Archiv für September 2009

Kotzshirts

An manchen Wochenenden zweifelt man doch an allem, vor allem aber an der Zuverlässigkeit der eigenen Sehorgane. Samstagabend war ich nach langer Abstinenz endlich mal wieder auf einer schönen, großen, kuscheligen Party bei einer befreundeten WG. Wie das bei diesen semiprofessionellen Anlässen ist, schlossen laute Musik und geöffnete Fenster einander aus, weshalb es zwangsläufige Tanzpausen zum Zwecke des Luftaustauschs gab. In einer davon hatte ich das zweifelhafte Glück, den englischsprachigen T-Shirt-Aufdruck auf der Rückseite einer Tänzerin neben mir zu lesen: Das war ein Zitat von irgendeinem palästinensischen Studenten, der „nicht ruhen“ würde, „bis die Wahrheit über die Geschehnisse in Palästina ans Licht käme“. Danach wurde es dann richtig blutig und bodenständig, der Mann wollte, wenn ich mich recht erinnere, desweiteren bis zum Tode kämpfen, bis … da ging die Musik dann wieder los und das T-Shirt fing an zu wackeln, aber man kann sich schon ausmalen, was der Widerständler alles gerne mit den ihm verhassten Juden anstellen würde. Verzeihung, sicher hat er „Zionisten“ gesagt und Juden nur gemeint. Später las ich noch die Vorderseite, die trug ein schlichtes „Students for Palestine“ zur Schau.

Als ich später rumfragte, was denn ein derart rechtsradikales Shirt auf einer Party in einer linken WG zu suchen habe, erfuhr ich, dass die, die es trug, wohl Engländerin sei und da etwas andere Sitten und Gebräuche in der Linken herrschten …

Nun halte ich ja nicht viel von politischem Party-Policing, deshalb habe ich auf blödes Anmachen der so Geschmückten verzichtet. Verdorben war mir der bis dahin echt schöne Abend leider trotzdem ein bisschen. Ist es denn so schwer zu begreifen, dass es sich bei Hamas und bei den politischen Islamisten vordringlich um antisemitische Mordbanden handelt, die für autoritäre, kleptokratische Herrschaftsmodelle einstehen und absolut nicht das Geringste mit vernünftigen Vorstellungen von einer befreiten Gesellschaft zu tun haben? Das ironische Sahnehäubchen war, dass die Frau mit dem Palästina-Solishirt zu Britney Spears tanzte und dabei mit ihrer Freundin knutschte. Wie schizophren kann man eigentlich sein, sich mit den politischen Kräften zu solidarisieren, die einen wahrscheinlich steinigen würden, wenn sie einen in die Finger kriegten?

Zwei Tage später musste ich dann noch einen dicken Mann am U-Bahnhof sehen, der ein T-Shirt mit dem bekannten runden „Antifaschistische Aktion“-Logo trug. Nur war die rote Fahne vorne durch eine Palästina-Fahne ersetzt, und die Aufschrift lautete: „Antizionistische Aktion“. „Arschloch“, dachte ich mir da nur noch, nicht mehr und nicht weniger. So eine ekelhafte Entstellung kann eigentlich nur noch böser Wille sein, das lässt sich nicht mehr durch Dummheit oder Uninformiertheit entschuldigen.

Aus Verzweiflung lese ich jetzt Matthias Küntzels „Djihad und Judenhaß“, das detailliert die Genese des modernen islamistischen Antizionismus in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts darlegt, sowie dessen enge ideologische Verflechtung mit dem Nationalsozialismus. Die Informationen daraus sollte man manchen Leuten einfach direkt und augenblicklich ins Hirn beamen können. Was wahrscheinlich auch nicht helfen würde, aber immerhin wäre dann klar, das man es wirklich mit böswilligen Antisemiten zu tun hat und nicht nur mit elenden Trotteln.

F***! Dringend! Morgen Lesung!

Mensch, ich Obertrottel, unser Autorenkombinat hält morgen Abend seine zweite Lesung ab, und ich vergesse ausgerechnet auf meinem Blog, Werbung dafür zu machen!
Also: morgen (Freitag der 18. September) Abend, ab 20 Uhr im Gelegenheiten, Weserstr. 50 (da ist offene Bühne, vielleicht kriegt ihr außer uns also sogar noch mehr geboten). Es lesen: Jasper, Simon, Ich, und zusammen sind wir: SCHLOTZEN & KLOBEN!