Sie schläft und hat in verlorenen Welten was zu lachen

Kürzlich traf im Otherland als Kundenbestellung die Storysammlung Lost Worlds von Clark Ashton Smith ein, ein Name, an den ich mich erinnerte, weil es zwei Sammelbände mit seinen Geschichten in der schwarzgebundenen, auf blassgrünem Papier gedruckten phantastischen Bibliothek bei Insel gab, die früher im Regal meines Vaters standen (und jetzt bei mir), die ich aber nie gelesen habe. Außerdem hatte ich mal irgendwo gehört, dass Smith einer von diesen „Weggefährten Lovecrafts“ gewesen sei.
Aus purem Neid habe ich mir das Buch auch bestellt, in der Erwartung, beim Lesen dann wahrscheinlich eh nur auf eben einen solchen „Weggefährten Lovecrafts“ zu stoßen, d.h. auf einen schwächeren Lovecraft.
Glücklicherweise hat sich dann herausgestellt, dass Smith überhaupt kein Lovecraft irgendwelcher Art ist, sondern tatsächlich ein Smith, will sagen: Etwas schlampig, grotesk und derb komisch. Das Fantasy-Schurkenstück „The Tale of Satampra Zeiros“ ist noch recht konventionell, aber „The Door to Saturn“ wird dann schon völlig schräg, auch unkontrolliert, mit einem völlig überhasteten Ende, das nach Termindruck schmeckt, mit brachialen Pointen und einer Spur Satire auf Eugenik und Kolonialismus. Macht Spaß, mehr davon! Als nächstes kommt „The Seven Geases“, eine ganz vortreffliche Leserverarsche mit einem Haufen abstruser uralter Götter (die es übrigens allesamt ins Monsterkompendium des Cthulhu-Rollenspiels geschafft haben. C.A. Smith macht einen Witz, Chaosium macht einen Lexikoneintrag …). Angesiedelt ist das, was ich bisher gelesen habe, in der fiktiven irdischen Vorzeit-Zivilisation der Hyperboräer, es könnte aber auch überall anders spielen, wo Monstergötter in Grotten hausen und wo Kriegsherren und Hohepriester so selbstgefällig und eitel sind, dass es ihnen zu beiden Ohren rauskommt und man es gar nicht abwarten kann, dass der hutzelige kleine Mann mit dem dunklen Wissen es ihnen so richtig besorgt.

Parallel lese ich auch noch einen unordentlichen Roman, nämlich Sie schläft von Dietmar Dath. Der handelt ebenfalls in sehr lustiger Weise vom Grauen, nur vom gegenwärtigen statt vom vorzeitigen. Die Haare, das Hemd und der Lippenstift, Stoff für böse Träume … Und bei dieser Parallellektüre komme ich plötzlich drauf: Jasper schreibt manchmal wie halb Dietmar Dath und halb C.A. Smith.


10 Antworten auf “Sie schläft und hat in verlorenen Welten was zu lachen”


  1. 1 Frank Böhmert 13. Dezember 2009 um 14:25 Uhr

    Den C.A. Smith habe ich auch in guter Erinnerung — aus irgendwelchen Terra-Fantasy-Anthologien damals. Ich fand ihn frischer als Lovecraft und lockerer.

  2. 2 Administrator 13. Dezember 2009 um 14:29 Uhr

    Jau, so lässt sich das gut zusammenfassen.
    Und den Dath habe ich jetzt auch durch – ebenfalls sehr erfrischend und locker, herzallerliebst rohmantisch und wehmütig und erfreulich schizophren! Tatsächlich auch sicher ein tolles Dath-Einstiegsbuch, weil es so schön kurz und amüsant ist.

  3. 3 Jasper 13. Dezember 2009 um 15:33 Uhr

    Oh, danke für das schöne Lob!

  4. 4 Administrator 14. Dezember 2009 um 15:41 Uhr

    Kennst du denn was von C.A. Smith? Sonst lies mal „Door to Saturn“, da musste ich viel an Zaggoth denken …

  5. 5 Jasper 15. Dezember 2009 um 10:48 Uhr

    Also, alle Stories von Smith gibt´s hier online, umsonst und legal:

    http://www.eldritchdark.com/

    Wenn das Copyright da offenbar wech is, wär das ja auch mal was für Pandora…

    „Door to Saturn“ ist tatsächlich ein bisschen wie Zagghot, lustig, ich habe das imitiert, ohne es zu kennen. Ich glaube, der Smith-Ton ist durch D&D zu mir gewandert, wo es ja (etwa bei Castle Amberville/Burg Bernstein aus „Genus Loci“) direkte Einflüsse gibt. Wikipedia weiß übrigens, dass bei Festa 2010 eine fünfbändige Gesamtausgabe von Smith rauskommen soll.

    Zur Lovecraft-Parallele: Ja nu, ich finde, Smith nimmt sich nicht so tierisch ernst wie Lovecraft.

  6. 6 Administrator 15. Dezember 2009 um 12:10 Uhr

    Dann übersetzt Festa wahrscheinlich die Gesamtasugabe von Nightshade Books. Sehr löblich, überlege schon immer, ob ich mir die englische kaufe, weil sie sicher sehr hübsch ist … kostet aber leider insgesamt 200$, das ist vielleicht doch ein bisschen viel für einen Autor, der nicht so 100% großartig ist. Na, mal sehen …

  7. 7 Jasper 15. Dezember 2009 um 15:57 Uhr

    Oh ja, 200 Euro ist ein bisschen viel für CA Smith. Ehrlich gesagt finde ich schon die Gesamtausgabe ein bisschen viel- ich glaube fünf Bände davon brauche ich nicht. Eher so ein Taschenbuch – aber die suhrkamp-Bände sind ja sicher auch vergiffen, gell?

  8. 8 ubik 22. Dezember 2009 um 16:26 Uhr

    Off Topic: Ich lass das mal eben hier, weil wir vor ein paar tagen im otherland über Avatar geredet hatten:
    http://acephalous.typepad.com/acephalous/2009/12/avatar-is-a-racist-film.html

    (nur um noch mal nachzutreten)

  9. 9 Administrator 23. Dezember 2009 um 15:41 Uhr

    Danke, das entspricht ganz wunderbar all meinen Vorurteilen über den Film und ist noch dazu gut argumentiert!

    Und, hast du schon in „The Company“ reingelesen? Das hattest du dann doch mitgenommen, oder?

  10. 10 ubik 07. Januar 2010 um 20:31 Uhr

    ups, hab gar nicht mehr hier draufgeschaut, sorry…

    Ich hab zwar reingelesen, aber noch nicht wirklich viel. Ich wollte erst mal mit den malazanischen Büchern weitermachen. (Die übrigens nicht weiterverfolgen werde. Irgendwie müffelts bei Erikson ein bisschen nach homophobie.)

    The Company lässt sich aber ganz gut an, ich werde es wahrscheinlich in der nächsten Woche durchgelesen haben und dann noch mal posten wie ich es fand.

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