Vorgestern habe ich noch Zardoz gesehen, einen der anerkanntermaßen schlechtesten und verrücktesten SF-Filme der 70er Jahre – das ist der mit dem fliegenden Steinkopf und einem schnurrbärtigen Sean Connery in roter Unterhose, Patronengürtel und Oberschenkelhohen Lederstiefeln – und heute muss ich lesen, dass Charlton Heston, der Schauspieler, der für mich die SF-Filme jener Zeit schlechthin verkörpert, verstorben ist. Schnief, ein reaktionärer alter Sack, an dem mir trotz allem etwas lag, weniger. Heston haben ja in jüngerer Zeit einfach alle gehasst, weil er sich in Bowling for Columbine vor Michael Moore zum Pappkameraden für’s „böse“, waffenfetischistische Amerika gemacht hat. Tatsächlich mag man so wenig man will von Michael Moore halten, zu Charlton Hestons politischer Ehrenrettung lässt sich einfach noch weniger sagen. Aber seine angespannte Spielweise, sein zähnefletschen und sein stechender Blick haben einfach wunderbar in Filme wie Soylent Green, The Omega Man und Planet of the Apes gepasst. Mehr kann man von einem Schauspieler doch gar nicht wollen.
Apropos reaktionäre Schauspieler und gute Filme. Auch noch gesehen habe ich vorgestern einen doch eher schlechten Film, der sich (zumindest oberfächlich) gegen genau das von Heston verkörperte Amerikabild wendet: Die Fernseh-Zombie-Produktion Homecoming von Joe Dante, in der die gefallenen Soldaten des Irakkriegs zurückkehren und, weil man sie bei der Sache mit den Massenvernichtungswaffen belogen hat, gegen die Republikaner abstimmen. Das ist zwar ganz lustig, aber auch entsetzlich platt und hält den Nationalmythos nicht weniger hoch als die derzeitige Regierung selbst. Eigentlich regt sich der Film nämlich nur darüber auf, dass „unsere Jungs“ von einer korrupten Regierung betrogen worden sind und drückt dabei sogar noch ordentlich auf die Tränendrüsen. Da hilft auch die inhärente Kraft der Ironisierung nicht mehr, die einem wankenden, gammelnden Leichnam zueigen ist, das ist einfach kitischig, billig, dumm. Was hervorragend zu meiner These passt, dass alle expliziten Politisierungsversuche des Zombie-Genres (Land of the Dead, 28 days Later) immer ins Platte, Sinnstiftende abgleiten.
Mit der Sinnstiftung wären wir dann auch wieder bei Zardoz, bei dem es unter anderem um einen von Langeweile geplagten Elitesozialismus geht, der eine ordentliche Dosis virile Vitalität von einem wilden Mann (Connery) braucht, um … was eigentlich? ich glaube, unterzugehen, wenn ich das richtig verstanden habe. Damit die Evolution weitergehen kann und alle endlich sterben (Unsterblich sind die nämlich auch). Das Ganze ist streckenweise mit einem befremdlichen sexualisierten Sadismus erzählt, zuweilen durchaus faszinierend, aber eines ganz sicher nicht: tiefsinnig. Trotzdem sollte man diesen Film mal gesehen haben, und sei es nur wegen der (spärlichen) Kostüme und dem erwähnten schwebenden Steinkopf, der grollend Sachen von sich gibt wie: „The penis is bad; The gun is good“. Die genaue anthropologische Begründung für diese gewagte These erspare ich euch jetzt mal, der Film liefert sie aber im Detail.
4 Antworten auf “Schlechte Filme und böse, böse Schauspieler”
- 1 Pingback am 06. April 2008 um 20:46 Uhr
Was soll denn an Charlton Heston jetzt sooo schlimm sein? Im Vergleich zu Micael Moore kann mann ihm zumindest eine gewisse Aufrichtigkeit zugestehen. Mann mag die National Rifle Association nicht mögen, ihre Rolle in und Verbindung zu der schwarzen Emanzipation bescheinigt ihr und dem besagten aber doch zumindest eine gewisse Anständigkeit, die Moore gerade in Bowling for Columbine gegenüber dem Alzheimernden Heston klar vermissen lässt.
Grüße aus duweisstjawoher…
Mag sogar sein, dass er ein anständiger Kerl war, so genau habe ich die laut deutschöffentlicher Meinung inkriminierende Szene aus Michael Moores sogenanntem Dokumentarfilm gar nicht mehr im Kopf. Jedenfalls habe ich ihn als Zukunftsreisenden im Affenland („It’s a maaaadhouse!“) und Vorkämpfer gegen den Kannibalismus („It’s people! Soylent Green is people!“) mit mehr Genuss gesehen als in vorgenannter.
Und: jetzt weiß ich endlich, wer du bist! Warum schaltest du denn deine Kommentare nicht frei?
Ach, der Feind meines Feindes und so…Vielleicht sind ja einfach beide doof, Moore und die NRA. Jakobs Ansichten zu den Filmen teile ich aber in schönster Eintracht – wir ham die ja auch zusammen gesehen, ha! Der Irak-Film war wirklich so ein bisschen „Rock the vote“ – mäßig, eine Krähe hackt der anderen ein Auge aus oder mit Patriotismus gegen den Krieg. Wäh. Zwar war die Blonde aus „Queer as folk“ dabei, die ich vom Scheitel bis zum Hals und dann wieder vom Bauchnabel bis zu den Zehen attraktiv finde, und sie spielt auch noch eine nette fiese Rolle, in der sie mit großen Knarren auf Zombie-Soldaten ballern darf, aber sonst war auch entschieden zu wenig Blut. Der Kopf, der von Scheibenwischern beseite geschlagen wird, war zu wenig.
Um die aufgekommene Frage, warum Connery nach James-Bond-Erfolgen gerade in einem Film wie Zardoz rumturnt, zu beantworten: Er turnte, gerde weil er bei JB aufgehört hatte. Dann nämlich erstmal keine Rollen mehr.