochen, aber nicht ernsthaft hinterfragt.

Hal Duncan hat das Problem mit dem Film übrigens ausführlicher (und amüsanter!) erörtert!

DIE ANDEREN im Anderland

Morgen, am Freitag dem 23. November, mal was ganz anderes: Boris B.B. Koch liest aus seinem jüngst erschienen Fantasy-Monumentalwerk DIE ANDEREN. „Ein Meisterwerk des postreflexiven Ironismus“ meint die Kritik, und ehrlich gesagt erwarte ich von einem Otherland-Crewmitglied auch nichts geringeres.

Wer nicht kommt, ist ein Elf.

Hier geht’s zur Ankündigung.

Das Zitat zum Tagesgeschehen

„Revolution in Deutschland? Das wird nie etwas, wenn diese Deutschen einen Bahnhof stürmen wollen, kaufen die sich noch eine Bahnsteigkarte!“

- W. I. Lenin

Notizblog: I am Legend

Gerade habe ich eines meiner frühen Lieblingsbücher mal wieder gelesen, diesmal im englischen Original: Richard Mathesons „I am Legend“, mehrmals verfilmt („The Last Man on Earth“ mit Vincent Price, „The Omega Man“ mit Charlton Heston und jetzt neu „I am Legend“ mit Will Smith … eine wahrhaft illustre Reihe von Hauptdarstellern!). Vergesst die Filme, Leute, dieses Buch hat auf dünnen 160 Seiten mehr in sich als … nun, mehr, als man erwarten sollte.

Die Story ist einfach: Eine seltsame Seuche hat die Menschheit dahingerafft und in untote, blutdürstige und lichtscheue Vampire verwandelt. Nur ein Mann, Robert Neville, hat überlebt. Nachts verschanzt er sich in seinem Haus, tagsüber zieht er durch die leeren Straße, sucht die Vampire in ihren Häusern und schlachtet die wehrlosen mit Holzpflöcken dahin.

Abgesehen davon, dass Mathesons Roman eine überzeugende und zuweilen erschreckende Studie zum Thema Einsamkeit ist, handelt es sich auch um einen Vorläufer intelligenter Zombiefilme wie „Night of the Living Dead“, in deren Zentrum typischerweise die Frage steht, wie sehr sich der Mensch eigentlich wirklich von dem verabscheuten Anderen unterscheidet, und inwieweit das monströse Andere sich letztlich als Projektion erweist, als grausame Fantasie, die die Menschen der Fähigkeit beraubt, andere als ihresgleichen zu erkennen. Mathesons Buch ist damit auch eine gelungene kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Rassismus, deren ganzes Gewicht sich erst auf der letzten Seite in einer der grandiosesten Pointen der an sich schon pointenreichen SF-Literatur offenbart. „Normalität ist eine Mehrheitskategorie.“ Die beiden bisherigen Verfilmungen haben dieses herausragende Ende leider nicht übernommen, und auch von der Neuverfilmung ist dahingehend nichts besseres zu vernehmen.

Und nicht nur das: Gleichzeitig ist der Roman auf seine Art auch ein Essay über Glauben und Rationalität, über die Ausweg- aber auch Alternativlosigkeit eines positivistischen Rationalismus. Robert Neville entwickelt sich zum Datensammler und Wissenschaftler, der den Ursprung der Seuche ergründen will – und obwohl diese Haltung sympathischer ist als apokalytisch-religiöser Wahn, liefert sie ihm letztlich doch keine brauchbare Antwort außer: was geschieht, das geschieht eben. Immerhin, eine ganz andere Form des Begreifens steht am Ende dieses Buchs, eine tiefe Einsicht in gesellschaftliche Veränderungsprozesse.

Matheson ist vielleicht kein großer Sprachkünstler und auch kein postmoderner Überflieger, aber „I am Legend“ ist eines der besten Bücher. Überhaupt. Übrigens ist es unter dem deutschen Titel „Ich bin Legende“ auch wieder als Neuauflage bei Heyne angekündigt und sollte im Laufe des Dezember erscheinen. Lesen!

Neues Design, Neuer Content, neue Anglizismen!

Nachdem ich nun doch mehrmals gehört habe, dass Weiß auf Schwarz sich schlecht liest, präsentiert sich mein blog nun – for your Lesekomfort – in Grau auf Weiß. Lasst mich wissen, ob es hilft!
Bei der Gelegenheit habe ich in der Rubrik „Kurzgeschichten“ gleich mal zwei meiner eher apokryphen Werke eingestellt. Komplett und ohne Werbeunterbrechung: „Radikale Haushaltsführung“ und „Epileptikid gegen den Sendboten des Untergangs“!

Notizblog – Danielewskis „House of Leaves“

Unvermeidlicherweise fordert Mark. Z. Danielewskis „House of Leaves“ Hirnverdrehungen heraus. Damit die meinen nicht verloren gehen, seien an dieser Stelle noch mal einige Leseeindrücke dokumentiert, die ich etwa auf der Hälfte der Lektüre festgehalten habe. Vielleicht hat ja jemand anders spannende Assoziationen zu meinen Assoziationen.

Innen/Außen: Wer der Fußnotenstruktur beim Lesen folgt, wandert subjektiv nach innen, aber epistemologisch in die äußeren Schichten des Erzählten: Johnny ist „außerhalb“ des Berichts über den Navidson Record, seine Geschichte ist aber eingelassen in die Geschichte des Hauses.

Das Labyrinth: Nicht nur, dass das Labyrinth-Kapitel in seinem Aufbau selbst ein Labyrinth ist und den Gegensatz „map/experience“ spiegelt (das ist ein nettes, kleines und schnell aufgelöstes Rätsel), es verbildlicht auch das Konzept des Rauschens. Eine Unmenge von Randinformationen geht nach und nach in weiße Flächen, in „White Noise“ über und vermittelt den Eindruck einer bedeutungsgeladenen Fülle, die in ihrer Fülle aber wiederum in Leere übergeht. Der Effekt wird im Folgekapitel (größtenteils leere Seiten) ausgenutzt: Die Leere ist hier bereits als eine Kapitalulation von der schieren Unmöglichkeit, Information zu verarbeiten, konstituiert. Unverarbeitete Imformation ist aber im Endeffekt Nicht-Information. Um die im Buch selbst angedeutete Terminologie zu verwenden, wird das Buch hier „erwachsen“: es akzeptiert die fundamentale Abwesenheit der Erklärung.

Der Minotaurus: Warum sind die Minotaurus-Passagen gestrichen? Scheinbar sind sie verdrängt. In diesem Zusammenhang ist es sicher kein Zufall, dass die alternative Minotaurus-Geschichte einem psychoanalytischen Drama von Zurückweisung und Anerkennung ähnelt, die über das Bild des Tiers im Labyrinth zugleich mit einem atavistischen Motiv verknüpft ist. Will sagen: Der „Minotaurus“ stellt eigentlich eine „einfache“, klassisch psychoanalytische Deutung des Hauses dar, die in der Postmoderne in den Verdacht des Reduktionismus geraten ist. Die Streichung dieser Passagen verweist einerseits auf die Verwerfung der Psychoanalyse, andererseits zeigt sie auch eine gewisse Angst davor, dass genau diese „einfache“ Antwort das Zeichen ist, das auf eine unauslöschliche und undenkbare Wahrheit verweist (das Tier im Dunkeln, „the horror“, das Herz der Finsternis).

Und: Verdammt gruselig, die ersten hundert Seiten. Dann lässt die Spannung nach, die Aufmerksamkeit richtet sich mehr auf die Konstruktion und weniger auf die Geschichte, es wird wieder leichter, Distanz einzunehmen. Der Sog bleibt trotzdem.

Yay! Whedon back! Dushku back! On TV!

Nachdem ich mich mehrere Jahre mit (zugegebenermaßen durchaus hochwertigen) Fernsehprodukten wie Six Feet Under, Heroes und Battlestar Galactica über Wasser halten musste, hier nun die frohe Botschaft: Eine neue Fernsehserie von Joss Whedon ist in der Mache! Mit Eliza Dushku (Faith aus Buffy) in der Hauptrolle!

ScifiCom-Meldung

Hofft und betet mit mir, dass aus der Sache was wird!

Zur Überbrückung hier noch ein kleiner Link zu whedonesken Inhalten bei classless.