Archiv für Februar 2008

Meldung des Tages III: Electro-shock rules

Auf Daniel Kullas rat hin habe ich mir nach meiner leisen Enttäuschung mit dem Eels-Album „Daisies of the Galaxy“ nun „Electro-Shock Blues“ besorgt. Das erste hören ist sehr befriedigend: „Going to your Funeral“ ist beinahe schon „Novocaine“-Niveau, „Cancer for the Cure“ und „Hospital Food“ sind angenehm schräg, ersteres etwas rockig, letzteres mit jazzigem Einschlag, und „The Medication is Wearing Off“ ist wunderbar lakonisch.
Danke also für den Hinweis, fühle mich schon viel besser!

Meldung des Tages II: Angemeldet & Verdatet

Seit heute habe ich offiziell mein Hauptstudium abgeschlossen. Jetzt brauche ich nur noch den Zettel mit der Unterschrift von meiner Magisterarbeitsbetreuerin, und dann tickt die Prüfungsuhr …

Meldung des Tages I: Öl is eklich

Gestern „There Will Be Blood“ mit Daniel Day Lewis gesehen. Ästhetisch sehr befriedigender, weil nämlich sehr verstörender Film (Bilder der kalifornischen Wüste zu schrill-dissonantem Soundtrack, schlammige-Erdöl-Löcher, klapprige Holzbohrkonstruktionen die mehrmals zu hässlichen Arbeitsunfällen führen); und die klasisch tragische Geschichte eines Mannes, der es zwar vom Drecklochwühler in Rags zu Ölmagnaten-Riches bringt, aber dabei leider nie Gelegenheit hat, sich zu einem sozialfähigen Menschen zu entwickeln. Angenehmerweise kommt das ohne allzu viel Psychologisierung und Gequatsche aus. Und angenehm ist auch, dass der Film nicht etwa einen Gegensatz zwischen der „ehrlichen Arbeit“ des kleinen Manns am Anfang und seinem moralischen Verfall mit einsetzendem Reichtum zeigt, wie es das Klischee fordern würde – stattdessen wird von Anfang an erzählt, wie der Arbeits- und Erfolgsfetisch einen eigentlich gar nicht mal unsympathischen Menschen emotional vernichtet. Außerdem sind die großartig-skurrilen Erweckungschristen, die sich in ihrer schäbigen Holzkirche unter der Führung eines rotznäsigen Teenagers zu wahren Erleuchtungsorgasmen emporschwingen, einfach köstlich! Das Ende des Films verkommt dann ein bisschen zu sehr zu Karrikatur, gibt dabei aber zumindest eine böse, kleine Lachnummer ab.

Ernüchternd …

20%

Neue Story von mir beim CAPCO-Wettbewerb

Jährlich schreiben die Macher der Cyberpunk-Community den Cyberpunk-Autorenpreis aus, und diesmal gehöre auch ich zu den stolzen Einsendern einer Kurzgeschichte. Das Tolle an dem Wettbewerb: Man kann alle Beiträge für die Dauer der Abstimmung online lesen – sie sind über die entsprechenden Threads auf dieser Forenseite als PDFs zu finden.
Ich nehme mal an, dass die meisten meiner Leser hier nicht Anstimmungsberechtigt sind – dazu müsst ihr nämlich seit mindestens dem 31. Dezember 2007 bei scifinet.org (von dem das Cyberpunk-Forum ein Teil ist – kompliziert, was?) angemeldet sein. Aber immerhin könnt ihr mitlesen&diskutieren (wobei ihr euch doch hoffentlich für mich in die Bresche werft!) Wer doch abstimmen darf, sollte auf jeden Fall den Thread zu den Bewertungsregeln beachten – zu denen gehört unter anderem, dass man mindestens fünf Stories gelesen und kommentiert haben muss, damit die Wertung gültig ist!
Meine Story mit dem besser gut geklaut als schlecht erfundenen Titel „Stuck With a Valuable Friend“ findet ihr direkt hier, kommentieren könnt ihr sie im bereits oben verlinkten Forum.

Da beißt sich der Aal keinen Schwanz mehr ab

Nach meinem Loblied auf das Eels-Album „Beautiful Freak“ vor einigen Einträgen muss ich jetzt doch wieder zurückrudern. Habe mir gerade „Daisies of the Galaxy“ zugelegt und empfinde das album zwar als musikalisch angenehm, relaxed und leicht bluesig und mit dem bekannten ironischen Unterton … aber irgendwie scheint mir die Kurve musikalisch wie von den Texten her Richtung Versöhnlichkeit abzuflachen. Bei „Beautiful Freak“ klang die Lakonik irgendwie noch nach der falschen, aber einzig möglichen Antwort auf die falsche Welt. „Daisies of the Galaxy“ klingt mehr, als hätte die Band ihren Frieden damit gemacht, die Welt mit einem wehmütigen Lächeln und einer Prise Sarkasmus zu illustrieren. Kurz: kein so rechter Biss mehr in der Sache.
Oder liegt das mal wieder an mir?

Ich denke, jetzt lege ich gleich erst mal wieder Morrissey ein, der hat noch nicht vergessen, dass das Leben ein Schweinestall ist.

Unglaublich … ich freue mich WIRKLICH auf diesen Film

In 97 Tagen läuft in Kaltland das hier an. ich weiß nicht, ob das generationsspezifisch, geschlechtsspezifisch oder personalspezifisch ist … aber … ich freue mich ganz ungehörig darauf! Allein schon die Musik macht mich kribbelig!
Beängstigend …

Eike über I am Legend

Eike hat auf seinem Blog eine be-treffende Analyse der Unterschiede zwischen Buch und Film Nr. 3.

deutsche Reflexe

Hmpf. Kürzlich traf ich beim Comic-Kauf einen jungen Mann, den ich zwar nur flüchtig kenne, aber als angenehm und intelligent empfinde. Noch im Laden blättere ich in meinem Buffy-Comic und stelle amüsiert fest, dass da ja Nazis vorkommen. Darauf er: „Ja, die Amis sind da ja ganz schlimm!“ Worauf ich: „Was ist denn daran schlimm, wenn Nazi-Bösewichter in Comics vorkommen?“ Und er: „Naja, eigentlich gar nichts, nur, dass die eben niemals in den eigenen Spiegel gucken.“
Heißt also: Bevor die Amis auf den Nazis rumhacken, sollen sie sich doch lieber erst mal selbst dafür geißeln, dass sie eigentlich nicht viel besser sind, oder was? Abgesehen von dem fragwürdigen Wahrheitsgehalt der zugrundeliegenden Annahme von der Nazimäßigkeit der Amerikaner trägt der ganze Vorwurf ja schon deshalb nicht, weil die amerikanische Popkultur ja wohl voll ist von der schlechten Gewissenspflege für all das Böse, was die USA der Welt so angetan haben. Schau mal einer „Day After Tomorrow“, oder „Syriana“, oder „Heroes“ oder was noch alles …
Sorry, irgendwie kann ich in diesem Spruch wirklich nichts erkennen als den praktisch unverblümten Schuldabwehrreflex: „Bevor ihr uns wieder ein schlechtes Gewissen mit den Nazis macht, gebt doch erst mal zu, dass ihr mindestens genauso schlimm seid.“ Dieses Bedürfnis nach Schuldabwehr ist irgendwie befremdlich, wenn man der Generation angehört, der die „Gnade der späten Geburt“ zuteil wurde. Warum soll sich da einer persönlich angegriffen fühlen? Oder vielleicht doch in seinem Nationalgefühl beleidigt? Schließt dieses Nationalgefühl dann die Inschutznahme des NS ein? Warum?
Die Ironie bei dem Ganzen ist natürlich, dass die Geschichte in dem Comic auch noch um eine „Good German“ geht, eine Deutsche, die am Ende Widerstand gegen die Nazis leistet. D.h. der deutsche Leser, der sich durch das Rumgehacke auf seinen Volksgenossen beleidigt fühlt, könnte sogar sekundären Gewissensgewinn aus der Identifikation mit der Antifaschistin ziehen. Stattdessen unterstellt er den Amis aber noch vor Lektüre, dass die so differenziert wahrscheinlich gar nicht denken können und für die alle Deutsche=Nazis sind. So wird dann das eigene diffuse Schuld-und-Nationale-Identifikations-Gemenge auf nichtsahnende amerikanische ComiczeichnerInnen projiziert, und die unterstellte Verallgemeinerung wird dann mit einer noch viel größeren und falscheren Verallgemeinerung (nämlich: dass die Amis eben nicht besser sind als die Nazis und deshalb gar nicht groß reden müssen) abgewehrt. Und all diese Projektionsleistungen gelingen innerhalb von zwei Sätzen und ohne jede Anschauung des Materials, um das es geht. Nervt doch echt.