Archiv der Kategorie 'Publikator'

SF-Dinosaurier liest nichts Böses

… und zwar hier.

(Und ja, ich schreibe auf meinem Blog mal wieder nur, das andere etwas schreiben, aber immerhin über von mir Geschriebenes!)

KLP-Nominierung und Interview in CthulhuLibria

Zwei Kurzmeldungen: Zum einen ist meine Übersetzung von Kim Stanley Robinsons Roman 2312 für den Kurd-Laßwitz-Preis nominiert. Ich harre gespannt der Entscheidung, insbesondere, weil mit Hannes Riffels Übersetzung von Jo Waltons In einer anderen Welt eine mindestens ebenso anspruchsvolle und ganz wunderschön gelungene Übersetzung nominiert ist.

Schon vor ein paar Wochen ist die Ausgabe 61 des Online-Magazins CthulhuLibria (PDF-Download hier) erschienen, die ein sehr ausführliches Interview mit mir enthält, in dem es vor allem ums Schreiben und dem Zusammenhang meiner Geschichten mit meiner politischen Biographie, um verschiedenen Phantastikbegriffe und um unseren Verlag das Beben geht. Dort wird auch mein Storyband Nichts Böses sehr lobend rezensiert.

Lektoriert und erschienen: ein totes im see‘bolo

Gecko Neumckes soeben in unserem Verlag das Beben erschienene Buch ein totes im see‘bolo war von allen Manuskripten, die uns Ende letzten Jahres hereingeflattert sind, sicher das überraschendste. Erst mal sperrig – hä, warum ist da alles klein geschrieben? Was sind das für komische Zwei-Silben-Wortbestandteile in schuh‘bolo, oldie‘gana, cono‘rüben, chip’sibi? Warum wimmelt es von lauter „Es‘“ statt „Ers“ und „Sies“? Da schwant einem Politisches …
Beim Weiterlesen wurde alles ganz schnell nicht absolut klar, aber doch irgendwie nachvollziehbar. Ich konnte mir einen groben Reim auf die sprachlichen Eigenwilligkeiten machen, begriff, wie die Protagonisten drauf sind und habe langsam angefangen, mich nicht nur ein bisschen zu amüsieren, sondern richtig breit über dieses Buch zu grinsen. Gnihihi, dachte ich mir, da lebt die Hauptfigur im schönsten Anarchokommunismus, und was denkt sie sich? Zum Beispiel das:

in den alten zeiten wär ich einfach müllmensch gewesen und gut, acht stunden keulen, dann feierabend. jetzt war der müll mein notwendiges viertel, und dann kam noch dieser quatsch mit dem repro und der politik und dem freien für mich. danke, santa frigga. keine ahnung, warum ich schon wieder so ne scheißlaune hatte

Oder: Gnihihi, diese knörzigen Altautonomen, die zwei Generationen später noch immer von der Niederringung des Kapitalismus rumpoltern wie irgendwelche Weltkriegsveteranen, die kenn ich doch auch. Und das mit der aufgehobenen Zweigeschlichtlichkeit war zur Abwechslung richtig schön locker und beiläufig erzählt. Vor allem aber hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass es richtig Spaß machen würde, in so einer gut organisierten, aber leicht verpeilten befreiten Gesellschaft irgendwo zwischen William Morris und Elektrifizierung zu leben. Und den Spaß hatte ich auch beim Lesen. Wo gibt’s denn bitte so was, eine Utopie, in der das Leben nicht langweilig ist? In der Kinder ziemlich oft nerven, lästige Pflichten nur unter Maulen erledigt werden und plötzlich so aufschreckende und aufregende Dinge passieren wie ein Mord?

Irgendwann am Ende habe ich auch kapiert, dass die ganzen komischen Begriffe und die politische Organisation der geschilderten Gesellschaft maßgeblich auf dem Buch bolo‘bolo des ziemlich seltsamen Schweizer Autors P.M. beruht. Von P.M. hatte ich irgendwann mal Weltgeist Superstar gelesen und erinnere mich dunkel, dass ich zum Teil belustigt und zum Teil aus weltanschaulichen Gründen sehr verärgert darüber war. Zum P.M.-Fan hat es jedenfalls nicht gemacht, deshalb habe ich auch nie bolo‘bolo gelesen, obwohl das Buch so eine Art Bibel meiner Wagenplatz-FreundInnen war. Trotz dieser Bildungslücke habe ich ein totes im see‘bolo uneingeschränkt genossen und wollte es hinterher gleich noch einmal lesen.

Da traf es sich ganz gut, dass es sich um ein bei uns eingesandtes Manuskript handelte, das noch dazu dem ganzen Verlagsteam gefiel. Ich meldete mich also flugs freiwillig als Lektor und habe mich an den zweiten und dritten Lesedurchgang gemacht. Und zusammen mit Gecko natürlich noch ein bischen am Text rumgeschraubt, ihm hier eine Stelle ausgeredet und ihm da noch ein paar Absätze mehr abgeschwatzt. Dabei habe ich mal wieder gemerkt, dass ich gerne viel öfter Texte lektorieren möchte, weil das eine enorm interessante Art ist, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Es geht dabei ja nicht nur darum, hier und da eine schönere Formulierung zu finden. Man muss sich immer fragen: Was ist das für ein Text, wie klingt der, was tut der, was gehört da rein und was sind Sachen, die da eigentlich nicht reingehören, dem Autor aber reingerutscht sind? Und gibt es darin Formulierungen, die nicht schöngemacht werden sollten, die hässlich sein müssen oder die man sogar noch hässlicher machen muss?

Die Lektoratserfahrung mit ein totes im see‘bolo war bisher meine angenehmste und befriedigendste – sicher auch, weil ich mir viele Gedanken über den Text machen konnte, ohne dem Autor letztlich mit besonders viel Änderungen aufwarten zu müssen. Das Meiste stimmte schon so, in aller Verschrobenheit, mit den Kleinbuchstaben, den komischen Zweisilbern, dem Plauderton der Figuren, den kleinen lieben und den kleinen makaberen Witzen … es ist einfach ein ganz tolles Buch, und ich wünsche mir natürlich, dass ganz viele Leute es lesen!

Hier geht’s zur Buch-Webseite und zur Leseprobe.

Ein Interview …

mit mir, in erster Linie zu meinem Storyband, gibt es hier.

Erste Rezensionen zu „Nichts Böses“

… sind erschienen.

Auf fantasyguide urteilt Ralf Steinberg:

»Nichts Böses« ist schaurige Phantastik, die man mit einem breiten Grinsen liest.

Und Klaus N. Frick macht mich fast verlegen mit den Worten:

Wer unbedingt einen Vergleich möchte, darf gerne Ray Bradbury bemühen: Wie der Altmeister der phantastischen Literatur lässt auch Schmidt gern zu, dass sich Realität und Phantastik vermischen. Das macht er so geschickt, dass man manche Geschichten gleich ein zweites Mal lesen möchte.

Schlotzen & Kloben gibt es immer noch!

Wir haben in letzter Zeit an der Werbefront schwer geschwächelt, aber unsere Lesebühne gibt es immer noch – und sie hat mit Svenja Schröder sogar Nachwuchs bekommen! Am 14. November treten wir wieder in der Z-Bar auf – alles weitere erfahrt ihr auf unserem Blog.

Storysammlung erschienen!

Jetzt ist sie also da, meine erste Storysammlung. Letzten Freitag hat mir Boris Koch einen dicken Stoß Bücher ins Otherland gebracht – und schön sind sie geworden, dass kann ich mal so ganz ohne Eigenlob, und dafür mit ganz viel Lob an die Illustratorin und das ganze Produktionsteam vom Satz bis zur Druckerei sagen!
Das Buch kostet 13 Euro ist vorerst im Otherland und direkt beim Verlag erhältlich. Die anderen einschlägigen Vertriebswege werden natürlich in näherer Zukunft auch noch bedient – ich freue mich aber besonders über alle, die mit einem Kauf direkt unsere Buchhandlung oder den Medusenblut-Verlag unterstützen.

Eine Facebookseite gibt es natürlich auch, muss ja …

Und dazu auch noch etwas ganz klassisch analoges, den Klappentext:

Nicht böse – nur hungrig!
Unter den Galgen der Gehenkten, wo die Erde fett und schwarz ist von herabtropfendem Leben, gedeihen Alraunen. Geschöpfe aus Meerestiefen nisten sich in Menschen ein, um durch ihre Poren Sonne zu trinken. Hunde lecken das Blut von der Straße und kommen auf den Geschmack.
Die Dinge unter der Haut der Wirklichkeit sind nicht böse. Sie sind gierig und geistlos, getrieben von tierischem Hunger und menschlicher Sehnsucht.
Zehn Geschichten von seltsamen, grausamen und entsetzlich lustigen Begebenheiten. Mit zwölf Illustrationen der Berliner Künstlerin Vincristine.

Bei unserer nächsten Schlotzen & Kloben-Lesung am 14. November werde ich das Buch natürlich auch im Gepäck haben!

Nichts Böses

… erscheint im November 2013! Mehr in Kürze.

NichtsBoeses

Da war doch was …?

Richtig. Schlotzen & Kloben. Morgen um 20.15 in der Z-Bar. Von mir: Trauriger Text über einen Fahrradunfall und fröhlicher Text über seelensaugende Monster. Was will man mehr? Natürlich die Texte von Jasper Nicolaisen und Svenja Schröder. Bekommt man auch!

Schlotzen und Kloben schon wieder in der Z-Bar!

… diesmal als Gäste bei der Langen Nacht des Stirnhirnhinterzimmers, am 22. März ab 20 Uhr. Wer kommt, erlebt das Doppelpack der beiden einzigen phantastischen Lesebühnen Berlins!