… ist ein Text zur Körperpolitik in James Camerons (leider viel zu kurzlebigen) Fernsehserie Dark Angel. Erschienen in der Berliner Debatte Initial in der 1. Ausgabe 2005, deren Inhaltsverzeichnis ihr unter letzterem Link findet. Man kann den Artikel sogar für 3 Euro einzeln als pdf bestellen.

So geht’s los:

Besorg dir ein Leben!
Körperpolitik und Subjektkonstruktion von Cyborgs in der Fernsehserie Dark Angel

1984 hat die Feministin und Biologin Donna Haraway mit ihrem „Manifest für Cyborgs“ die Themen der Science Fiction aufgegriffen, um neue Möglichkeiten feministischer Politik aufzuzeigen. Haraway schlägt vor, die Grenzverschiebungen und Durchdringungen, die ein postmodernes Verständnis von Körpern und Technologien mit sich bringt, als Potential neuer Subjektivitäten jenseits der Identitätslogik zu sehen. „Dieser Essay ist ein Plädoyer dafür, die Verwischung dieser Grenzen zu genießen und Verantwortung bei ihrer Konstruktion zu übernehmen.“ Als eine „Figur“ dieser Politik sieht sie die „Cyborg“. Die Verschmelzung von Organismus und Technologie ist für Haraway nicht allein Sache der SF, sondern der Zustand, in dem sich das Subjekt ohnehin befindet – und den sie emanzipatorisch nutzbar machen will. Für Haraway ist damit die Frage nach der gesellschaftlichen Beschaffenheit des Körpers politisch und birgt utopisches Potential: Cyborgs können unser Verständnis vom Mensch-Sein, dass auf den hierarchisierten Dichotomien Mann/Frau, Kultur/Natur, Weiß/Nichtweiß aufbaut, untergraben. Sie machen die Konstruiertheit des Körpers erkennbar, ebenso die Möglichkeit, sich gesellschaftlichen Zuschreibungen zu entziehen. Haraways Manifest ist eine „posthumane“ Vision, die eine ironische Distanz zum technologischen Machbarkeitsfetisch einhält.
In der zeitgenössischen Populärkultur wird durch die augenfällige „Konstruktion“ von Körpern ebenfalls die Frage aufgeworfen, welche Attribute für eine gültige Definition des Mensch-Seins wesentlich sind und welche verändert oder ausgetauscht werden dürfen – sei es bei Schönheits-Operationen im Reality-TV oder eben in SF-Serien und -Filmen. Wenn wir diese Frage ernstnehmen, müssen wir hinter sie zurückgehen und uns damit beschäftigen, welche Attribute aus welchen Gründen als „menschlich“ gelten. Die neoliberalen Anforderungen an die Individuen, sich mittels Körperpolitiken ein flexibles, attraktives Selbst zu konstruieren, liegen dabei oft im Widerstreit mit traditionellen Eckpunkten, die das moderne, menschliche Selbst konstituieren: beispielsweise eine eindeutige sexuelle Identität oder familiäre Bindungen. Das entstehende Spannungsfeld wird in verschiedensten Erzählgenres symbolisch am individuellen Körper ausgehandelt. Mediale Repräsentationen nehmen Körperpolitiken auf und regen neue an, so dass wir es mit einer ständigen Rückkopplung zu tun haben, in der die beiden Pole sich nicht scharf voneinander abgrenzen lassen. Da „der Körper“ als materielles Phänomen und unser Verständnis vom Körper sich nicht letztgültig trennen lassen, bedeutet eine Veränderung des Körperverständnisses in der Praxis eine nicht unerhebliche Veränderung des menschlichen Körpers. Die Diskurse über Körpertechnologien und -politiken (mehr als die unmittelbaren physischen Veränderungen der Körper) liefern den Hintergrund für meine Fragestellung: welches Spannungsfeld zwischen Ermächtigung und Abhängigkeit kommt durch die diskursive Politisierung des individuellen Körpers zustande? Welche neuen Zwänge und Zuständigkeiten werden uns durch postmoderne Körperpolitiken auferlegt? Und welche alten Körperkonzepte schreiben sie unter neuen Vorzeichen wieder ein?