Dirk Röse, Mondpräsidentin

Kürzlich habe ich diese kleine Novelle von Dirk Röse gelesen, der mir als Autor noch aus dem Hinterland in guter Erinnerung ist. Es geht um eine verranzte Mondkolonie, die eigentlich nur das Sprungbrett zum Mars ist, deren Verwalter aber den Wunsch hat, das Leben dort lebenswert zu machen. Kurzerhand wird die behutsame wirtschaftliche Abnabelung von der Erde beschlossen, und so betritt nicht nur die bald gewählte (na ja, installierte) Mondpräsidentin Isi Damm die Bildfläche, sondern auch Trend Mess, der sie still und bescheiden liebt – und der die Interessen der Raumfahrtbehörde zunehmend gegen Isi vertreten muss …

Dirk Röse erfindet die alte SF-Geschichte von der eigene Wege gehenden SF-Kolonie zwar nicht neu (Heinlein und Robinson winken durch die Raumschiffbullaugen), aber er erzählt sie zur Abwechslung als Liebesgeschichte mit durchweg sympathischen Figuren; die haben alle ihre kleinen Nöte, Ticks und Eitelkeiten, machen aber kein überlebensgroßes Gewese darum, sondern gehen tatsächlich wie vernünftige, erwachsene Menschen damit um (was in Geschichten über die Liebe ja eher selten vorkommt). Das gibt dem politischen Konflikt emotionales Gewicht, ohne ihn an den Rand zu drängen. Toller Kunstgriff, gut umgesetzt!
Was mich sogar noch mehr gefreut hat, ist, wie sprachlich klar und gut diese Erzählung ist. Die einzige andere Geschichte, die ich bisher von Röse kannte, fand ich etwas verschwurbelt, das hier ist einfach schön und mit Feingefühl erzählt.


3 Antworten auf “Dirk Röse, Mondpräsidentin”


  1. 1 Frank Böhmert 30. Januar 2013 um 9:48 Uhr

    Wow, klingt das gut! Was ist denn gerade los in der deutschen SF? Soviel Talent und gutes Handwerk war nie, oder?

  2. 2 Administrator 30. Januar 2013 um 10:59 Uhr

    Jau, den Eindruck habe ich auch. Ich schiebe das auf meine gegenwärtige positive Grundhaltung beim Lesen, aber vielleicht ist es auch eine ganz reale Entwicklung? Das wäre ja noch wunderbarer …

    Als nächster deutschsprachiger SF-Autor ist bei mir Matthias Falke dran, der scheint stilistisch jedenfalls eigenwillig zu sein. Wieder einmal einer der Fälle, in denen eine negative Rezension für mich den Ausschlag gegeben hat, es mal mit einem Autor zu versuchen.

  3. 3 Karla 30. Januar 2013 um 12:04 Uhr

    Mir hat die „Mondpräsidentin“ auch gut gefallen. :-)

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