Archiv für Dezember 2009

Lesung 17. Dezember: Das Ding in der Krippe

Am 17. Dezember um 20 Uhr weihnachtet Schlotzen&Kloben feiervertagt in der Tristeza. Passend zur Jahreszeit wird ganz kurz vor Ladenschluss Klingendes, Dringliches und Besingliches vorgetragen … Lupft das schneeweiße Leichentuch und schaut, was das Rentier mal wieder reingetragen hat!

Sie schläft und hat in verlorenen Welten was zu lachen

Kürzlich traf im Otherland als Kundenbestellung die Storysammlung Lost Worlds von Clark Ashton Smith ein, ein Name, an den ich mich erinnerte, weil es zwei Sammelbände mit seinen Geschichten in der schwarzgebundenen, auf blassgrünem Papier gedruckten phantastischen Bibliothek bei Insel gab, die früher im Regal meines Vaters standen (und jetzt bei mir), die ich aber nie gelesen habe. Außerdem hatte ich mal irgendwo gehört, dass Smith einer von diesen „Weggefährten Lovecrafts“ gewesen sei.
Aus purem Neid habe ich mir das Buch auch bestellt, in der Erwartung, beim Lesen dann wahrscheinlich eh nur auf eben einen solchen „Weggefährten Lovecrafts“ zu stoßen, d.h. auf einen schwächeren Lovecraft.
Glücklicherweise hat sich dann herausgestellt, dass Smith überhaupt kein Lovecraft irgendwelcher Art ist, sondern tatsächlich ein Smith, will sagen: Etwas schlampig, grotesk und derb komisch. Das Fantasy-Schurkenstück „The Tale of Satampra Zeiros“ ist noch recht konventionell, aber „The Door to Saturn“ wird dann schon völlig schräg, auch unkontrolliert, mit einem völlig überhasteten Ende, das nach Termindruck schmeckt, mit brachialen Pointen und einer Spur Satire auf Eugenik und Kolonialismus. Macht Spaß, mehr davon! Als nächstes kommt „The Seven Geases“, eine ganz vortreffliche Leserverarsche mit einem Haufen abstruser uralter Götter (die es übrigens allesamt ins Monsterkompendium des Cthulhu-Rollenspiels geschafft haben. C.A. Smith macht einen Witz, Chaosium macht einen Lexikoneintrag …). Angesiedelt ist das, was ich bisher gelesen habe, in der fiktiven irdischen Vorzeit-Zivilisation der Hyperboräer, es könnte aber auch überall anders spielen, wo Monstergötter in Grotten hausen und wo Kriegsherren und Hohepriester so selbstgefällig und eitel sind, dass es ihnen zu beiden Ohren rauskommt und man es gar nicht abwarten kann, dass der hutzelige kleine Mann mit dem dunklen Wissen es ihnen so richtig besorgt.

Parallel lese ich auch noch einen unordentlichen Roman, nämlich Sie schläft von Dietmar Dath. Der handelt ebenfalls in sehr lustiger Weise vom Grauen, nur vom gegenwärtigen statt vom vorzeitigen. Die Haare, das Hemd und der Lippenstift, Stoff für böse Träume … Und bei dieser Parallellektüre komme ich plötzlich drauf: Jasper schreibt manchmal wie halb Dietmar Dath und halb C.A. Smith.

Vincent Preis 2009

Seit 2007 organisiert Michael Schmidt die Verleihung des Vincent Preis für deutsprachige Horror-Literatur. Das ist ein ziemlicher Kraftakt, wenn man sich so ansieht, was insbesondere im Story-Bereich so alles erscheint. Ich selbst lese nur einen Bruchteil davon, deshalb habe ich bisher nicht beim Vincent abgestimmt und werde das wahrscheinlich auch 2009 nicht tun.
Andererseits bin ich dieses Jahr mit einer Story wählbar, nämlich mit „Eine andere Wildnis“ aus Zwielicht. Und es gibt noch ein paar andere Stories, die ich mit Nachdruck empfehlen mag, z.B. Christian Weis‘ „Im Abgrund“ aus derselben Anthologie, und Simon Weinerts teenangertragische „Wolf an der Leine“ und Maike Hallmanns düsterlyrische „Lilith“, beide aus Gothic – Dark Stories. Vielleicht hat ja wer Lust, noch ein bisschen mehr als das zu lesen und qualifiziert abzustimmen. Bedingung ist lediglich, dass man sich im Horror-Forum anmeldet.