Proud to be a Gutmensch

Anubis drüben am See hat einen im Wortsinne vernünftigen, also von vernünftigem und empathischem Denken geleiteten, Kommentar auf die Preußler-Hexen-N-Wort Debatte verfasst, den ich nur unterschreiben kann:

http://hermanstadt.blogspot.de/2013/01/links-des-gutmenschen.html

Die jüngsten Internetdiskussionen über Jakob Augstein und den Thienemann-Verlag, die mehrheitlich aus Geplärre darüber bestehen, was man als Deutscher alles nicht mehr sagen dürfe, weil die faschistische Gutmenschendiktatur einen zwecks moralischen Distinktionsgewinns zensieren wolle, hat für mich zumindest etwas Gutes gehabt: Ich habe gemerkt, dass der Vorwurf, ein Gutmensch zu sein, mir kein bisschen mehr wehtut. Ich bin eigentlich ganz zufrieden damit, dass zu sein, was man so gemeinhin als Gutmensch diffamiert. Also jemand, der Kritik an Rassismus, Antisemitismus und Sexismus ernst nimmt, auch und gerade, wenn sie an unerwarteter Stelle ansetzt. Der sich bewusst ist, dass Diskriminierung und Menschenverachtung sich auch und gerade in Form kleiner Alltagshandlungen fortschreiben. Jemand, der nicht automatisch in Beißhaltung geht, sobald die Kritik sein eigenes Alltagshandeln und -sprechen betrifft.
Damit kann ich mich eigentlich ganz gut identifizieren.


1 Antwort auf “Proud to be a Gutmensch”


  1. 1 Frank Böhmert 29. Januar 2013 um 11:37 Uhr

    „Gutmensch – und stolz darauf!“, hat mein Innerer Übersetzer den Titel gleich eingedeutscht. Wäre ein lustiges T-Shirt.

    Beleidigende Fremdbezeichnungen kurzerhand anzunehmen, finde ich eine gesunde Verhaltensweise; man erspart sich die Windmühlenkämpfe der Projektion.

    Also bin ich Kleinbürger, Spießer, Neoliberaler, was weiß ich.

    In den 1980ern gab’s eine politische Frauengruppe, die nannte sich „Berliner Krüppellesben“. Das fand ich einen coolen Umgang mit Beschimpfungen! Ist mir bis heute ein Vorbild.

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