Archiv für Januar 2008

Zum Teufel mit der philosemitischen Projektion!

Was soll man machen? da hat man mal eine neue Lieblingssängerin (OK, so neu auch wieder nicht, ich höre das Zeug seit rund ’nem halben Jahr rauf und runter), und dann hat die Dame einen so politisch korrekten und zur Überidentifikation einladenden Lebenslauf, dass es schon fast wieder verdächtig ist. Aber ich schwöre, ich wusste bis heute nichts davon!
Gerade höre ich übrigens „Mary Ann“ von ihr, eines der finsterschönsten Ehemordlieder, die jemals gemacht wurden. „He came in and then back out quickly, but lord not any quicker than according to plan – like a soldier … and then Mary Ann began to have some thoughts of murder.“

Ganz toll ist auch „Us“, aber davon habe ich hier glaube ich schon mal geschrieben. Und das dazugehörige Video hat sogar meinen Verdacht bestätigt, dass es um den Realoszialismus geht (womit das Lied trotz der Zeile „They built a statue of us“ keinerlei Parallelen zu solchen altklugen deutschpop-Geschmacklosigkeiten wie „Sie haben uns ein Denkmal gebaut“ aufweist).

Ich will jedenfalls nach New York, und zwar in die nicht allzu ferne Vergangenheit, als sie noch nicht berühmt war und dort in Bars aufgetreten ist …

Na super, Identitätskrise

Vor zwei Tagen bin ich dreißig geworden, und wie man das so sagt, sagte natürlich auch ich, dass das ja nichts weiter zu bedeuten habe.
Pustekuchen.
2 Nächte später, und ich träume, das ich in meinem dunklen Zimmer rumlaufe, nicht weiß, wer ich bin, nur unartikulierte Laute existenziellen Ensetztens von mir geben kann und nichts und niemand mir zu helfen weiß.Volle Kanne namenloses Grauen. Und dann stoße ich noch auf irgendeine spiegelnde Oberfläche, einen Bilderrahmen glaube ich und starre mir minutenlang bleich in die aufgerissenen Augen.
Ja, sonst passiert eigentlich nichts. Ein so 100%ig abstrakter Alptraum, dass das furchteinflößendste Bild, dass er enthält, ich selbst war. Hatte ich einen Schiss! I‘m on the suckway to hell … David Lynch, bitte verfilme mich!

Narrative Grammars

Auf Hal Duncans Blog läuft gerade eine spannende Diskussion zu den „narrative Grammars“ von Fantasy, Horror und SF, die ich wohl irgendwie ausgelöst habe.

Ground Control to Jakob Schmidt …

Am Samstag hab ich mich hemmungslos dem Gelüst nach totaler Hingabe an Popkultur älteren Datums ergeben und bin ans (bzw. ins) „neue Ufer aufgebrochen, der einstigen Berliner Stammkneipe von David Bowie und Iggy Pop, um an der nur leicht ironisch gebrochenen Verehrung des letzteren teilzunehmen. Es war schön, wir haben so manch obskures Bowiestück gehört und so manch allgemein bekanntes mitgegrölt. Einziger Wermutstropfen war der sonderbare Mann mit Thor-Steinar-Kapuzi, der am frühen Abend an der Theke saß … was den Trieb, sich in Nazimode zu kleiden, wollte ich nicht fragen und fühlte mich auch nicht dazu genötigt, verschwand er doch zu um zehn rum. Vielleicht hat er ja gar nicht dazugehört.

Da unten bin übrigens ich im grenzdebil-verzückten Zustand!

Da soll mich doch der Cylon holen …

Glaubt ihr’s oder glaubt ihr’s nicht?
Also, ich nicht … da identifiziere ich mich doch schon eher mit dem Runner-Up.

What New Battlestar Galactica character are you?
created with QuizFarm.com
You scored as Capt. Lee Adama (Apollo)

You have spent your life trying to life up to and impress your Dad, shame he never seemed to notice. You are a stickler for the rules. But in matters of loyalty and honour you know when they have to be broken.

Capt. Lee Adama (Apollo)

63%

Dr Gaius Baltar

63%

CPO Galen Tyrol

56%

Lt. Sharon Valerii (Boomer)

50%

Col. Saul Tigh

50%

President Laura Roslin

38%

Commander William Adama

31%

Tom Zarek

31%

Lt. Kara Thrace (Starbuck)

25%

Number 6

19%

Like a beetle on its back

Die gute Karo hat mal wieder buffy-relatete (long live Anglizismus) Produkte ins Haus gebracht, namentlich das Album „Music for Elevators“ von Anthony Stewart Head + George Sarah. Trotz des Elevation-Themes im Titel ist das Ganze eher ein Downlet, aber everything der Reihe nach:
Grundsätzlich nicht übel, da Anthony ein toller Sänger ist und auch die dezent-elektronische Begleitung lautlich originell ist, aber gleichzeitig klassisch harmonisch. das ganze hat was von David Bowies „Outside“, nur eben nicht wirklich genial, und, schwerwiegender: melancholisch weichgespült mit einigen Übersprüngen ins Wehleidige.
Fast noch schlimmer sind die entsetzlich banalen Texte über Da Sein Für Kinder, Fehler Machen Dürfen, oder Das Alle Mal Sterben Müssen Und Das Ja Irgendwie Krass ist, gespickt mit Weisheiten wie: „Everything that you‘ve done in your life (…) has led to this, has led to now“. In solchen gedanklichen Untiefen laufen Illusionen auf Grund, glaubte ich doch irgendwie immer, Anthony wäre mindestens so klug wie sein Alter Ego Rupert Giles.
Wünschenswert wäre es gewesen, hätte sich Anthony gleich alle Texte von Joss Whedon schreiben lassen – dessen Gastauftritt als Texter mit „Last Time“ ist zwar auch nicht weltbewegend, aber immerhin handelt es sich um ein eher gelassenes Lied darüber, wie manche Beziehungen halt so (nicht) funktionieren und nicht um eine schwafelige Sammlung von Gemeinplätzen.
Amber Benson singt übrigens auch auf ein paar Liedern mit, und sogar die (wie man seit „Once More With A Feeling …“ weiß) gesanglich offenbar völlig unbegabte Alyson Hannigan darf zu „End Game“ zwei wunderbare Zeilen beisteuern: „Like a beetle on its back (…) Look at the beetle on its back“, dennen leider eine tragisch beschreibende Qualität anhaftet. Irgendwie strampelt auch Anthony sich mit Worten, die in die Tiefe zielen, aber nur ein diffuses inhaltliches Wippenan der Oberfläche erzeugen, ab.
Das für einen Buffster eigentlich anrührende sind aber natürlich eh die Danksagungen, in denen es unter anderem heißt: „Thanks to (…) Joss, the genius, for the show, for asking me to be part of it (…) Alyson, Amber and James …“
Das ist doch schön – geschrieben im Jahre 2002, als die Wehmut wahrscheinlich noch am größten war!

Leselisten für Orientierungslose

Die Lebenszeit ist begrenzt, um so mehr, wenn man sie ins Verhältnis setzt zu dem potentiellen Lesestoff. Vielleicht will oder braucht das eine oder andere LeserIn aber trotzdem Anregung. Deshalb hier meine kurze Liste des bei mir in letzter Zeit neu engetrudelten, was ich für empfehlenswert halte:

Gerade lese ich R. Scott Bakker, „The Warrior-Prophet“, zweiter Teil seiner bombastischen, gnadenlosen, komplexen und philosophierenden Fantasy-Trilogie „The Prince of Nothing“ (zu deutsch bestehend aus den Titeln „Schattenfall“, „Der Prinz von Atrithau“ und „Der tausendfältige Gedanke“, alle bei Klett-Cotta erschienen bzw. angekündigt). Bakker nimmt den Tolkienschen Plot, dreht ihn durch die politische Mangel, bevölkert ihn mit zum Teil geradezu Robert-E.-Howardschen Zynikern und erzählt das Ganze mit fetter, tödlicher Sprachgewalt. Harter Stoff und nichts für Leute, die auf der Suche nach Identifikationsfiguren sind, aber verdammt gut.

Gekauft habe ich jüngst den Alternative-History-Roman „The Yiddish Policemen’s Union“ von Michael Chabon (dessen Comic-Liebesgeschichte „The Amazing Adventures of Kavalier and Clay“ ungeheuer anrührend ist und mich völlig für diesen Autor eingenommen hat). Das neue Buch geht um einen jüdischen Staat in Alaska … lese ich wahrscheinlich als nächstes und verspreche mir nur gutes.

Gerade gelesen habe ich „Das versteckte Sternbild“ von David Dalek (alias Dietmar Dath), eine romantische, marxistische, überdrehte Space-Opera, die sich, wie man es vom Autor gewohnt ist, freizügig beim Besten bedient, was die Genrewelt zu bieten hat. Das politische SF-LeserIn von heute kommt eh nich an diesem Buch vorbei. Gibt’s bei unserem stolzen kleinen Shayol-Verlag.

Schließlich liegt noch ungelesen „Blindflug“ von Peter Watts da, einer der angeblich interessantesten neuen SF-Romane der letzten Jahre. Schwer deutbare Außerirdische und menschliche Vampir-Subspezies. Very Strange und sehr vielversprechend.

Apropos Vampire/SF: Kürzlich habe ich auch wieder „Ich bin Legende“ von Richard Matheson gelesen. Einer der ganz großen, humanistischen SF-Romane (von 1954), ein Buch, das auf knapp 200 Seiten verdammt komplex die Fragen nach Gesellschaft und Individuum, Rationalität und Glauben, Normalität und Monstrosität eindampft, ineinander verwickelt und zu einem unglaublich kraftvollen, erkenntnisreichen und anrührenden Höhepunkt wird. Eines der besten Bücher. Überhaupt. Und dank fragwürdiger Will-Smith-Verfilmung nun auch mal wieder in der deutschen Übersetzung erhältlich!

Hier als Otherland-Lesetip rezensiert.

Gotta love the critics

Beim stöbern durch die blogosphäre ist mir gerade eine Kürzestbewertung zu meiner Kurzgeschichte „Wo uns niemand findet“ untergekommen, die mich erfreut, aber auch ein wenig amüsiert hat. Thunderbolt schreibt:

Sehr gut geschriebene Story um eine Frau, die durch eine Art Geistesteleportation aus einem Gefängnis flieht. Dabei bleibt allerdings ein Teil von ihr in einer nebulösen Parallelwelt stecken. Leider physikalisch völlig unmöglich.

Da hat mich wohl einer bei fehlender Vorzeigbarkeit eines Quantenphysik-Doktortitels erwischt …

So richtig sonnen kann ich mich allerdings in V.’s Urteil:

Erinnert mich manchmal an die Stories von Ian Watson, der ebenfalls immer so geniale, surreale Szenarien entworfen hat, und immer noch entwirft, hoffe ich. Ja, so gut ist das in der Tat geschrieben – einem solchen Meister des Surrealen wie Watson durchaus angemessen.

Insgesamt bin ich fast ein bisschen überrascht, die Story ist allgemein besser angekommen, als ich es so gewohnt bin von meinem Zeug. Muss ich wohl irgendwas richtig gemacht haben. He, wo ich gerade bei dem Thema bin: Wie wäre es, wenn ihr alle die Anthologie bestellt und dem Wurdack-Verlag gleich dazu schreibt, dass ihr sie einzig und allein wegen meiner Story wollt! Damit hätten wir doch alle eine Menge Spaß!

Naja, ich zumindest … Ich habe da nämlich noch immer eine andere, unveröffentlichte und viel zu lange SF-Geschichte, und ich möchte natürlich alle potentiellen Verleger mit allen Mitteln dazu pressen, selbige doch noch anzunehmen.