Archiv für April 2008

Regression auf hohem technischen Niveau, oder: Star Trek Remastered

Heute lag es vor meiner Tür, das Amazon-Päckchen (Pfui! Auch noch Amazon!), das erwartungsgemäß „Star Trek: Remastered Staffel 1″ enthielt. Es handelt sich um die Serie um DIE Enterprise, NCC 1701 („kein verdammtes A, B, C oder D“, um einen gewissen schottischen Chefingenieur zu zitieren), also um ein weitgehend fortschrittsoptimistisches und unbefangen Komm-her-Schätzchen-maskulinistisches Produkt der späten 60er Jahre. Nur, dass es jetzt mit komplett neuen Spezialeffekten aufgemotzt wurde. Was ich bisher im Internet gesehen habe, ist allerdings in jeder Hinsicht „respektvoll“ und erweckt tatsächlich den Eindruck, als hätte man einfach die Bildqualität ein bisschen aufpoliert (also keine Star-Wars-Special-Edition Naturkatastrophe oder so).
Mal sehen, ob Kirk, Spock und Pille, die mich mit 8 bis 10 Jahren zu begeistern wusste, das auch heute noch können!

Deutscher Phantastik-Preis

Bis zum 31. Mai 2008 kann man unter anderem 2007 erstmals erschienen Kurzgeschichten für den Deutschen Phantastik-Preis nominieren. Alles, was es dazu braucht, ist eine gültige E-Mail-Adresse. In diesem Zusammenhang will ich nicht verschweigen, dass auch von mir 2007 zwei Kurzgeschichten erschienen – und damit nominierbar – sind: Nadeln und Fäden in Nova 11 und Wo uns niemand findet in S.F.X. Für die Romankategorien möchte ich außerdem noch mal auf die erstklassigen Bücher Das versteckte Sternbild von David Dalek und Vellum von Hal Duncan hinweisen.

Nettes Buch: Leo Perutz – Die dritte Kugel

So, nach dem jüngsten Gemecker über Mistbücher jetzt mal wieder was positives über das Buch, das ich davor gelesen habe:

Kürzlich nämlich habe ich meine Drohung gegen mich selbst an mir selbst wahrgemacht und begonnen, klassische, deutschsprachige phantastische Literatur zu lesen, dienlich dem Sinne und Zwecke, meine Beherrschung dieser leidlich schönen Sprache angesichts meines geradezu verantwortungslosen Konsums angloamerikanischer Bücher nicht allzu sehr einrosten zu lassen. Denn schließlich und abseits aller politischen und ästhetischen Vorlieben („Fuck“, zum Beispiel, ist doch einfach griffiger als „Ficken“) verdiene ich ja nun mein Geld maßgeblich mit halbwegs Deutsch können.

Angefangen habe ich mit „Die dritte Kugel“, dem ersten Roman des Österreichers Leo Perutz, der 1915 geschrieben wurde. Laut Klappentext und Wikipedia ein Roman um die Eroberung des Aztekenreichs durch die Spanier, vor dem entfernten Hintergrund – und das ist entscheidender – von Reformationskonflikten in Europa. Anfangen tut der Spaß so:

„Mich fröstelt’s, und das Feuer ist am erlöschen. der Herbstwind bläht mir den Mantel auf, daß die geflickten Löcher nach allen Seiten starren wie Teufelsfratzen. Der Regen schlägt einen Trommelwirbel um mich her und dröhnt und prasselt, als wär‘ die Welt mit Kalbfell überzogen.“

Na, das klingt doch schon mal vielversprechend barock und metaphorös. So geht’s auch weiter, von daher Warnung 1: Nicht ungeduldig werden mit der ausladenden Sprache und den gestelzten Dialogen, die sind nämlich wieder alle Vernunft gut, machen altertümliche Stimmung und werden im richtigen Moment von treffsicheren Derbheiten unterbrochen. Die Handlung ist, nach ein paar Anlaufverwicklungen, auch recht spannend, eine Tragödie, in der die Verbohrtheit sämtlicher Protagonisten, der zumindest einige von ihnen in den Untergang führt, treffliches Objekt subtilen Spottes ist.

Der Held ist der deutsche Ritter Grumbach, der irgendwie in Amerika gelandet ist, mit den Azteken gut macht und um jeden Preis verhindern will, dass deren Gold in die Hände des Cortez fällt, der es dem deutschen Kaiser vermachen würde, der es dann wiederum zur Niederschlagung reformatorischer Bestrebungen einsetzen würde. Soweit klar? Gut, dann kommen wir zum entscheidenden Teil, dem

POLIT-CHECK

Punkt 1: Der Held ist ein anständiger, reformatorischer Deutscher, der gegen die goldgierigen Spanier kämpft. Supekt weil verdächtig der romantischen Deutschtümelei? Bei näherem Hinsehen nicht, denn Grumbach und Cortez sind beides Idealisten verschiedener Parteilichkeit, die für ihre „Sache“ über Leichen gehen, und Grumbach wird völlig zu Recht von einem Fluch getroffen, weil er einen Unschuldigen um seines geliebten Deutschlands willen dem Strick überantwortet. Man sieht: moralische Integrität und der Glaube an eine Sache schützen nicht vor Grausamkeit, bringen sie manchmal gar erst hervor.

2. Die Azteken kommen verdammt gut weg, als friedliebendes Kindervolk – obwohl man es doch heute ein bisschen besser weiß … ist da etwa ethnische Romantisierung mit am Werke? Kann sein. Mir doch egal.

3. Das Buch ist voller Antisemiten. Wenn Spanier und Deutsche sich in einem einig sind, dann im Geschimpfe auf die Juden. Was Perutz da an dummen Bösartigkeiten auffährt, ist allerdings schlicht und einfach Teil eines wohl leider allzu glaubwürdigen Bilds vom Spätmittelalter, und dass gerade die Reformatoren oft die größten Judenfeinde waren, ist ja nun kein Geheimnis.

4. Frauen gibt’s nur in der Rolle des Tausch- und Verhandlungsobjekts. Tja, an irgendeinem Punkt muss das Buch beim Polit-Check ja auch durchfallen!

Nach der Abhandlung dieser Punkte noch zu ein paar Spezialbonbons: Der Teufel hat einen ganz großen Auftritt, in dem er sich nicht nur als geeigneter Geschäftspartner für so ziemlich alle Protagonisten, Grumbach eingeschlossen, erweist, sondern auch als allzu leichtgläubiger Gelegenheits-Geschäftemacher, der sich auch mit einem halben Hirn im Kopf noch leicht übers Ohr hauen lässt. Eine wunderhübsche böse und komische Szene ist das jedenfalls, wenn er sich über’s betrügerische Menschenvolk aufregt.

Insgesamt: Ein bisschen zu betulich für meine Lesegewohnheiten, aber originell und mit Freude an den Möglichkeiten und Unmöglichkeiten der Sprache geschrieben. Romantisch, manchmal gar Naturlyrisch, aber nicht unreflektiert. Sehr lesbar.

Wenn man dich auf die eine Wange schlägt, so halte auch die des anderen hin

Mitgehört und von der Straße reingebracht:
Mann, mit zwei Kindern unterwegs, pädagogisch wertvoll zu einem der beiden: „Na, wenn du sagst, ich soll Felix ne Backpfeife geben, kriegst du auch eine. Jeder kriegt dasselbe.“

Na, wenn das mal keine ernsthafte Erkenntnis über die Zumutungen des Kapitalismus ist!

Blödes Buch: „The Wave“ von Walter Mosley

Literatur ist schon manchmal ein Brechmittel. Da nimmt man den interessant klappenbetexteten Science-Fiction-Roman eines halbwegs anerkannten Krimi- und Mainstreamautors zur Hand und erwartet, wenn schon nicht die Neuerfindung des Genres, dann doch wenigstens ein Buch mit ein paar netten Subtilitäten und gelungenen Figuren. Und freut sich noch, dass das Ganze nur 200 Seiten hat und sich damit zur Abwechslung mal aufs Wesentliche beschränkt. Und: das tut es sogar. Nur ist das wesentliche in Mosleys Roman eine aufdringliche, quasi-religiöse, anti-individualistische Heilsbotschaft, die knapp am Faschismus vorbeischrammt und sich bei näherem Hinsehen auch noch als ekelhaft maskulinistisch erweist. Ach, es ist mir eine tiefe Befriedigung, so ein Urteil einfach mal vorweg abzugeben! Aber ich will mit dem Belastungsmaterial nicht geizen, das mich zu diesem Richtspruch bewägt.
Zuerst einmal zur Handlung: Erroll ist irgendein Typ in LA, der plötzlich nachts von seinem vor mehreren Jahren verstorbenen Vater angerufen wird. Zeigt sich, dass der Vater in verjüngter Form aus dem Grab gestiegen ist. Animiert wurde sein Körper von der „Welle“, einer unterirdischen, urzeitlichen Zelllebensform, die einst, nach einem Meteoriteneinschlag, in die tiefsten Tiefen auswanderte, dort durch einen Prozess der natürlichen Auslese ganz groß kollektiv und intelligent wurde und jetzt schließlich zur Oberfläche durchgesickert ist. Das US-Militär denkt natürlich gleich, die „Welle“ wolle die Weltherrschaft an sich reißen und entwickelt einen Kampfstoff gegen den ansonsten praktisch unzerstörbaren Glibber. Dabei will die „Welle“ doch nur ein paar Menschen an ihrer buddhistischen Einheitsvision teilhaben lassen und sich anschließend mit einer außerirdischen Intelligenz vereinigen, die im Anflug auf die Erde ist. Errol wird – na so was – zur Schlüsselfigur im Konflikt zwischen skrupellosen Militärs und unterirdischen Aliens …

Soweit, so potentiell interessant. Schon in der obigen Zusammenfassung wird der aufmerksame Leser allerdings die eine oder andere gereizte Spitze meinerseits geortet haben, und diese Attacken möchte ich im folgenden etwas ausbauen:

1. Kollektiv & Individuum: Ja, das ist ein interessantes Thema. Ja, ich finde, man darf durchaus ein kritisches Verhältnis zum modernen Individuum pflegen. Und ja, wenn die Kritik so stumpf ausfällt wie bei Mosley, ist das ein Ärgernis. Die „Welle“ ist ein in der SF nicht untypische Transzendenz-Lebensform. Sie hat eine abstraktionsfreie Sprache, bei der Erfahrung direkt – durch biologische Verschmelzung – übertragen wird sowie ein kollektives Bewusstsein. In letzteres erhalten wir Eindrücke durch Errols Visionen, die etwa so radikal und visionär wie Artikel aus einer Hare-Krishna-Werbebroschüre sind. Nicht der Ansatz einer Reflektion über den inneren Widerspruch der Vorstellung einer abstraktionsfreien Sprache. Keinerlei spürbare Unsicherheit der Hauptfigur anlässlich der Drohung ihrer Auslöschung als individuell denkendes und fühlendes Wesen. Ja, ab und zu kriegen wir gesagt, dass Errol Zweifel hat. Merken tut man davon aber nix, und die Stoßrichtung des Romans geht definitiv von gelinder Verwirrung hin zu esoterischer, krude verganzheitlichender Sinnstiftung.
Okay, vielleicht hat Mosley den Fehler gemacht, ein Thema zu wählen, zu dem einfach grandios bessere Bücher geschrieben worden sind: Greg Bears Blood Music ist optimistisch, ohne dabei die zutiefst verstörende Vision einer zellulären Kollektivierung zu unterschlagen. Justina Robsons Living Next Door to the God of Love enthält brillante Meditationen über die Unvorstellbarkeit eines nicht-gespaltenen Bewusstseins. Die Reihe von AutorInnen, die bessere, vielschichtigere und intellektuell integere Bücher zu dem Thema geschrieben haben, ließe sich fortsetzen, aber kommen wir zum nächsten Punkt.

2. Vitalismus & Religion: Ganz offensichtlich will das Buch mit den herkömmlichen Religionen (außer vielleicht dem Buddhismus) nicht viel am Hut haben. Stattdessen betet es die Lebenskraft an, die sich in der Welle zu besonderen Höhen aufschwingt. Dass dabei nur der Gegenstand, nicht aber die Struktur des Glaubens vertauscht wird, scheint sogar dem Autor selbst klar, denn in Gedanken redet Erroll die „Welle“ bald als „god“, dann schließlich als „God“ mit großem G an. Oh, ach, das Leben ist der „wahre Gott“, soll uns das sagen! Rührend! Dieser Gott ist rein von allem Bösen (das Töten muss die „Welle“ erst von den Menschen lernen, und nur, um sich selbst zu verteidigen. Hmm, komisch, soll sie doch Ergebnis eines Evolutions-, also Auslese-Prozesses sein) und Eitlen. Dieser dumpfe Vitalismus feiert nichts anderes ab als die Lust an der Unterwerfung unter die „Sache“, die größer ist als das Individuum und suhlt sich in der bewusstlosen Sicherheit totaler ideologischer Verblendung: für die „Welle“ lebt, tötet und stirbt Erroll (fast), weil sie eben der wahre Gott ist. Ein Menschenleben ist nichts, das Prinzip des Lebens ist alles. Trefflicher kann sich die moderne Verdinglichung der Natur zum quasi-religiösen Prinzip kaum auf den Punkt bringen.
Kleine Ironie gefällig? Die „Welle“ tritt Erroll in Form seines Vaters entgegen, freilich eines verjüngten, übervirilen Vaters. Niemand anders als Gottvater haben wir da also, und man braucht nicht erst Freuds polemische Religionskritik zu lesen, um zu merken, wie infantil und patriarchal Mosleys Vision ist.

3. Zucht & Rasse: Angebetet wird aber nicht nur das Leben, sondern selbiges in seiner höchsten Ausformung. Die „Welle“ ist der genetische Kollektivcode, das beste, was Jahrmillionenlange natürliche DNA-Zucht und Auslese zu bieten hat, der landläufige Mensch in seiner zahlreichen Individualität ist dagegen, wie es im Buch ganz explizit heißt, „vermin“ – Ungeziefer. Ja, und die „Welle“ wird dann auch gar als eine „race“ bezeichnet. Ergo: Die Erfüllung des Rasseschicksals geht über die kleinen, unbedeutenden Sorgen menschlicher Individualschädlinge. The Wave ist vielleicht kein offen rassistisches Buch, aber ein „rasselogisches“ doch mindestens. Das eugenische Programm scheint recht unbewusst abzugehen, und das macht es nicht besser. Die innere Logik des hier artikulierten Denkens entspricht jedenfalls weitgehend der eines Houston Stuart Chamberlain.

4. Schweine & Aliens: Natürlich würde sich der Autor sicherlich – und im besten Glauben – gegen die Unterstellung der Verbratung rassistischer, autoritärer, faschistischer Ideologie verwehren und vielleicht darauf verweisen, dass bei ihm doch das Böse gerade von der autoritären Staatsmacht ausgeht, die den Genozid an der „Welle“ plant. Erstens ist es eine Unverschämtheit, wie platt sich Mosleys „Literatur“ erlauben darf, gut und böse, edel und skrupellos zu zeichnen. Zweitens: Ja, Mosley präsentiert auf Staatsseite eine überzeugende eklige Ideologie, eine des Rassenkampfs ums Überleben und der Abwertung des Anderen. Nur ist es genau die gleiche Ideologie, die dem Handeln der durchweg affirmierten „Welle“ zugrunde liegt. Ja, klar, die ganzheitliche „Welle“ verteidigt sich ja nur, weil inhärent aggressiv sind die bösen, individualistischen Menschen. Was nur einmal mehr zeigt, dass Mosley keine Vorstellung davon hat, wie man die Struktur von rassistischen Auslöschungsphantasien be- und angreift, sondern lediglich die Pole von Gut und Böse, Angreifer und Verteidiger, ein bisschen austauscht und das ganze dann mit esoterischem Gesülze anreichert. Dagegen ist sogar Star Wars ein ethisches System höchster Komplexität.

5. Sex & Manneskraft: Und dann ist der ganze Scheiß auch noch gnadenlos, zwanghaft heterosexistisch. Buäh. Die im Buch auftretenden Frauen sind, trotz betonter Coolness, natürlich nur dazu da, auf Errol zu stehen und ihn zu ficken (Ausnahmen machen da nur seine Schwester und seine Mutter) sowie ihm bedingungslose Unterstützung zukommen zu lassen, die durch keinerlei eigenständige Motivationen gestört wird. Das Ganze wird dann auch noch mit dem Holzprengel zur Metapher für die Vereinigung mit der „Welle“ gedengelt. Bei so viel speziesübergreifendem Stoffwechsel könnte man denken, dass sich vielleicht auch der eine oder andere homosexuelle Kontakt ergeben würde. Denkste. Männer und Frauen passen ineinander, Männer und Männer unterhalten sich wie Männer – zumindest bei Mosley. Das Individuum gehört da schon mal in Frage gestellt, aber die Grenzen zwischen gleichgeschlechtlichen Körpern sind in dieser Männerphantasie offenbar unantastbar. Dafür gehört Manneskraft zu den großen Verehrungsobjekten des Buches, sei es in Form des supertollen, superstarken Vaters oder in Form des allzeit penetrationsbereiten Errol. Das Gegenbild liefert der Militärarzt Wheeler, der bei seiner Frau nicht nur keinen hoch kriegt, sondern noch dazu das effeminiert-oberflächliche Handwerk des plastischen Chirurgen erlernt hat, was im seitens Errol den mannhaften Spott einträgt, ein „beauty surgeon“ zu sein.
Es nimmt nicht Wunder, dass das Buch dann auch mit einer gewaltigen Ejakulationsphantasie endet, in der die „Welle“ sich explosiv in den kosmischen Leib der außerirdischen und explizit weiblichen Entität entlädt. Im Himmel warten vielleicht nicht vierzig Jungfrauen, aber dafür eine kosmische.

Fazit: Ein ekelhaftes Buch. Wer das Kollektiv-Individuum-Thema besser verhandelt haben will, sei auf die genannten Romane von Bear und Robson verwiesen, wer auf Sex und Kosmik steht, ist mit John Clutes Appleseed besser beraten, und wer sich gerne über neue „Rassen“ und Vernichtungsideologien kritisch-metaphorisch den Kopf zerbrechen will, sollte vielleicht zu Richard Mathesons I Am Legend greifen oder einfach Battlestar Galactica gucken. All diese Werke sind integerer, komplexer, spannender und schlicht besser als Mosleys kleinbürgerliches, vitalistisch-romantisches Machwerk, dessen Titel vielleicht gar nicht unpassender Weise an ein olles, jüngst verfilmtes Jugendbuch zum Thema Faschismus erinnert.

Dämonen, Monster Schattenwesen

Beim recht neuen Fantasy-Imprint Lyx ist das Buch „Dämonen, Monster, Schattenwesen“ erschienen, ein kleines Lexikon phantastischer Getüme, an dem ich als Autor eines Großteils der Einträge nicht unwesentlich Anteil hatte. Eher ein Lesebuch als ein Lexikon, das querfeldein durch Fantasy und Horror, Literatur, Mythology und Kino mäandert, das aber nicht zuletzt deshalb recht hübsch gelungen ist und nebenbei eine hervorragende Sammlung von Anregungen für Rollenspieler, die genug von ihren alten Monsterkompendien haben und stattdessen mal was Aztekisches, Sumerisches, Japanisches oder gar Biblisches auffahren möchten.

Neue Übersetzung: Teuflisches Genie

Seit kurzem erhältlich ist Catherine Jinks‘ Roman „Teuflisches Genie“, den ich gemeinsam mit Bernhard Kempen aus dem Englischen übersetzt habe. Ein recht originelles und amüsantes Jugendbuch um das junge Genie Cadel Piggott, das zum Profi-Superschurken ausgebildet werden soll – obwohl Cadel eigentlich ein recht freundliches Gemüt hat … Ein bisschen böse, ein bisschen kitischig, und nicht zuletzt ein bisschen Anti-Harry-Potter.

So viele gute Schauspieler …

… machen so einen Scheiß.

Schlechte Filme und böse, böse Schauspieler

Vorgestern habe ich noch Zardoz gesehen, einen der anerkanntermaßen schlechtesten und verrücktesten SF-Filme der 70er Jahre – das ist der mit dem fliegenden Steinkopf und einem schnurrbärtigen Sean Connery in roter Unterhose, Patronengürtel und Oberschenkelhohen Lederstiefeln – und heute muss ich lesen, dass Charlton Heston, der Schauspieler, der für mich die SF-Filme jener Zeit schlechthin verkörpert, verstorben ist. Schnief, ein reaktionärer alter Sack, an dem mir trotz allem etwas lag, weniger. Heston haben ja in jüngerer Zeit einfach alle gehasst, weil er sich in Bowling for Columbine vor Michael Moore zum Pappkameraden für’s „böse“, waffenfetischistische Amerika gemacht hat. Tatsächlich mag man so wenig man will von Michael Moore halten, zu Charlton Hestons politischer Ehrenrettung lässt sich einfach noch weniger sagen. Aber seine angespannte Spielweise, sein zähnefletschen und sein stechender Blick haben einfach wunderbar in Filme wie Soylent Green, The Omega Man und Planet of the Apes gepasst. Mehr kann man von einem Schauspieler doch gar nicht wollen.
Apropos reaktionäre Schauspieler und gute Filme. Auch noch gesehen habe ich vorgestern einen doch eher schlechten Film, der sich (zumindest oberfächlich) gegen genau das von Heston verkörperte Amerikabild wendet: Die Fernseh-Zombie-Produktion Homecoming von Joe Dante, in der die gefallenen Soldaten des Irakkriegs zurückkehren und, weil man sie bei der Sache mit den Massenvernichtungswaffen belogen hat, gegen die Republikaner abstimmen. Das ist zwar ganz lustig, aber auch entsetzlich platt und hält den Nationalmythos nicht weniger hoch als die derzeitige Regierung selbst. Eigentlich regt sich der Film nämlich nur darüber auf, dass „unsere Jungs“ von einer korrupten Regierung betrogen worden sind und drückt dabei sogar noch ordentlich auf die Tränendrüsen. Da hilft auch die inhärente Kraft der Ironisierung nicht mehr, die einem wankenden, gammelnden Leichnam zueigen ist, das ist einfach kitischig, billig, dumm. Was hervorragend zu meiner These passt, dass alle expliziten Politisierungsversuche des Zombie-Genres (Land of the Dead, 28 days Later) immer ins Platte, Sinnstiftende abgleiten.
Mit der Sinnstiftung wären wir dann auch wieder bei Zardoz, bei dem es unter anderem um einen von Langeweile geplagten Elitesozialismus geht, der eine ordentliche Dosis virile Vitalität von einem wilden Mann (Connery) braucht, um … was eigentlich? ich glaube, unterzugehen, wenn ich das richtig verstanden habe. Damit die Evolution weitergehen kann und alle endlich sterben (Unsterblich sind die nämlich auch). Das Ganze ist streckenweise mit einem befremdlichen sexualisierten Sadismus erzählt, zuweilen durchaus faszinierend, aber eines ganz sicher nicht: tiefsinnig. Trotzdem sollte man diesen Film mal gesehen haben, und sei es nur wegen der (spärlichen) Kostüme und dem erwähnten schwebenden Steinkopf, der grollend Sachen von sich gibt wie: „The penis is bad; The gun is good“. Die genaue anthropologische Begründung für diese gewagte These erspare ich euch jetzt mal, der Film liefert sie aber im Detail.

Stabi-Methoden

Heute habe ich mal mein inneres Hundeschwein überwunden und mich zum Arbeiten in die Staatsbibliothek (Stabi) gesetzt. Gar nicht so übel. Nette Fensterfront, kann man hübsch rausstarren. Falls das hier die Nebenfrau liest, die sich über meine laute Tastatur beschwert hat: Tschuldigung, ich war unfreundlich und gelobe Besserung – werde mir in Bälde ein Gerät zulegen, das keine Holzhackgeräusche beim Tippen macht!