Archiv für Oktober 2008

ohohoh … weh!

Weil mir gerade aus streng geheimen Gründen danach ist, präsentiere ich:

Tocotronic
Kapitulation

Und wenn Du kurz davor bist,
kurz vor dem Fall,
und wenn Du denkst,
„Fuck it all!“
Und wenn Du nicht weißt,
wie soll es weitergehen

Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
ohohoh
ohohoh

Und wenn Du denkst,
Alles ist zum Speien!
Und so wie Du jetzt bist
willst Du überhaupt nicht sein.
Wenn Du Dir sicher bist,
niemand kann Dich je verstehen

Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
ohohoh
ohohoh

Und wenn Du traurig bist
und einsam und allein,
wenn die Welt im Schlaf versunken ist,
Du wirst es nie bereuen.
Wenn Du denkst, Fuck it all,
wie soll es weitergehen?

Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
ohohoh
ohohoh

Die Vögel im Baum,
sie kapitulieren!
Die Füchse im Bau,
sie kapitulieren!

Die Wölfe im Gehege,
sie kapitulieren!
Die Stars in der Manege,
sie kapitulieren!

Alle, die die Liebe suchen,
sie müssen kapitulieren!
Alle, die die Liebe finden,
sie müssen kapitulieren!

Alle, die disziplinieren,
sie müssen kapitulieren!
Alle, die uns kontrollieren,
sie müssen kapitulieren!

Alle, die uns deprimieren,
sie müssen kapitulieren!
Lasst uns an alle appellieren!
Wir müssen kapitulieren!

Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
ohohoh
ohohoh

Lachen oder andachten?

Ich habe ja schon kürzlich in der Jungle gemeinsam mit Björn auf die biographisch prägende Rolle verwiesen, die Star Trek in meinem Leben gespielt hat. Nun tauchen auch langsam erste Bilder des Star-Trek-Films auf, der im Mai nächsten Jahres anläuft und der die Originalcrew (Also „Kirk! Spock! Pille!“) mit neuen, jungknackigen Darstellern besetzt, um ihr erstes Abenteuer zu erzählen. Hach. Wir sind gespannt. Ich jedenfalls.
Wenn man sich das so ansieht, stellt sich allerdings schon das Gefühl ein, dass das Ganze zur unfreiwilligen Parodie ausarten könnte:

TrekCrew

KirkChair

Oder?

Warum solltest du Samstag ins Otherland?

Ich für meinen Teil werde am Samstag von 11-17 Uhr da sein, weil ich dafür bezahlt werde. Aber warum du?

Zum Beispiel, um die neuen Borg-Einheiten im hinteren Ladenbereich zu bestaunen.

Zum Beispiel, um dir endlich einmal „Schattenfall“ von R. Scott Bakker zu kaufen.

Zum Beispiel, um dir endlich einmal „Männerfantasien“ von Klaus Theweleit zu kaufen.

Zum Beispiel, um endlich einmal zu meckern, dass wir „Anathem“ von Neal Stephenson immer noch nicht dahaben, obwohl es zwischendurch schon lieferbar war. (Exkurs: Mir ist das rund 800 Seiten dicke „Anathem“ gestern in die Badewanne gefallen. Jetzt sieht es etwa 1600 Seiten dick aus.)

Zum Beispiel um zu fragen, wo denn die Comics sind, auf die Aussage hin, dass wir selbige – abgesehen von einigen Ausnahmen – nicht führen, zu erklären, dass wir früher, praktisch gestern sozusagen, aber sehr wohl welche hatten und auf gegenteilige Belehrungen mit Verärgerung und taktischem Rückzug zu reagieren.

Zum Beispiel, um den neuen Drachen überm Durchgang zum hinteren Ladenbereich zu bewundern.

Zum Beispiel, um mir Kaffee zu holen.

Zum Beispiel, um zu sehen, was bei uns so am Erstverkaufstag von „Estragon 3″, oder wie das Ding noch mal heißt, los ist.

Und wenn das alles nicht reicht, weiß ich auch nicht!

Hunt you down …

„Hunt you down without mercy
Hunt you down all nightmare long …“

… von Metallica höre ich gerade und erfreue mich härtiglichst daran. Muss mich aber leider doch fragen, ob der Text nicht vielleicht was mit Metallicas bekanntermaßen unsympathischen Einstellung zum Thema Filesharing zu tun hat …

Keiner kommt hier unversteuert raus

Sehr geehrter Herr Dame,

Die Bundeszentrale für Zählen und Zahlen hat Sie mit der Identifikationsnummer 12345 infiziert. Sie wird für steuerliche, Steuerungs- und andere fern- und naheliegende Zwecke verbreitet und ist lebenslänglich und ohne Bewährung gültig. Sie werden daher gebeten, dieses SCHREIBEN AUFZUBEWAHREN [Na, verschlampen sie’s nur, sie Schlawiner, sie werden ja sehen, wir haben auch Pest und Syphillis auf Lager, Sie Hurensohn/tochter, ischwör!], auch wenn sie derzeit nicht steuerlich geführt oder vom Führer gesteuert beziehungsweise gefeuert werden.

Im Todesfall pissen wir Ihre Identifikationsnummer vor Ihrem Grab auf die Erde, da wächst dann nichts mehr.

Übrigens: AUF DER RÜCKSEITE STEHT AUCH NOCH WAS, Sie Vollhorst!

Trotzdem schon mal freundliche Grüße,
Ihre Bundeszentrale für Zählen und Zahlen

Überwintern, hochschrecken und erleichtert weiterschlafen

Gegenwart:
Schmachvolle Erleichterung ergriff mich heute morgen, als ich in der Zeitung las, dass der US-Kongress jetzt doch 700 Milliarden zur Sanierung der Finanzmärkte und Rettung der Welt vor dem ansonsten – so munkelt man – ziemlich garantierten Absturz ins totale Chaos lockermacht. Ein Glück, dann kann ja hoffentlich alles mehr oder weniger beim Alten bleiben.

Flashback:
„Bei uns überwintert die radikale Perspektive.“
So oder so ähnlich hieß das anno dazumal, das war die halböffentliche Linie und Begründung dafür, dass man sich ordentlich militant und bewegungsfetischistisch gebärdet, obwohl allen klar ist, dass man auf der Kampf-um-die-Macht-Ebene eh nix reißen kann. Überwintern muss sie nämlich, die Perspektive, bis die revolutionäre Situation eingetreten ist, das ist so eine Frage des Dingsda, historischen Materialismus und der weltweiten Krisenzyklen und der aktuellen Stimmungslage von denen da unten gegenüber denen da oben. Jedenfalls: Wenn die Massen dann mal revolutionär werden, muss es ja wen geben, der ihnen nicht nur erklärt, dass sie den Kapitalismus abschaffen müssen, sondern auch, wie man Barris baut, Bullensperren durchbricht und Transpischablonen für Overheadprojektoren anfertigt. Das will geübt sein, da braucht es quasi eine Transpischablonenoverheadprojektorenavantgarde. Und die sind wir. Wenn also die finale Verwertungskrise eintritt und es mal wieder heißt: Sozialismus oder Barbarei, denn der Preis ist heiß und die Schweine sind bald schon Schinken, dann werden wir gebraucht, den die Revolution erledigt sich ja nicht von selbst, also nicht so ganz, zumindest.

Wegenwart?
Läuft doch alles ganz gut gerade. Geld verdien‘ ich halbwegs genug, da muss jetzt gerade echt nicht die lauwarmersehnte revolutionäre Situation kommen. Und wenn jetzt gleich die Arbeiter- oder Prekarisiertenklasse vor meiner Tür steht, rufe ich dann die ganzen Genossen von ehedem an und mache Plenum? Oder drücke ich ihnen einfach den Ordner mit den alten Antifa-Jugenzeitschriften und eine Overheadprojektortranspimalschablone in die gereckte Faust?
Ein Glück, das mit den 700 Milliarden Euro …

Bashflack!
Die Stadtguerilla lag da natürlich falsch, man kann den Weltgeist ja nicht zwingen. Der muss sich schon von alleine regen, und dann springt man auf den fahrenden Zug auf und steigt ins Führerhäuschen, nein, so kann man das natürlich nicht sagen, Führer gibts bei uns nicht, nur Anstoßgeber und Radikalsierer. Alle müssen ihre eigenen Erfahrungen machen in den Situationen, in die wir sie ganz behutsam an-stoßen, und werden dann schon unsere Schlüsse ziehen … Und dann zieht Vernunft und Wohlstand ein ins Haus der Welt, weil alles für alle (und zwar umsonst) erhältlich ist.

Gegenwert
Und wer bringt dann den Müll weg, wenn keine 700 Milliarden Dollar da sind, um die Banken zu retten, die bekanntlich den Kapitalismus am zirkulieren halten, der vielleicht nicht aus Prinzip, aber zumindest irgendwie dann doch die Müllmänner und -frauen bezahlt? Ich weiß, das ist ein Argument für Eltern und Jungunionisten, aber ein bisschen plagt’s mich doch, dass ich gar nicht weiß, wie ich dann diese Dreckssachen organisieren soll, wenn die Massen mich so ganz konkret fragen. Was, wenn dann irgendein evangelisch-lutherischer Warlord kommt, der das besser in den Griff kriegt? Überhaupt ist ja alles so schrecklich unübersichtlich, was machen denn die Massen in anderen Erdteilen, wenn da keine Overheadprojektortranspischablonenavantgarde zur Verfügung steht? Am Ende Kleinstaaterei, Diktatur, noch mehr Kapitalismus. Kann doch auch nicht gesund sein.

Synkrase:
Ja, so heult er, der Kleinbürger, wenn ihm im Zuge der finalen Verwertungskrise die Ökotechnologie-Fondrente wegschwimmt. Da kann man nix machen, das ist halt eine Frage des Klassenstandpunkts. Aber nicht verzagen: Bis 20 000 Euro sind unsere Einlagen staatlich garantiert oder so. Hach, der Staat, der Feind in meinem Bett! Was will ich mehr als ein Girokonto und Hartz IV in meinem Rücken! Was ich jedenfalls im Moment nicht wirklich will, ist den Wind of Change mitten in die Fresse.

ohnegleich

Simon, der alte Umkipper, bloggt jetzt doch.
Selber Schuld!