Hmpf. Kürzlich traf ich beim Comic-Kauf einen jungen Mann, den ich zwar nur flüchtig kenne, aber als angenehm und intelligent empfinde. Noch im Laden blättere ich in meinem Buffy-Comic und stelle amüsiert fest, dass da ja Nazis vorkommen. Darauf er: „Ja, die Amis sind da ja ganz schlimm!“ Worauf ich: „Was ist denn daran schlimm, wenn Nazi-Bösewichter in Comics vorkommen?“ Und er: „Naja, eigentlich gar nichts, nur, dass die eben niemals in den eigenen Spiegel gucken.“
Heißt also: Bevor die Amis auf den Nazis rumhacken, sollen sie sich doch lieber erst mal selbst dafür geißeln, dass sie eigentlich nicht viel besser sind, oder was? Abgesehen von dem fragwürdigen Wahrheitsgehalt der zugrundeliegenden Annahme von der Nazimäßigkeit der Amerikaner trägt der ganze Vorwurf ja schon deshalb nicht, weil die amerikanische Popkultur ja wohl voll ist von der schlechten Gewissenspflege für all das Böse, was die USA der Welt so angetan haben. Schau mal einer „Day After Tomorrow“, oder „Syriana“, oder „Heroes“ oder was noch alles …
Sorry, irgendwie kann ich in diesem Spruch wirklich nichts erkennen als den praktisch unverblümten Schuldabwehrreflex: „Bevor ihr uns wieder ein schlechtes Gewissen mit den Nazis macht, gebt doch erst mal zu, dass ihr mindestens genauso schlimm seid.“ Dieses Bedürfnis nach Schuldabwehr ist irgendwie befremdlich, wenn man der Generation angehört, der die „Gnade der späten Geburt“ zuteil wurde. Warum soll sich da einer persönlich angegriffen fühlen? Oder vielleicht doch in seinem Nationalgefühl beleidigt? Schließt dieses Nationalgefühl dann die Inschutznahme des NS ein? Warum?
Die Ironie bei dem Ganzen ist natürlich, dass die Geschichte in dem Comic auch noch um eine „Good German“ geht, eine Deutsche, die am Ende Widerstand gegen die Nazis leistet. D.h. der deutsche Leser, der sich durch das Rumgehacke auf seinen Volksgenossen beleidigt fühlt, könnte sogar sekundären Gewissensgewinn aus der Identifikation mit der Antifaschistin ziehen. Stattdessen unterstellt er den Amis aber noch vor Lektüre, dass die so differenziert wahrscheinlich gar nicht denken können und für die alle Deutsche=Nazis sind. So wird dann das eigene diffuse Schuld-und-Nationale-Identifikations-Gemenge auf nichtsahnende amerikanische ComiczeichnerInnen projiziert, und die unterstellte Verallgemeinerung wird dann mit einer noch viel größeren und falscheren Verallgemeinerung (nämlich: dass die Amis eben nicht besser sind als die Nazis und deshalb gar nicht groß reden müssen) abgewehrt. Und all diese Projektionsleistungen gelingen innerhalb von zwei Sätzen und ohne jede Anschauung des Materials, um das es geht. Nervt doch echt.
Ich hoffe Du hast keine Buffy Comics sondern was vernünftiges gekauft.
Natürlich habe ich mir einen Buffy-Comic gekauft, und einen vernünftigen noch dazu, nämlich „Tales of the Slayers“. Da kommt Buffy zwar genaugenommen gar nicht vor, dafür aber Urslayer, eine lyrisch verdichtete Jeanne-D‘Arc-Story, Westernvampire, Zukunftsvampire und eben besagte Nazis!
Bei Paule gibt´s doch auch immer sowas über Pulp-Nazis, oder?
„Immer“ wäre schön. Ich habe nach dem Vorgeplänkel so viel Material empfohlen bekommen, dass ich den Text erstmal WEIT weggeschoben habe. Mittlerweile nimmt er allerdings neue Formen an.