ad hominem

Weh ach, es ist mir nicht gegeben, diszipliniert zu disputieren! Am Anfang ist eitle Gewissheit des besseren Arguments (meinerseits), im Mittelteil folgt eifrige Überzeugungsarbeit ungewissen Ausgangs, und am Ende nurmehr verebbender Eifer, denn all unser Streben ist eitel (insbesondere das, andere so klug zu machen, wie man selbst sich wähnt)!
Und so erhebt wieder und wieder die Frage ihr graus‘ Haupt: „Warum kapiert der das nicht, verkackfickdreckt noch mal?“, und so begibt sich unser Held (der niemand größerer ist als ich) auf den dunklen Kontinent der Psychologisierung und stürzt ins Herz der diskursiven Finsternis. Dort rollt er sich in geistig‘ Fieberkrämpfen und fragt: „Ist’s dein Hass auf einstige Mentoren, der dich an diesen Punkt getrieben? Willst du die Brücken brechen (sieben müssen’s sein)? Erträgst du’s nicht, dass deine einst‘ge GUT der Fliege Flug nicht zu berechnen mag? Musst du sie drum mit Haut und Haar ersäufen (die GUT jetzt, nicht die Fliege)?“ Das Fieber steigt in Kopf und Glieder, und bald reißt unser Held sich die Kleider vom Leib, spitzt den Speer und tanzt zu den Trommeln des Urtriebs: „Deine Mutter war’s, dein Vater, die es mit irgendwas übertrieben, oder es gar unterließen! Das Spiegelstadium hat dir übel mitgespielt! Bei deinem Objektbezug kam das Subjekt nicht zum Zug!“
Und während ich mir noch mit Blut die Zeichen ins Gesicht male, triumphiert der Gegner schon: „ad hominem, du hast verlor‘n!“ und da steh ich nun peinlich berührt in meiner Fellunterwäsche. Doch frag ich mich, wie soll ich mich nicht fragen: aus welchen unbewussten Quellen springt die Renitenz? Die Freud-Lektüre kommt da wohl zum Tragen.
Was aber nicht heißt, dass ich nicht Recht habe!


26 Antworten auf “ad hominem”


  1. 1 oktomonte 23. November 2008 um 17:39 Uhr

    muss ja heiß hergegangen sein, bei der diskussion. worum ging’s denn,was war der anlass, was der grund, dass du soviel herzblut gabst im streit der worte?

  2. 2 Administrator 23. November 2008 um 17:57 Uhr

    Da:
    http://vorstellungsrepraesentanzen.blogsport.de/2008/10/24/zum-antiqueeren-flugblatt-der-neocommunistinnen/

    und mehr noch da:
    http://neocommunistinnen.blogsport.de/2008/10/24/boring-queerness/

    Was soll man zu letzterem sagen, so man ganz ans Ende gecrollt? Recht hat der Administrator mit dem einleitenden Anwurf, recht hab selbstredend (und eitel, wie ich bin) ich mit allem anderen!

  3. 3 MoW aka Otherlander 23. November 2008 um 18:35 Uhr

    „verkackfickdreckt“
    mann, das wort sollte iegntlich mir gehören!

  4. 4 Administrator 23. November 2008 um 18:44 Uhr

    Nee, die Kack-Fick-Dreck-Trinität gehört mir und meiner Jugendgang! Ich kann dir aber unverbindliche Nutzungsrechte einräumen …

  5. 5 ohnegleich 24. November 2008 um 10:53 Uhr

    Jakob, vielleicht leert Dich das nun endlich, dass Du einfach nicht diskutieren solltest, weil Du’s nicht raffst. Wenn man zu blöd ist, um zu kapieren, dass Karl Marx mit Stöckelschuhen performte, die er ganz schrecklich fand, aber keineswegs lachhaft, weshalb sie ein repressives Mittel sind, um seine Frau zu kastrieren, die ihm mit Püscheln Organversagen auf die Nieren gedrückt hat, und dass du deshalb ein sexyfischistisches Knödelkorsett tragen solltest und niemals lachen darfst, wenn ein Mann keine Stöckelschuhe trägt, weil die nämlich unbequem sind aber mit der Diskussion eigentlich gar nichts zu tun haben oder doch zumindest genau im Gegenteil gemeint sind, und dass es bei den Püscheln, eben gerade weil ihre Weichheit das Problem ist, nicht um ihre Weichheit geht, sondern um rosa Kommasetzung, ganz blümerant, wenn Du das nicht kapierst, dann solltest Du schön brav Dein Alltags-Quatsch-Blog schmieren, aber wage es niemals wieder, Dein unverständiges Stimmchen in einer Diskussion zu erheben.

    Dabei ist das mit den Stöckelschuhen und den rosa Püscheln doch so einfach, musst Dir doch bloß mal stählerne Fischgrätenröcke anschauen. Liegt doch auf der Hand. Kauf Dir ne Toga und steig mal von Deinem hohen, zum Kampf gesattelten Ross, dann blickst Du’s vielleicht endlich.

  6. 6 Administrator 24. November 2008 um 11:28 Uhr

    Na, wenn du das so erklärst, wird doch ein kristallklarer Glasschuh draus! Dann kann ich ja jetzt Schluss machen mit meiner Verblendung und wieder die Evolutionsleiter zum Zivilisationsmenschen emporsteigen. Ein Glück!

  7. 7 ohnegleich 25. November 2008 um 8:54 Uhr

    Mensch, Jakob, was bist Du denn für ne Nulpe, hast’s schon wieder nicht geblickt, dabei habe ich Dir doch erklärt, dass Stöckelschuhe gar keine Stöckelschuhe sind und dass ich Stöckelschuhe nie im Zusammenhang mit irgendwelchen Witzen erwähnen würde, weil sie nämlich der verdammungswürdigste Unwitz sind und gerade deshalb als Kritik am Witz herangezogen werden müssen, denn egal, was Du sagst, ich finde einfach, dass das richtig ist, was ich meine, scheiß auf Deine Argumente, und nur, weil Du Dir diesen Stöckelschuh nicht anziehen willst, soll ich mir widersprechen oder was, und nachdem ich Dir’s jetzt extra nochmal erklärt habe — notfalls kannst Du’s auch im Telefonbuch von Finsterwalde aus dem Jahr 1957 nachlesen —, machst Du immer noch einen Glasschuh draus. Dir ist nicht zu helfen.

  8. 8 Administrator 25. November 2008 um 16:46 Uhr

    Na, schön, ich gestehe: Ich bin widerlegt. Solcherart unmöglich gemacht (oder es schon immer gewesen?) kollabiere ich klaglos zum schwarzen Antimaterie-Loch. Gott ist es seinerzeit schließlich auch nicht besser ergangen, da will ich nicht jammern …

  9. 9 GWdK 25. November 2008 um 22:13 Uhr

    Auf Figuren wie »Jakob« trifft insgesamt das zu, was Marx in der Einleitung zur Hegelschen Rechtsphilosophie Luther und dem Protestantismus attestiert hat:

    »Luther hat allerdings die Knechtschaft aus Devotion besiegt, weil er die Knechtschaft aus Überzeugung an ihre Stelle gesetzt hat. Er hat den Glauben an die Autorität gebrochen, weil er die Autorität des Glaubens restauriert hat. Er hat die Pfaffen in Laien verwandelt, weil er die Laien in Pfaffen verwandelt hat. Er hat den Menschen von der äußeren Religiosität befreit, weil er die Religiosität zum inneren Menschen gemacht hat. […] Es galt nun nicht mehr den Kampf des Laien mit dem Pfaffen außer ihm, es galt den Kampf mit seinen eigenen i n n e r n P f a f f e n, seiner pfäffischen Natur.«

  10. 10 Administrator 26. November 2008 um 2:11 Uhr

    Jetzt bin ich gar eine Figur in Gänsefüßchen! Ds klingt ja fast, als sei ich literarische Fiktion, was ja eine ehrenhafte Berufung ist. Nur: Bewegt sich die Behauptung, ein materielles Geschöpf sei eine solche, nicht schon im gefährlicher Nähe zur antimaterialistischen Diskurstheorie?
    Fragen über Fragen, da wird die Kritik Waffe um Waffe auffahren müssen, wenn sie den Krieg gewinnen will! Oder sie setzt zum atomaren Gegen- und Endschlag an, bspw. durch den willkürlichen Vorwurf des Heideggerianismus … auf den warte ich schon seit Tagen, wo bleibt der denn?

    Aber ganz abseits der billigen Polemik: Können die Kritiker ihr Marxgeschoss denn nun auch explizit auf mich bzw. von mir getroffene Aussagen beziehen, oder ist es einfach nur zufällig von schwänzlicherseits in meinen blog gewachsen?

  11. 11 GWdK 26. November 2008 um 5:13 Uhr

    »willkürlichen Vorwurf des Heideggerianismus«

    Warum der auf dich als Pomo aller Wahrscheinlichkeit nach wenigstens indirekt bzw. sehr vermittelt zutrifft – wofür mußt du im übrigen Heidegger weder irgendwann affirmierend zitiert oder gar gelesen haben mußt – kannst du hier primär in Kapitel 7 und 9 nachlesen [wenn du deine Deleuze und Foucault-Lektüre unterbrechen willst]: http://www.dan4u.de/zuklampen/bookdetails.php4?wkid=1205936963&id=217&usess=&qx=

    »Können die Kritiker ihr Marxgeschoss denn nun auch explizit auf mich bzw. von mir getroffene Aussagen beziehen«

    Wie dem Idioten wohl kaum plausibilisiert werden kann, daß er ein Idiot ist, muß eben so ein Versuch die reinste Zeitverschwendung bleiben. Zu dem Schluß, daß dieses Marx-Zitat auch auf dich wieder sehr vermittelt zutrifft, kann man im übrigen nach zig Diskussionsbeiträgen von dir auf dem neocommunistinnen- und Vorstellungsrepräsentanzen-Blog gelangen. Für den Rest hat die GWdK einfach keine Zeit, da wir uns nicht an der debilen Blogger-Szene abarbeiten. ;)

    Cheers

  12. 12 Administrator 26. November 2008 um 10:34 Uhr

    Ah, so jetzt verstehe ich eure Argumentationskette! In der Schule war das unkomplizierter, da schrieb man einfach: „Wer das liest, ist doof!“ irgendwo hin.
    Aber ich gebe zu, dass eure Variante ein gutes Stück peppiger ist!

  13. 13 subwave 26. November 2008 um 11:19 Uhr

    oh my god ist das blöd mr. gwdk! willst du wirklich wegen der lektüre von foucault und anderen „postmodernen“ den vorwurf des sich positiv auf heidegger beziehens loslassen? very cheap… let me think about it: du bist der lektüre von texten w. benjamins oder franz neumanns sicher nicht abgeneigt, oder? dann trifft auf dich der vorwurf des carlschmittianismus ebenso zu, wie auf die leser_innen von foucault und co der vorwurf des heideggerianismus. ich lese sowohl als auch mit gewinn, bin also nach deiner logik großer fan von heidegger und carl schmitt, didnt know that…

  14. 14 Jasper 26. November 2008 um 16:20 Uhr

    Jakob, es bringt nix.

    - Jasper, der Foucault, Marx, aber nicht Heidegger leist oder gelesen hat, und manchmal schwul ist und manchmal nicht. Wie beliebig! Und auch das noch ironisiert. Himmel hilf, sagt der aus Glauben Autoritäre.

  15. 15 Administrator 26. November 2008 um 16:27 Uhr

    Jetzt nimm mir doch nicht meine letzten Illusionen!
    Immerhin habe ich GWdK in meine Heidegger-Falle locken können und habe mir damit ein sattes Grinsen verdient, das ist doch auch was!

  16. 16 GWdK 26. November 2008 um 16:42 Uhr

    @subwave: dort wo sich benjamin und neumann auf carl schmitt beziehen, tun sie das ausschließlich in kritischer absicht, was auf foucault, derrida und wie sie alle heißen nicht im geringsten zutrifft. dein einwand läuft folglich ins leere.

    @jakob: ist wirklich überhaupt nicht aufgefallen!

  17. 17 GWdK 26. November 2008 um 16:54 Uhr

    »Die Tradition der Unterdrückten belehrt uns darüber, daß der >Ausnahmezustand

  18. 18 GWdK 26. November 2008 um 18:24 Uhr

    Vielleicht wäre es hilfreich, Kommentare nicht mitten im Satz auf ein Fünftel zu kürzen. Es sollte aus Walter Benjamins Text »Über den Begriff der Geschichte zitiert werden, um von Herrn subwave dann doch zu erfahren, wo in der Passage, in der er auf den Ausnahmezustand [einem Zentralbegriff in der politischen Theologie von Carl Schmitt] zu sprechen kommt, die Rechtstheorie von CM affirmiert wird:

    »Die Tradition der Unterdrückten belehrt uns darüber, daß der »Ausnahmezustand«, in dem wir leben, die Regel ist. Wir müssen zu einem Begriff der Geschichte kommen, der dem entspricht. Dann wird uns als unsere Aufgabe die Herbeiführung des wirklichen Ausnahmezustands vor Augen stehen; und dadurch wird unsere Position im Kampf gegen den Faschismus sich verbessern.«

  19. 19 Administrator 26. November 2008 um 18:36 Uhr

    Stimmt, das ist nicht so hilfreich, verstümmelte Kommentare zu posten. Warum machst du es dann?

  20. 20 v 01. Dezember 2008 um 1:36 Uhr

    hurra, die debatte ist so lustig. jetzt wo sie nicht mehr auf meinem blog läuft :) , habe ich auch meinen humor wieder gefunden. dafür danke! ausserdem jakob, ich muss schon sagen: respekt! nach einem blutigen kampf im namen der aufklärung scheint nun tatsächlich die vernunft gegen die kritikresistenz gesiegt zu haben. jedenfalls gab es seit fünf tagen keinen mucks mehr seitens „admin“, den du dann ja doch in der weiblichen form der neocommunistas angeredet hast.

  21. 21 Administrator 02. Dezember 2008 um 17:39 Uhr

    Wie man sehen kann, hat die Diskussion jetzt wohl ein klägliches Ende gefunden:
    http://neocommunistinnen.blogsport.de/2008/10/24/boring-queerness/#comments

    Naja, ich habe wenig Grund, ihr Tränen nachzuweinen. Ewig ungeklärt bleibt jetzt allerdings wohl die Frage, was mich so „Pomo“ macht (vielleicht liegt’s an meiner Ernährung oder ich mache zuwenig Sport …), wie man zu der nicht so wahnsinnig inkriminierenden Verbindung zwischen mir und Foucault kommt und wie zu der schlichtweg unsinnigen zwischen mir und Deleuze (von dem habe ich wenig gelesen und nix verstanden, obwohl das mit den Werwölfen und Hummern lustig war).
    Und falls Admin Maria mitliest: Da waren gar keine Pomos auf der Buffy-Konferenz, sondern eigentlich nur stramme MarxistInnen, AdornitInnen und PsychoanalytikerInnen. Ich wage zu behaupten, die waren sogar noch marxistischer, adornitischer und psychoanalytischer als du. Und mich würde ich da gleich noch einschließen. Vielleicht ist es ja auch Zeichen eines etwas weniger fetischistischen Politikverständnisses, wenn man seinen „Alltagsquatsch“ nicht einfach abspaltet, um sich nur zu revolutionär bedeutsamen Fragen zu äußern, sondern ihn dann und wann auch mal mitreflektiert …
    Aber lass solche Alltagsquatsch-Beschäftigung mal ruhig kategorisch ausgeschlossen sein durch deine „revolutionäre Zeitökonomie“. Es gibt weitaus wichtigere Aufgaben: der Kampf gegen Puschel ist noch lange nicht vorbei, und solange nicht jede und jeder den Kommunismus mit „C“ schreibt und ihm am besten noch ein „Neo“ andichtet, ist die Welt ein schlimmer Ort!

  22. 22 v 04. Dezember 2008 um 16:44 Uhr

    Ich vermute dass sich hinter dem PoMo-Vorwurf oft auch das Ressentiment gegen jene verbirgt, die vermeintlich das praktizieren was man selbst gerne täte aber sich nicht zuzugestehen getraut. Nämlich vor dem Hintergrund der Erkenntnis, dass das Leben die meiste Zeit ziemlich beschissen ist zu versuchen, dennoch und eben deswegen das Geniessen nicht aufzugeben, sondern nur um so energischer am Stöckelschuh festzuhalten, unter gleichzeitiger Kritik an dessen gläserner Substanz. :)

  23. 23 GWdK 04. Dezember 2008 um 20:48 Uhr

    Ja genau, das wird es wohl sein…

  24. 24 Administrator 05. Dezember 2008 um 11:06 Uhr

    Doch kein Ende bei den neocommunistas, schade. Könnte ich mich nur am am Riemen reißen und endlich nicht mehr antworten, dann müsste ich mich vielleicht auch nicht mehr als Linksmichel, Scheißdeutscher, Denunziantendreckschwein, Stalinist, beinahe-Faschist, Faktenklauber oder „Feind, der geschlagen werden muß” beschimpfen lassen.

    Die Diskussion über die Diskussion ist an dieser Stelle geschlossen, da sie beinahe so absurd und sinnlos ist wie ihr Gegenstand.

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