Archiv für März 2008

Ich hab’s!

Es ist mir eingefallen. Ich bin drauf gekommen. Ich weiß jetzt tatsächlich, was ich machen muss.
Jetzt muss ich nur noch die Zeit dafür finden.

Die Dialektik von Fremdwort und Phrase

Kürzlich habe ich alter Philoamerikanist das Buch „Die Dialektik von Einheit und Differenz – Ursprung und Geltung des Pluralismusprinzips in den Vereinigten Staaten von Amerika“ von Sebastian Voigt gelesen und war dann doch redlich unglücklich damit. Und dabei enthält es einen Haufen interessanten Kleinkrams, aber das „Große und Ganze“, jungejunge …
demnächst kommt meine etwas ausführlichere und sicher auch wohlwollendere Rezension in der Phase 2, hier muss ich aber erst mal die Frust-Seite abarbeiten, um mich dort dann (dem Autor gegenüber fairer) den gelungenen Aspekten des Weriks zu widmen.

Erst mal: das Buch bleibt weitgehend, wenn nicht ausschließlich, Ideengeschichte, d.h. es konzentriert sich vor allem in der ersten Hälfte maßgeblich auf die Aussagen großer Männer der großen amerikanischen Geschichte, „Verfassungsväter“ also und ähnliches. Ab und zu wird auch dem Volk ein bisschen aufs Maul geschaut, aber nur, wenn es die herausragende Integrationskraft der US-Gesellschaft lobt. Also genauer gesagt: Voigts ganze Unternehmung bleibt weitgehend idealistisch.
Aber machen wir’s etwas nüchterner und deskriptiver: Einleitend arbeitet Voigt erst mal die Herausbildung eines pluralistischen, antiessentialistischen amerikanischen Nationalverständnisses insbesondere in der Zeit vor der amerikanischen Revolution heraus. Die Argumente sind dabei nicht neu: er verweist auf den Dissidentenstatus zahlreicher Siedler, auf den starken Einfluss einer protestantischen Ethik, die individuelle Verantwortung und das Misstrauen gegen zentralistische Organisationsformen betonte und auf den pragmatischen Zwang, sich mit Siedlern anderer Konfessionen zu arrangieren. So führt Voigt das amerikanische Toleranzverständnis vor allen Dingen auf religiöse, später weitgehend säkularisierte Wurzeln zurück. Anschließend stellt er die Egalität und die Integrationsleistung der amerikanischen Gesellschaft am Beispiel deutscher und jüdischer Einwanderer dar – die zwei entsprechenden Kapitel sind die interessantesten des Buchs, weil Voigt hier tatsächlich ein paar ausgefallenere Quellen auftut. Als zentrale Themen des US-amerikanischen Nationalverständnisses betont der Autor durchgehend den bereits erwähnten Antiessentialismus sowie die strikte Trennung von öffentlich und privat, die es Immigranten erlaubte, sich zu amerikanisieren, den eigenen Traditionsbestand aber im Privaten weiterhin auszuleben.
Bei all dem mangelt es leider völlig an einer kritische Beleuchtung des Themas, und so wird die ständige Betonung des vorzuziehenden amerikanischen Nationalmodells schnell ermüdend.
Das größte Problem von Voigts Darstellung ist die praktisch bedingungslose und an vielen stellen offenbar unbewusste Affirmation des »Manifest Destiny«. Dafür, dass es sich dabei um einen so zentralen Begriff für den amerikanischen Nationalmythos handelt, wird er in der Arbeit überraschend knapp behandelt. Um so mehr unterliegt das Prinzip des »Manifest Destiny« dem gesamten Text: Voigt erzählt die amerikanische Geschichte von Beginn an als Entfaltung eines begrüßenswerten Prinzips gegen äußere und innere Widerstände, als ein Schicksal, dass noch vor der Verfassungserklärung angelegt war und sicher seiner Erfüllung entgegenschreitet. Angesichts dieser Darstellungsweise kann der Titel des Buchs, Die Dialektik von Einheit und Differenz, leider nur als hohle Phrase verstanden werden, denn nicht ein einziges Mal wird die amerikanische Geschichte ernsthaft als ein in sich widersprüchlicher Prozess thematisiert. Besonders auffällig ist das in Bezug auf die Sklaverei in den Südstaaten, die als praktisch rein äußerliches Problem behandelt wird und eigentlich nur von Interesse ist, insofern anhand des Bürgerkriegs die Integration deutscher Immigranten in die amerikanische Gesellschaft auszuführen ist. Dass auch nach dem amerikanischen Bürgerkrieg insbesondere in den Südstaaten ehemalige Sklaven und deren Nachkommen jahrzehntelang systematisch von allen politischen Rechten ausgeschlossen wurden, ist Voigt keinerlei Erwähnung wert. Und in Bezug auf die Zeiten der Sklaverei scheint er gar den legalen Ausschluss der Sklavenbevölkerung aus der amerikanischen Gesellschaft unbewusst zu affirmieren – ansonsten kann ich mir nicht erklären, wie es zu einer Aussage wie der auf S. 45 kommt: „Zwar kam es vor allem im Süden zu einer verstärkten sozialen Differenzierung und der Entstehung der sog. Gentleman Farmers, einer Pflanzeraristokratie, aber dies war im Vergleich zum zeitgenössischen Europa vernachlässigenswert.“ Dieser Satz bezieht sich auf das 18. Jahrhundert. Zur Information: die Sklaverei wurde in Amerika seit dem 17. Jahrhundert praktiziert und 1705 auch offiziell gemacht. Voigts Aussage lässt also nur zwei Schlüsse zu: Entweder, er behauptet, die soziale Hierarchie des Sklavenhalterverhätnisses war gegenüber den Hierarchien in Europa vernachlässigenswert (was absurd wäre), oder er schließt die Sklavenbevölkerung implizit aus der für seine Betrachtung relevanten Gesellschaft aus (was eine sträfliche Vernachlässigung und ehrlich gesagt irgendwie auch rassistisch ist).
Dazu kommt: Die Betonung des antiessentialistischen Selbstverständnisses der amerikanischen Nation basiert dazu auf einer allzu groben Vereinfachung des europäischen Nationsverständnisses. Um den Kontrast zu verschärfen, definiert Voigt die europäischen Nationen als ethnische Abstammungsgemeinschaften und fällt damit im Endeffekt selbst auf den Mythos der europäischen Nation, den zu kritisieren er antritt, herein.
Ziemlich störend (vielleicht auch dem Umstand geschuldet, dass das Buch als Magisterarbeit verfasst wurde), ist der Umgang mit Fremdworten. Ironischerweise macht es auch hier den Eindruck, als sei der Autor selbst auf das antiintellektualistische Ressentiment hereingefallen, dass »intellektuelles« Schreiben nichts anderes bedeutet, als dann und wann ein einfaches durch ein kompliziertes Wort zu ersetzen – anders lässt sich das völlig willkürliche Einstreuen von Begriffen wie »Absenz«, »indizieren« und »exzeptionell« kaum erklären, wo »Abwesenheit«, »anzeigen« und »außergewöhnlich« nicht nur die einfacheren, sondern auch exakteren Begriffe wären (zumindest verstehe ich unter „indizieren“ eher, etwas auf den Index jugengefährender Schriften zu setzen). Vielleicht sind das aber auch nur Anglizismen, die man dem Autor nachsehen muss, weil er u.a. in den USA studiert hat. Dann zeugen sie lediglich von einem hohen Maß an sprachlicher Schlampigkeit. Wenn es sich dagegen um gezielte Verfremdwortung des Textes handelt, kann man eigentlich nur von peinlicher Anbiederung ans akademische Establishment sprechen. Jedenfalls: auch wenn in einem Absatz in kurzer Folger nolens volens, modus vivendi und grosso modo steht, hilft das nicht viel, wenn der Gedanke an sich nicht besonders grosso artig ist.
Im Großen und Ganzen bleibt Voigts Buch bei der oberflächlichen Affirmation eines idealisierten amerikanischen Nationalverständnisses. Dem in der Einleitung geäußerten Ziel, gegen den Antiamerikanismus anzuschreiben, erweist der Autor damit leider einen Bärendienst. Zu deutlich ist, was er alles gezielt ausblendet, um ein nahezu rundum positives und innerlich widerspruchsfreies Amerikabild begründen zu können. So dumm Antiamerikanismus sein mag, schlecht begründete Affirmation des „Manifest Destiny“ ist auch nicht viel klüger. Und nicht jede Magisterarbeit muss als Buch veröffentlich werden, auch nicht, wenn Dan Diner sie betreut hat.

Kommt ein Steuerprüfer in die Synagoge …

Von hier:

Der Steuerprüfer besuchte die Synagoge. Der Rabbi begleitet ihn. „Sagen Sie, Rabbi“ fragte der Steuerprüfer, „was machen sie mit den Krümeln, nachdem sie das ganze Brot verteilt haben?“
„Oh“, sagte der Rabbi, „wir kehren die Krümel vorsichtig zusammen und schicken sie in die Stadt, woraus dann neues Brot gebacken wird und an uns zurückgeschickt wird.“
„Aha, und wie steht es mit den abgebrannten Kerzen. Was macht ihr mit den Enden?“
„Oh, wir schicken sie auch in die Stadt, woraus dann neue Kerzen gefertigt werden und diese werden an uns zurückgeschickt.“
„Und wie steht es mit den Beschneidungen. Was machen Sie mit den übriggebliebenen Stücken?“
Genervt erwiderte der Rabbi „Wir schicken sie auch in die Stadt“ „So So, in die Stadt. Und was schicken die zurück?“
„Na, heute haben die uns SIE geschickt.“

Die tausendfältige Interpretation

So, nun habe ich sie aufatmend hinter mir, die brachiale, blutige, grausig phalllische, verblendete Fantasy-Trilogie von R. Scott Bakker, und bin gehörig erschüttert. War das nun der Post-Herr-der-Ringe? Die erzählerisch gewendete Dialektik der Aufklärung? Oder doch eher Mein Kampf auf deutlich höherem literarischen Niveau? Na schön, letzteres kann nicht passen, denn Selbstreflektion ist die Stärke vom Prince of Nothing bzw. Krieg der Propheten (wie der deutsche Titel des Zyklus lautet). Die beiden erstgenannten Werke finden bei Bakker dagegen reichhaltigen Niederschlag, und vielleicht auch ein wenig Überwachen und Strafen und ein gerütteltes Maß an Fuckin‘-Sexualität-und-Wahrheit. Selbst Lacan drückt sich irgendwo in den Seitenflügel dieser ausladenden Geschichte rum.
Weil ich das brillante Ende nicht verraten will, nur so viel: Achamians letzte Vision bringt ja wohl voll krasses Brett das unmenschliche Kippen der rationalistischen Naturbeherrschung in den Mythos auf den Punkt. Und wer wissen will, wie sich solcherart Abstraktes auf gut 1000 Seiten in Figuren verdichten lässt, die zugegebenermaßen größtenteils eben das sind: Verdichtungen weltanschaulicher Prinzipien, und wie man diesen Figuren dann doch maßlos viel abgewinnt (und sie großtteils aus tiefstem Herzen hasst), soll einfach die Trilogie lesen. Oder zur Einstimmung erst mal Simons mitreißende Rezension von Band 3.

Scary

Okay, Regenbogenpresse hin oder her … diese Dinger gehörten für mich schon immer zu den unheimlichsten Tieren, die es gibt.

Kurzgeschichten kommentierbar

Mittels der obskuren Gästebuchfunktion ist es mir nun endlich gelungen, die Unter-Seiten meines blogs kommentierbar zu machen. Ich habe bei den Kurzgeschichten angefangen und fahre demnächst mit den Texten und dem Cthulhu-Kram fort. Ihr könnt euch also in Zukunft an Ort und Stelle über alles mögliche und unmögliche von mir verfasste auslassen!

Rezension und Reaktion zu Pandora 1

Hier eine hochinteressante Rezension zu Pandora 1 – ich konnte mir eine Antwort nicht verkneifen …

CapCo vorbei!

So, der Cyberpunk-Storywettbewerb ist vorbei, und ich habe es auf Platz 4 geschafft – worauf ich recht stolz sein kann, denn auf einer Skala von eins bis zehn liegen ich immerhin nur 0,32 Punkte hinter Platz 1, den Niklas Peinecke mit der wunderbar konstruierten Geschichte „Klick, Klick, Kaleidoskop“ gemacht hat. Abgesehen davon haben mir die 3 erstplazierten Stories alle bestens gefallen – und die Leserkommentare haben mich gleich dazu veranlasst, die Story, mit der ich angetreten bin, noch mal gründlich zu überarbeiten! Hier der Forumsthread.

Bin ich etwa …?!?

Bei den nicht-kontrollierbaren Google-Anzeigen, die am Rande meines blogs auftauchen, findet sich doch immer wieder das ein oder andere goldene Stück Scheiße. So in Form der Frage: „Bin ich Jude?“ Früher wurde die männlich-adoleszente Identitätskrise ja noch von angstvoll-bang-erwartungsvollem Fragen wie „bin ich schwul?“ angetrieben, aber in Zeiten, in denen das vorherrschende Schimpfwort auf Berliner Schulhöfen „Jude“ ist, rücken scheinbar andere Selbstkrisen ins Zentrum. „Gibt es ein ‚Juden-Gen‘?“, fragt die Website, der Selbstkritik offenbar nicht abgeneigt, sich und erklärt zur Antwort: „Nach halachischem Recht ist jüdisch, wer von einer jüdischen Mutter geboren wurde oder zum Judentum konvertiert ist. Die enge Verbindung von Kultur, Tradition, Religion und Volkszugehörigkeit zeichnet das Judentum im Besonderen aus.“ Okay, und was hat das jetzt noch mal mit dem „Juden-Gen“ zu tun? Na, ist ja egal. Hauptsache, man macht den Test (schon ab 120 €) – Gefahr erkannt, Gefahr gebannt, oder? Denkste. „Auch wenn Sie keine typisch jüdische Haplogruppe haben, können Sie trotzdem jüdische Wurzeln haben.“ Jaja, der Jude in uns allen … hätte man das mal vor 70 Jahren gewusst, dann hätten gewisse Staatsprojekte sehr viel effizienter organisiert werden können!
Ich glaube, ich warte lieber noch auf den Kombitest, „sind sie ein schwuler Jude?“, oder vielleicht auch gleich den dreifach-Knockout, „sind sie ein schwuler Jude und Prostituierter?“. Bis das mit den Gentest so weit ausgereift ist, begnüge ich mich dann einfach mit einer guten alten Schädelvermessung.

Lustig: Diesmal passt sogar ausnahmsweise mein Metatext am Rand, laut dem ich mich vom Inhalt aller verlinkter Webseiten distanziere!

Das guck ich!

Wow. Ich liebe solche Reviews. den zu lesen hat wahrscheinlich mehr Spaß gemacht als der fragwürdige Genuss des dazugehörigen Films. Ich schau ihn mir trotzdem an!