Archiv der Kategorie 'Minima Spitalia'

Runterkommen

Schwierig wird es, wenn man sich dauernd darüber aufregt, dass man sich aufregt … Vielleicht sollte ich mit Schachspielen oder so was anfangen, wo es tatsächlich sinnvoll ist, drei bis vier Züge im voraus zu planen.

Meine Schlussfolgerung: Am schlimmsten stressen die Sachen, die man beeinflussen aber nicht kontrollieren kann. Dazu zählen: Gesundheit, potentielle Rechtsstreitigkeiten, Autofahrten, Auftragslage, Zeit, Geld. Nicht dazu zählen: Konzerflügel, die einem auf den Kopf fallen, Inflation, Flugreisen, Weltlage, Tod, Steuern. Und Waldbrände in Russland. Deshalb muss ich mir über erstere Reihung unnötig den Kopf zerbrechen und darf über letztere Philosophenwitze machen.

Deutschland verliert gegen Serbien:

Das ist ja wohl mal endgeil!!!

Dazu ein Dialog, gerade im Schwimmbad beim umkleiden:

„Papa, ich muss aber in die andere Umkleide!“
„Nein, musst du nicht, hier ist heute eh keiner, die sind alle Zuhause vorm Fernseher.“
„Papa, ist heute Weihnachten?“
„Nee, Fußball.“

Okkulte Gerätschaften

Mit viel Hilfe kluger Forenspezialisten ist es mir endlich gelungen, auf meiner alten Laptopmöhre nach ihrem Zusammenbruch unter der gesammelten Last wild wuchernder Windows-Updates Ubuntu zu installieren. Der letzte, drei Tage währende Schritt bestand darin, die WLAN-Karte zum Laufen zu bringen, damit ich ins Internet konnte. Die Lösung bestand schließlich in einer Geheimformel, die man mir auf elektronischem Weg zuraunte:

sudo cp Broadcom_Firmware.tar.gz /lib/firmware
cd /lib/firmware
sudo tar xvf /lib/firmware/Broadcom_Firmware.tar.gz
sudo rm Broadcom_Firmware.tar.gz
cd

Man muss sich da noch ein paar Ausrufezeichen zwischendurch und ein „Iäh! Iäh! Cthulhu Ftaghn!“ ans Ende denken, und dann wird einem klar, was Adorno mit der zweiten Natur meint und was das wiederum mit Lovecraft zu tun hat …

Faith no more sind sehr weise

„It’s always funny until someone gets hurt, and then it’s just hilarious!“
(„Ricochet“ vom Album „King for a Day, Fool for a Lifetime“)

Hintergründe und Machenschaften

Classless Kulla, seines Zeichens führender Entschwörungstheoretiker, hat nun die endgültige Aufdeckung der Hintergründe und Machenschaften aufgetan. Also: aller Hintergründe und Machenschaften. Wirklich aller. Erschreckend, erschütternd, empörend und doch eigentlich so offensichtlich. Seht, hört, begreift!

Spaßbefehl

Vorgestern kam der Spaßbefehl.
Ich versuche, mein Leben normal weiterzuleben, aber jedesmal, wenn ich die Trommeln höre, pocht mir das Herz bis zum Hals. Während ich mich zwischen palmbewedelten Ständen durchschleiche und Kokosnüssen mit Strohhalmen ausweiche, die in meine Richtung gestreckt werden, habe ich das Gefühl, dass das Wort „Deserteur“ mir auf die Stirn tätowiert ist. Einige schauen mich mit der besonderen Feindseligkeit an, die Feinden in den eigenen Reihen vorbehalten ist.
Zur Arbeit muss man ja, selbst wenn sie im Karnevalsgebiet ist. Dort geht es erstaunlich glimpflich ab, Querschläger und Festivitanten höre und sehe ich nur aus der Ferne, fast, als fände dieser ganze Irrsinn irgendwo in einem anderen Land statt, nur in den Nachrichten. Dann werde ich auf dem Heimweg von einem Regengewitter überrascht und sehe die tanzenden Repräsentanten mehr oder weniger imaginärer Weltkulturen, die sich krakeelend im Wasserbad härten. Ich renne.
Zuhause frage ich mich, ob der alte Reaktionär Huntington sich darüber amüsiert hätte, wie die Realität seine Brühe vom „Kampf der Kulturen“ als „Karneval der Kulturen“ in einem Abwasch auftischt und abserviert. Ich finde es jedenfalls nicht besonders lustig.

Früher einmal bot mir zumindest der Alkohol Trost, doch seit man ihn zur Waffe im Karnevalstreiben gemacht hat, ist auch der mir verleidet. Ohnehin sollte ich besser nüchtern bleiben. Ich muss alle meine Sinne beisammen haben, wenn ich heute Abend wieder da raus gehe …

Werbung und Aphorismen

Ok, ich mache wirklich ungern Werbung für Amazon, aber auf dieses Angebot bei Amazon UK muss ich schon mal hinweisen:

BtVS 1-7 für läppisch Kohle

Und aus diesem freudigen Anlass eine kleine Weisheit des Tages:

I walk. I talk. I shop. I sneeze. I‘m gonna be a fireman when the floods roll back. There’s trees in the desert since you moved out, and I don‘t sleep on a bed of bones. Now give me back my friends.

ad hominem

Weh ach, es ist mir nicht gegeben, diszipliniert zu disputieren! Am Anfang ist eitle Gewissheit des besseren Arguments (meinerseits), im Mittelteil folgt eifrige Überzeugungsarbeit ungewissen Ausgangs, und am Ende nurmehr verebbender Eifer, denn all unser Streben ist eitel (insbesondere das, andere so klug zu machen, wie man selbst sich wähnt)!
Und so erhebt wieder und wieder die Frage ihr graus‘ Haupt: „Warum kapiert der das nicht, verkackfickdreckt noch mal?“, und so begibt sich unser Held (der niemand größerer ist als ich) auf den dunklen Kontinent der Psychologisierung und stürzt ins Herz der diskursiven Finsternis. Dort rollt er sich in geistig‘ Fieberkrämpfen und fragt: „Ist’s dein Hass auf einstige Mentoren, der dich an diesen Punkt getrieben? Willst du die Brücken brechen (sieben müssen’s sein)? Erträgst du’s nicht, dass deine einst‘ge GUT der Fliege Flug nicht zu berechnen mag? Musst du sie drum mit Haut und Haar ersäufen (die GUT jetzt, nicht die Fliege)?“ Das Fieber steigt in Kopf und Glieder, und bald reißt unser Held sich die Kleider vom Leib, spitzt den Speer und tanzt zu den Trommeln des Urtriebs: „Deine Mutter war’s, dein Vater, die es mit irgendwas übertrieben, oder es gar unterließen! Das Spiegelstadium hat dir übel mitgespielt! Bei deinem Objektbezug kam das Subjekt nicht zum Zug!“
Und während ich mir noch mit Blut die Zeichen ins Gesicht male, triumphiert der Gegner schon: „ad hominem, du hast verlor‘n!“ und da steh ich nun peinlich berührt in meiner Fellunterwäsche. Doch frag ich mich, wie soll ich mich nicht fragen: aus welchen unbewussten Quellen springt die Renitenz? Die Freud-Lektüre kommt da wohl zum Tragen.
Was aber nicht heißt, dass ich nicht Recht habe!

ohohoh … weh!

Weil mir gerade aus streng geheimen Gründen danach ist, präsentiere ich:

Tocotronic
Kapitulation

Und wenn Du kurz davor bist,
kurz vor dem Fall,
und wenn Du denkst,
„Fuck it all!“
Und wenn Du nicht weißt,
wie soll es weitergehen

Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
ohohoh
ohohoh

Und wenn Du denkst,
Alles ist zum Speien!
Und so wie Du jetzt bist
willst Du überhaupt nicht sein.
Wenn Du Dir sicher bist,
niemand kann Dich je verstehen

Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
ohohoh
ohohoh

Und wenn Du traurig bist
und einsam und allein,
wenn die Welt im Schlaf versunken ist,
Du wirst es nie bereuen.
Wenn Du denkst, Fuck it all,
wie soll es weitergehen?

Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
ohohoh
ohohoh

Die Vögel im Baum,
sie kapitulieren!
Die Füchse im Bau,
sie kapitulieren!

Die Wölfe im Gehege,
sie kapitulieren!
Die Stars in der Manege,
sie kapitulieren!

Alle, die die Liebe suchen,
sie müssen kapitulieren!
Alle, die die Liebe finden,
sie müssen kapitulieren!

Alle, die disziplinieren,
sie müssen kapitulieren!
Alle, die uns kontrollieren,
sie müssen kapitulieren!

Alle, die uns deprimieren,
sie müssen kapitulieren!
Lasst uns an alle appellieren!
Wir müssen kapitulieren!

Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
ohohoh
ohohoh

Überwintern, hochschrecken und erleichtert weiterschlafen

Gegenwart:
Schmachvolle Erleichterung ergriff mich heute morgen, als ich in der Zeitung las, dass der US-Kongress jetzt doch 700 Milliarden zur Sanierung der Finanzmärkte und Rettung der Welt vor dem ansonsten – so munkelt man – ziemlich garantierten Absturz ins totale Chaos lockermacht. Ein Glück, dann kann ja hoffentlich alles mehr oder weniger beim Alten bleiben.

Flashback:
„Bei uns überwintert die radikale Perspektive.“
So oder so ähnlich hieß das anno dazumal, das war die halböffentliche Linie und Begründung dafür, dass man sich ordentlich militant und bewegungsfetischistisch gebärdet, obwohl allen klar ist, dass man auf der Kampf-um-die-Macht-Ebene eh nix reißen kann. Überwintern muss sie nämlich, die Perspektive, bis die revolutionäre Situation eingetreten ist, das ist so eine Frage des Dingsda, historischen Materialismus und der weltweiten Krisenzyklen und der aktuellen Stimmungslage von denen da unten gegenüber denen da oben. Jedenfalls: Wenn die Massen dann mal revolutionär werden, muss es ja wen geben, der ihnen nicht nur erklärt, dass sie den Kapitalismus abschaffen müssen, sondern auch, wie man Barris baut, Bullensperren durchbricht und Transpischablonen für Overheadprojektoren anfertigt. Das will geübt sein, da braucht es quasi eine Transpischablonenoverheadprojektorenavantgarde. Und die sind wir. Wenn also die finale Verwertungskrise eintritt und es mal wieder heißt: Sozialismus oder Barbarei, denn der Preis ist heiß und die Schweine sind bald schon Schinken, dann werden wir gebraucht, den die Revolution erledigt sich ja nicht von selbst, also nicht so ganz, zumindest.

Wegenwart?
Läuft doch alles ganz gut gerade. Geld verdien‘ ich halbwegs genug, da muss jetzt gerade echt nicht die lauwarmersehnte revolutionäre Situation kommen. Und wenn jetzt gleich die Arbeiter- oder Prekarisiertenklasse vor meiner Tür steht, rufe ich dann die ganzen Genossen von ehedem an und mache Plenum? Oder drücke ich ihnen einfach den Ordner mit den alten Antifa-Jugenzeitschriften und eine Overheadprojektortranspimalschablone in die gereckte Faust?
Ein Glück, das mit den 700 Milliarden Euro …

Bashflack!
Die Stadtguerilla lag da natürlich falsch, man kann den Weltgeist ja nicht zwingen. Der muss sich schon von alleine regen, und dann springt man auf den fahrenden Zug auf und steigt ins Führerhäuschen, nein, so kann man das natürlich nicht sagen, Führer gibts bei uns nicht, nur Anstoßgeber und Radikalsierer. Alle müssen ihre eigenen Erfahrungen machen in den Situationen, in die wir sie ganz behutsam an-stoßen, und werden dann schon unsere Schlüsse ziehen … Und dann zieht Vernunft und Wohlstand ein ins Haus der Welt, weil alles für alle (und zwar umsonst) erhältlich ist.

Gegenwert
Und wer bringt dann den Müll weg, wenn keine 700 Milliarden Dollar da sind, um die Banken zu retten, die bekanntlich den Kapitalismus am zirkulieren halten, der vielleicht nicht aus Prinzip, aber zumindest irgendwie dann doch die Müllmänner und -frauen bezahlt? Ich weiß, das ist ein Argument für Eltern und Jungunionisten, aber ein bisschen plagt’s mich doch, dass ich gar nicht weiß, wie ich dann diese Dreckssachen organisieren soll, wenn die Massen mich so ganz konkret fragen. Was, wenn dann irgendein evangelisch-lutherischer Warlord kommt, der das besser in den Griff kriegt? Überhaupt ist ja alles so schrecklich unübersichtlich, was machen denn die Massen in anderen Erdteilen, wenn da keine Overheadprojektortranspischablonenavantgarde zur Verfügung steht? Am Ende Kleinstaaterei, Diktatur, noch mehr Kapitalismus. Kann doch auch nicht gesund sein.

Synkrase:
Ja, so heult er, der Kleinbürger, wenn ihm im Zuge der finalen Verwertungskrise die Ökotechnologie-Fondrente wegschwimmt. Da kann man nix machen, das ist halt eine Frage des Klassenstandpunkts. Aber nicht verzagen: Bis 20 000 Euro sind unsere Einlagen staatlich garantiert oder so. Hach, der Staat, der Feind in meinem Bett! Was will ich mehr als ein Girokonto und Hartz IV in meinem Rücken! Was ich jedenfalls im Moment nicht wirklich will, ist den Wind of Change mitten in die Fresse.