Die Lebenszeit ist begrenzt, um so mehr, wenn man sie ins Verhältnis setzt zu dem potentiellen Lesestoff. Vielleicht will oder braucht das eine oder andere LeserIn aber trotzdem Anregung. Deshalb hier meine kurze Liste des bei mir in letzter Zeit neu engetrudelten, was ich für empfehlenswert halte:
Gerade lese ich R. Scott Bakker, „The Warrior-Prophet“, zweiter Teil seiner bombastischen, gnadenlosen, komplexen und philosophierenden Fantasy-Trilogie „The Prince of Nothing“ (zu deutsch bestehend aus den Titeln „Schattenfall“, „Der Prinz von Atrithau“ und „Der tausendfältige Gedanke“, alle bei Klett-Cotta erschienen bzw. angekündigt). Bakker nimmt den Tolkienschen Plot, dreht ihn durch die politische Mangel, bevölkert ihn mit zum Teil geradezu Robert-E.-Howardschen Zynikern und erzählt das Ganze mit fetter, tödlicher Sprachgewalt. Harter Stoff und nichts für Leute, die auf der Suche nach Identifikationsfiguren sind, aber verdammt gut.
Gekauft habe ich jüngst den Alternative-History-Roman „The Yiddish Policemen’s Union“ von Michael Chabon (dessen Comic-Liebesgeschichte „The Amazing Adventures of Kavalier and Clay“ ungeheuer anrührend ist und mich völlig für diesen Autor eingenommen hat). Das neue Buch geht um einen jüdischen Staat in Alaska … lese ich wahrscheinlich als nächstes und verspreche mir nur gutes.
Gerade gelesen habe ich „Das versteckte Sternbild“ von David Dalek (alias Dietmar Dath), eine romantische, marxistische, überdrehte Space-Opera, die sich, wie man es vom Autor gewohnt ist, freizügig beim Besten bedient, was die Genrewelt zu bieten hat. Das politische SF-LeserIn von heute kommt eh nich an diesem Buch vorbei. Gibt’s bei unserem stolzen kleinen Shayol-Verlag.
Schließlich liegt noch ungelesen „Blindflug“ von Peter Watts da, einer der angeblich interessantesten neuen SF-Romane der letzten Jahre. Schwer deutbare Außerirdische und menschliche Vampir-Subspezies. Very Strange und sehr vielversprechend.
Apropos Vampire/SF: Kürzlich habe ich auch wieder „Ich bin Legende“ von Richard Matheson gelesen. Einer der ganz großen, humanistischen SF-Romane (von 1954), ein Buch, das auf knapp 200 Seiten verdammt komplex die Fragen nach Gesellschaft und Individuum, Rationalität und Glauben, Normalität und Monstrosität eindampft, ineinander verwickelt und zu einem unglaublich kraftvollen, erkenntnisreichen und anrührenden Höhepunkt wird. Eines der besten Bücher. Überhaupt. Und dank fragwürdiger Will-Smith-Verfilmung nun auch mal wieder in der deutschen Übersetzung erhältlich!
Hier als Otherland-Lesetip rezensiert.