Archiv der Kategorie 'Minima Spitalia'

Proud to be a Gutmensch

Anubis drüben am See hat einen im Wortsinne vernünftigen, also von vernünftigem und empathischem Denken geleiteten, Kommentar auf die Preußler-Hexen-N-Wort Debatte verfasst, den ich nur unterschreiben kann:

http://hermanstadt.blogspot.de/2013/01/links-des-gutmenschen.html

Die jüngsten Internetdiskussionen über Jakob Augstein und den Thienemann-Verlag, die mehrheitlich aus Geplärre darüber bestehen, was man als Deutscher alles nicht mehr sagen dürfe, weil die faschistische Gutmenschendiktatur einen zwecks moralischen Distinktionsgewinns zensieren wolle, hat für mich zumindest etwas Gutes gehabt: Ich habe gemerkt, dass der Vorwurf, ein Gutmensch zu sein, mir kein bisschen mehr wehtut. Ich bin eigentlich ganz zufrieden damit, dass zu sein, was man so gemeinhin als Gutmensch diffamiert. Also jemand, der Kritik an Rassismus, Antisemitismus und Sexismus ernst nimmt, auch und gerade, wenn sie an unerwarteter Stelle ansetzt. Der sich bewusst ist, dass Diskriminierung und Menschenverachtung sich auch und gerade in Form kleiner Alltagshandlungen fortschreiben. Jemand, der nicht automatisch in Beißhaltung geht, sobald die Kritik sein eigenes Alltagshandeln und -sprechen betrifft.
Damit kann ich mich eigentlich ganz gut identifizieren.

Runterkommen

Schwierig wird es, wenn man sich dauernd darüber aufregt, dass man sich aufregt … Vielleicht sollte ich mit Schachspielen oder so was anfangen, wo es tatsächlich sinnvoll ist, drei bis vier Züge im voraus zu planen.

Meine Schlussfolgerung: Am schlimmsten stressen die Sachen, die man beeinflussen aber nicht kontrollieren kann. Dazu zählen: Gesundheit, potentielle Rechtsstreitigkeiten, Autofahrten, Auftragslage, Zeit, Geld. Nicht dazu zählen: Konzerflügel, die einem auf den Kopf fallen, Inflation, Flugreisen, Weltlage, Tod, Steuern. Und Waldbrände in Russland. Deshalb muss ich mir über erstere Reihung unnötig den Kopf zerbrechen und darf über letztere Philosophenwitze machen.

Deutschland verliert gegen Serbien:

Das ist ja wohl mal endgeil!!!

Dazu ein Dialog, gerade im Schwimmbad beim umkleiden:

„Papa, ich muss aber in die andere Umkleide!“
„Nein, musst du nicht, hier ist heute eh keiner, die sind alle Zuhause vorm Fernseher.“
„Papa, ist heute Weihnachten?“
„Nee, Fußball.“

Okkulte Gerätschaften

Mit viel Hilfe kluger Forenspezialisten ist es mir endlich gelungen, auf meiner alten Laptopmöhre nach ihrem Zusammenbruch unter der gesammelten Last wild wuchernder Windows-Updates Ubuntu zu installieren. Der letzte, drei Tage währende Schritt bestand darin, die WLAN-Karte zum Laufen zu bringen, damit ich ins Internet konnte. Die Lösung bestand schließlich in einer Geheimformel, die man mir auf elektronischem Weg zuraunte:

sudo cp Broadcom_Firmware.tar.gz /lib/firmware
cd /lib/firmware
sudo tar xvf /lib/firmware/Broadcom_Firmware.tar.gz
sudo rm Broadcom_Firmware.tar.gz
cd

Man muss sich da noch ein paar Ausrufezeichen zwischendurch und ein „Iäh! Iäh! Cthulhu Ftaghn!“ ans Ende denken, und dann wird einem klar, was Adorno mit der zweiten Natur meint und was das wiederum mit Lovecraft zu tun hat …

Faith no more sind sehr weise

„It’s always funny until someone gets hurt, and then it’s just hilarious!“
(„Ricochet“ vom Album „King for a Day, Fool for a Lifetime“)

Hintergründe und Machenschaften

Classless Kulla, seines Zeichens führender Entschwörungstheoretiker, hat nun die endgültige Aufdeckung der Hintergründe und Machenschaften aufgetan. Also: aller Hintergründe und Machenschaften. Wirklich aller. Erschreckend, erschütternd, empörend und doch eigentlich so offensichtlich. Seht, hört, begreift!

Spaßbefehl

Vorgestern kam der Spaßbefehl.
Ich versuche, mein Leben normal weiterzuleben, aber jedesmal, wenn ich die Trommeln höre, pocht mir das Herz bis zum Hals. Während ich mich zwischen palmbewedelten Ständen durchschleiche und Kokosnüssen mit Strohhalmen ausweiche, die in meine Richtung gestreckt werden, habe ich das Gefühl, dass das Wort „Deserteur“ mir auf die Stirn tätowiert ist. Einige schauen mich mit der besonderen Feindseligkeit an, die Feinden in den eigenen Reihen vorbehalten ist.
Zur Arbeit muss man ja, selbst wenn sie im Karnevalsgebiet ist. Dort geht es erstaunlich glimpflich ab, Querschläger und Festivitanten höre und sehe ich nur aus der Ferne, fast, als fände dieser ganze Irrsinn irgendwo in einem anderen Land statt, nur in den Nachrichten. Dann werde ich auf dem Heimweg von einem Regengewitter überrascht und sehe die tanzenden Repräsentanten mehr oder weniger imaginärer Weltkulturen, die sich krakeelend im Wasserbad härten. Ich renne.
Zuhause frage ich mich, ob der alte Reaktionär Huntington sich darüber amüsiert hätte, wie die Realität seine Brühe vom „Kampf der Kulturen“ als „Karneval der Kulturen“ in einem Abwasch auftischt und abserviert. Ich finde es jedenfalls nicht besonders lustig.

Früher einmal bot mir zumindest der Alkohol Trost, doch seit man ihn zur Waffe im Karnevalstreiben gemacht hat, ist auch der mir verleidet. Ohnehin sollte ich besser nüchtern bleiben. Ich muss alle meine Sinne beisammen haben, wenn ich heute Abend wieder da raus gehe …

Werbung und Aphorismen

Ok, ich mache wirklich ungern Werbung für Amazon, aber auf dieses Angebot bei Amazon UK muss ich schon mal hinweisen:

BtVS 1-7 für läppisch Kohle

Und aus diesem freudigen Anlass eine kleine Weisheit des Tages:

I walk. I talk. I shop. I sneeze. I‘m gonna be a fireman when the floods roll back. There’s trees in the desert since you moved out, and I don‘t sleep on a bed of bones. Now give me back my friends.

ad hominem

Weh ach, es ist mir nicht gegeben, diszipliniert zu disputieren! Am Anfang ist eitle Gewissheit des besseren Arguments (meinerseits), im Mittelteil folgt eifrige Überzeugungsarbeit ungewissen Ausgangs, und am Ende nurmehr verebbender Eifer, denn all unser Streben ist eitel (insbesondere das, andere so klug zu machen, wie man selbst sich wähnt)!
Und so erhebt wieder und wieder die Frage ihr graus‘ Haupt: „Warum kapiert der das nicht, verkackfickdreckt noch mal?“, und so begibt sich unser Held (der niemand größerer ist als ich) auf den dunklen Kontinent der Psychologisierung und stürzt ins Herz der diskursiven Finsternis. Dort rollt er sich in geistig‘ Fieberkrämpfen und fragt: „Ist’s dein Hass auf einstige Mentoren, der dich an diesen Punkt getrieben? Willst du die Brücken brechen (sieben müssen’s sein)? Erträgst du’s nicht, dass deine einst‘ge GUT der Fliege Flug nicht zu berechnen mag? Musst du sie drum mit Haut und Haar ersäufen (die GUT jetzt, nicht die Fliege)?“ Das Fieber steigt in Kopf und Glieder, und bald reißt unser Held sich die Kleider vom Leib, spitzt den Speer und tanzt zu den Trommeln des Urtriebs: „Deine Mutter war’s, dein Vater, die es mit irgendwas übertrieben, oder es gar unterließen! Das Spiegelstadium hat dir übel mitgespielt! Bei deinem Objektbezug kam das Subjekt nicht zum Zug!“
Und während ich mir noch mit Blut die Zeichen ins Gesicht male, triumphiert der Gegner schon: „ad hominem, du hast verlor‘n!“ und da steh ich nun peinlich berührt in meiner Fellunterwäsche. Doch frag ich mich, wie soll ich mich nicht fragen: aus welchen unbewussten Quellen springt die Renitenz? Die Freud-Lektüre kommt da wohl zum Tragen.
Was aber nicht heißt, dass ich nicht Recht habe!

ohohoh … weh!

Weil mir gerade aus streng geheimen Gründen danach ist, präsentiere ich:

Tocotronic
Kapitulation

Und wenn Du kurz davor bist,
kurz vor dem Fall,
und wenn Du denkst,
„Fuck it all!“
Und wenn Du nicht weißt,
wie soll es weitergehen

Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
ohohoh
ohohoh

Und wenn Du denkst,
Alles ist zum Speien!
Und so wie Du jetzt bist
willst Du überhaupt nicht sein.
Wenn Du Dir sicher bist,
niemand kann Dich je verstehen

Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
ohohoh
ohohoh

Und wenn Du traurig bist
und einsam und allein,
wenn die Welt im Schlaf versunken ist,
Du wirst es nie bereuen.
Wenn Du denkst, Fuck it all,
wie soll es weitergehen?

Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
ohohoh
ohohoh

Die Vögel im Baum,
sie kapitulieren!
Die Füchse im Bau,
sie kapitulieren!

Die Wölfe im Gehege,
sie kapitulieren!
Die Stars in der Manege,
sie kapitulieren!

Alle, die die Liebe suchen,
sie müssen kapitulieren!
Alle, die die Liebe finden,
sie müssen kapitulieren!

Alle, die disziplinieren,
sie müssen kapitulieren!
Alle, die uns kontrollieren,
sie müssen kapitulieren!

Alle, die uns deprimieren,
sie müssen kapitulieren!
Lasst uns an alle appellieren!
Wir müssen kapitulieren!

Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
Kapitulation ohohoh
ohohoh
ohohoh