Archiv der Kategorie 'Schlafwandeln gegen den Kapitalismus'

Deutsche SF ist flüssiger als flüssig

I refuse to join any club that would have me as a member.
Groucho Marx

Seit März 2011 ist unter der Regie der SF-Autoren Uwe Post und Sven Kloepping die Webseite deutsche-science-fiction.de online. Die Vernetzung und gezielte Bewerbung deutschsprachiger SF-Autoren ist sicher eine gute Idee: Der deutschsprachige Markt für alle Formen der Phantastik jenseits von „Völkerbuch-Fantasy“ über Elfen, Zwerge, Orks und Trolle ist klein und bietet praktisch keinen Raum für professionelle Mittelfeld-Autoren. In Deutschland ist die SF nach wie vor weitgehend abgekanzelt vom sonstigen Literaturbetrieb – Ausnahmen, die mehr Aufmerksamkeit erhalten, werden entweder als Wissenschaftsthriller, wie die Romane Schätzings und teilweise die von Eschbach, vermarktet oder als (vielleicht etwas abgedrehte) Hochliteratur – Bücher von Juli Zeh, Christian Kracht oder Dietmar Dath. Nicht nur das, sondern auch die Szene-Mentalität innerhalb der hiesigen SF-Klüngel führt dazu, dass sich kaum ein deutschsprachiger SF-Autor dem Urteil entweder des Marktes oder des Feuilletons stellen muss. Deshalb ist es nur bedingt die Schuld individueller Autoren, dass die deutschsprachige SF handwerklich und kreativ im Vergleich mit der englischsprachigen ziemlich arm aussieht. Es gibt weder einen Druck, an den eigenen schriftstellerischen Fähigkeiten zu arbeiten, um zugleich den eigenen Ansprüchen zu genügen und markttauglich zu sein, noch gibt es die ökonomische Freiheit, auch von Auflagenstärken im unteren Mittelfeld zu leben und sich dabei beruflich der Entfaltung des eigenen Stils zu widmen. In Deutschland hat man als SF-Autor etwa folgende Möglichkeiten: Man kann radikal das eigene Schreiben entwickeln und hoffen, es irgendwie in die Hochliteratur mit ihren zumindest zuweilen halbwegs passablen Auflagenzahlen zu schaffen; man kann sich als Autor von Wissenschaftsthrillern versuchen oder ins Elfen- und Zwergenfach wechseln; oder man kann das Schreiben als Hobby betreiben und seine Portion Anerkennung nicht aus der Auflagenstärke oder den Feuilleton-Besprechungen beziehen, sondern aus den wohlwollenden Forenkommentaren anderer Hobby-Autoren. Alle drei Möglichkeiten sind legitim, und auch auf den letzteren beiden Wegen kann durchaus mal ein gutes Werk zustande kommen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist jedoch eher gering.
Insofern ist erst einmal jede Bemühung zu begrüßen, deutschsprachigen Autoren die weitere Verbreitung ihrer SF-Werke zu ermöglichen. Vielleicht schafft der eine oder andere dabei ja tatsächlich den Sprung aus der Szene heraus und erhält dadurch die Möglichkeit, seinen Stil ernsthaft zu entfalten. Am besten für Geld.
Dazu muss man aber erst einmal anerkennen, dass es mit der deutschsprachigen SF im Argen liegt, und nicht nur, insofern sie nicht die gebührende Anerkennung erfährt, sondern vor allem, insofern die meisten Werke, die aus der Szene heraus entstehen, bestenfalls passabel sind, sich aber qualitativ nicht mit englischsprachigen Werken messen können. Das ist an sich noch gar nicht schlimm. Es hat eben mit dem deutschsprachigen Buchmarkt zu tun. Will man etwas dagegen unternehmen, dann müsste vor allem vielversprechende Autoren in ihren jeweils individuellen Ansätzen fördern und für sie um Aufmerksamkeit werben.
Wenig hilfreich ist es dagegen, so zu tun, als wäre das Produkt „Deutsche SF“ eine Spitzensache, die man nur etwas besser bewerben und am besten mit einer klaren, griffigen Markenidentität namens „deutsch“ versehen müsse.
Noch weniger hilfreich ist es, wenn man sein Anliegen in jenem typisch deutschen Beleidigt-weil-zu-kurz-gekommen-Tonfall vorträgt und sich als Opfer einer amerikanischen „Leitkultur“ geriert.
Ganz und gar nicht hilfreich ist es, wenn man das Anliegen, SF-Autoren, die auf Deutsch schreiben, eine Plattform zu bieten, mit der Frage nach „deutschen Themen“ in der SF, nach „gesundem Nationalismus“ und nach „Unterdrückung durch die US-Kulturindustrie“ vermanscht.

Hauptsächlich macht sich mein Genervtheit über das Projekt deutsche-science-fiction.de an dem Streitgespräch zwischen den Initiatoren Uwe Post und Sven Kloepping fest. Was daran ärgerlich ist und wie die dort vorgetragenen Standpunkt eher noch zusätzlich zu ästhetischen und inhaltlichen Verarmung deutschsprachiger SF beitragen, lässt sich sehr schön vor allem an Uwe Posts flammender Fürrede darlegen:

Die bösen Verlage sind schuld daran, dass die SF-Autoren hierzulande am Hungertuch nagen müssen. Oder die Leser, die lieber FBI-Agenten mit Namen wie Smith und Wesson bei ihren Ermittlungen in L. A. beobachten als Herrn Steffens aus Feucht bei Nürnberg? Und ich dachte immer, Lokalkolorit kommt an. Aber, nein: Selbst in Bernhard Schneiders »Ardennen-Artefakt« rufen die Franzosen gleich mal die NSA zu Hilfe, damit bloß keine Europäer die Ermittlungen übernehmen müssen … wäre ja auch uncool.
Uwe Post, http://deutsche-science-fiction.de/?p=10

Klar ist Uwe Posts ironischer Tonfall hier nicht zu überhören. Aber diese diffuse Form der Uneigentlichlichkeit, in der alles mit einem Augenzwinkern gesagt wird, ist unredlich: Sie dient nicht dazu, eine Aussage durch Kontrastierung zu ihrem Gegenteil zu unterstreichen, sondern lässt vielmehr durchblicken, dass man das Gesagte durchaus auch so meint, aber vielleicht nicht ganz so doll, weil man ja vielleicht auch kritisch beäugt werden könnte, würde man tatsächlich in solcher Schärfe seine Ansichten vorbringen, die man (durchaus zu unrecht) für „unbequem“ hält. Es ist eine Ironie, die man bei der Bewertung des Aussagegehalts außer Acht lassen kann, weil sie nur zur Verwischung dient, als präventives Rechtertigungsmanöver.
Zieht man die inhaltslose Ironie ab, bleibt Posts Aussage: Schuld an der Misere der deutschsprachigen SF sind die Verlage, die lieber auf eingekaufte US-Erfolgstitel setzen, und die deutschen Leser, die Amerikanisches Irgendwie „cooler“. Wenig später fügt Post hinzu: „Ich prangere an, dass selbst deutsche Autoren klassische Ami-Motive nachplappern.“ Schuld ist der Umstand, „dass die Amis immer noch so eine Art Leitkultur sind, geprägt durch Hollywood.“ Dass es ihm mit dem Anprangern bei aller stumpfen Ironie durchaus ernst ist, verrät der Schluss seines Plädoyers: „Warum lassen wir nicht die Amis die Ami-SF schreiben und erschaffen selbst deutsche und europäische? Wer soll es denn sonst tun, wenn nicht wir, hm?“ Ein Schuft also, ein Wasserträger der imperialistischen „Leitkultur“ gar, wer deutsch ist und doch keine „deutsche SF“ schreiben will!
Was „deutsche SF“ enthalten soll, das wird (nicht ohne den bekannten uneigentlich-ironischen Unterton) auch gleich in Form eines Arbeitsauftrags an die deutschen SF-Schaffenden bekanntgegeben:

Wir können auch eine Zukunft zeigen, die anders ist – selbst wenn es nicht das wahrscheinlichste Szenario ist, dass mal eine Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Raumstation im Orbit schwebt. Ich glaube, dass es eine nationale und europäische Identität gibt, die glücklicherweise heutzutage nicht mehr mit Nazi-Ideologie verwechselt wird, und die durchaus eine Menge Leser ansprechen kann.

Nationale Besinnung ist also gefragt, im Dienste der Sache, nämlich der „deutschen SF“. Was rührt der Post denn da bitte alles zusammen? Warum wird SF besser, wenn eine Kaiser-Wilhelm-Raumstation im Orbit schwebt oder wenn statt der NSA der poplige MAD bemüht wird? Und was soll die von hinten links durchs Auge geschossene Abwehr gegen den Nazi-Vorwurf? Geht es mal wieder darum, dass man „nun endlich wieder Sachen sagen darf“, die man irgendwie mal „nicht sagen durfte“? Leider hat Uwe Post durch den scharfsinnigen Einsatz von Ironie die Seriennummern seiner Aussagen abgefeilt, man kann also nur spekulieren …
Lässt man den ganzen Nazikram beiseite, den Post befremdlicherweise selbst aufs Tapet bringt, dann sieht es für mich danach aus, dass Uwe Post spezifisch deutsche SF für eine Spitzensache hält, die nur noch ein wenig klarer als deutsch erkennbar werden muss und ein bisschen weiter verbreitet – möglichst auch in die USA, über die er (weil man sich dort nicht für seine Werke interessiert) klagt: „Sehen amerikanische Leser nicht über den Tellerrand oder trauen ihnen ihre Verlage das nicht zu?“
Die Lösung scheint ihm zu sein, dass man der Marke mittels deutscher Alleinstellungsmerkmale (kaiserliche Gedenk-Orbitalstationen!) mehr Profil verleihen muss, und dass man mehr Webung machen muss. Dass man das jeweils einzelne Produkt – und zwar nicht „die deutsche SF“, sondern schlicht und einfach die ganz individuellen, eventuell kein bisschen als spezifisch deutsch erkennbaren Werke auf Deutsch schreibender Autoren aufgrund ihrer ganz eigenen ästhetischen und inhaltlichen Qualitäten besser bewerben könnte, und dass man dazu beitragen könnte, einen Raum zu schaffen, in dem Autoren den Themen nachgehen können, die ihnen individuell liegen, und nicht spezifisch „deutschen“ Themen, darauf scheinen weder Post noch Kloepping zu kommen. Anscheinend geht es hier gar nicht so sehr um gegenseitige Unterstützung, sondern um einen Appell an die deutschen SF-Schaffenden, ihren Beitrag zum nationalen Projekt zu leisten. Offenbar ist man – verständlicherweise – vergnatzt darüber, dass der Markt hierzulande von Übersetzungen plus ein, zwei deutsche Namen beherrscht wird, sieht das Problem im in der Dominanz des angloamerikanischen Marktes, fühlt sich einmal mehr als deutsches Opfer und trumpft dann trotzig mit dem Gegenprojekt auf, dessen Qualitätsmerkmal eben allein das irgendwie Deutsche (vielleicht auch mal: Europäische) ist. Dass man dabei einerseits über derivativen amerikanischen Schund herzieht, andererseits aber die dümmlichen Gesichter der Orion-Besatzung und Perry Rhodans in der Kopfzeile hat und auf der Webseite derart unerträglichen, nur schwerlich als „deutschsprachig“ zu bezeichnenden Schund wie Ren Dhark bewirbt, ist da bloß das I-Tüpfelchen. Vielleicht, ganz vielleicht, interessiert man sich im englischsprachigen Raum ja völlig zu Recht nicht für die deutsche SF – die man eigentlich wirklich nicht so dringend braucht, wenn man Dick und Delany hat, Neal Stephenson und William Gibson, Doris Lessing und James Tiptree Jr.

Die Macher der Website wollen „deutsche SF“ zur Erfolgsmarke machen. Qualitative Erwägungen sind bei so einem Projekt zwangsläufig zweitrangig – wichtig ist, dass die Markenidentität ausreichend Profil hat, um nach außen hin vom Rest abgrenzbar zu sein und gleichzeitig eine gewisse Homogenität zu versprechen, in der die Leser es sich häuslich einrichten können. Das ist nicht weit entfernt von dem, was die großen Publikumsverlage vor einigen Jahren mit der „neuen deutschen Fantasy“ gemacht haben. Das war nicht nur schlecht, immerhin hat es einigen hervorragenden deutschsprachigen Fantasy-Autoren auch den Weg zum kommerziellen Erfolg geebnet. Gleichzeitig hat es aber zweifellos die kreative Eigenständigkeit zahlreicher vielversprechender Fantasy-Autoren erstickt.
Aber bei den Völker-Büchern von Heyne, Piper und co. stand wenigstens noch Geld dahinter. Beim Projekt „deutsche SF“ scheint es dagegen allein um Identitätsstiftung zu gehen – der/die deutsche SF-Schaffende soll nach Willen Posts und Kloeppings allein deshalb die gestellten „deutschen“ Themen behandeln, um dazuzugehören und seinen Beitrag zu leisten. Was ein noch sehr viel schlechterer Grund ist, sich künstlerisch zu verbiegen, als das liebe Geld.

Es mag gut sein, dass der Erfolg den Machern recht geben wird – wenn es jemals einen deutschsprachigen SF-Boom geben sollte, dann wohl eher aufgrund einer griffigen, deutsch-europäischen Markenidentität als aufgrund der individuellen Qualitäten außergewöhnlicher Werke. Mich persönlich würde ein solcher Boom höchstens so weit interessieren, wie mich der deutsche Fantasy-Boom interessiert hat: Insofern auch er sicher einigen eigensinnigen Autoren Chancen eröffnen wird, die sich querstellen, die deutsche Markenidentität unterwandern oder sie verdientermaßen der Lächerlichkeit preisgeben. Ich wünsche auch den mit deutsche-science-fiction.de assoziierten Autoren als Autoren ehrlich viel Erfolg (gerade Uwe Post weiß ich als Storyautor sehr zu schätzen, während seine Romane mich leider kaltlassen). Das Projekt „deutsche SF“ hingegen ist mir ein Ärgernis. Mich interessiert nicht, ob SF deutsch ist (übrigens auch nicht, ob sie im Sinne irgendeiner Definition „richtige SF“ ist), sondern ob sie gut ist. Damit neue, gute SF geschrieben werden kann – auch auf Deutsch – müssen die SF-Schaffenden einander unterstützen, sich vernetzen und um Aufmerksamkeit werben. Aber eins müssen sie ganz sicher nicht: deutsch sein.

Deutschland verliert gegen Serbien:

Das ist ja wohl mal endgeil!!!

Dazu ein Dialog, gerade im Schwimmbad beim umkleiden:

„Papa, ich muss aber in die andere Umkleide!“
„Nein, musst du nicht, hier ist heute eh keiner, die sind alle Zuhause vorm Fernseher.“
„Papa, ist heute Weihnachten?“
„Nee, Fußball.“

Spiel nicht mit den Schmuddelisraelis …

Ich will gar nicht damit anfangen, mich unbeliebt zu machen, indem ich über den neuen Anti-Israelischen Entrüstungssturm abkotze, der seit einer Woche durch alle Medien und allerlei Regierungen fegt. ich will eigentlich gar nicht sagen: Was erwarten die Leute, wenn sie mit den schon präventiv vom Märtyrertod schwärmenden militanten Islamisten vom türkischen IHH auf ein Boot steigen, oder mit dem islamistischen Flügel der faschistischen Grauen Wölfe, auf ein Boot, mit dessen Fahrt nach Gaza von Anfang an ein politisches und kein humanitäres Ziel durchgesetzt werden sollte? Was erwarten Leute, wenn sie das israelische Angebot, die Hilfsgüter gemeinsam auf dem Landweg nach Gaza zu bringen, konsequent ausschlagen und auf die mehrfache israelische Androhung, die Gaza-Solidaritätsflotte notfalls mit Gewalt aufzuhalten, nicht reagieren – außer durch die Feststellung, dass ggf. der Märtyrertod einen Sieg darstellt? Das will ich eigentlich alles gar nicht sagen, weil es Angesichts zahlreicher Verletzter und Toter auf der Mavi Marmara trotz aller Wut zynisch ist, das zu sagen. Na schön, jetzt ist es trotzdem raus. was erwartet man, wenn man bewaffnete Soldaten attackiert und sich damit faktisch (und ideologisch sowieso schon) zum Verbündeten einer feindlichen Kriegspartei macht?
Man erwartet, dass es Tote geben wird. Genau darauf haben es die Organisatoren der Gaza-Soliflotte offenbar angelegt, und genau dafür haben sie zahllose nützliche Idioten wie Henning Mankell gefunden. Und die IDF ist ihnen leider noch zur Hand gegangen. Ob aus Inkompetenz, aus Hardlinertum oder weil einzelne Soldaten in Panik waren oder auch einfach mörderische Arschlöcher mit dicken Eiern – wer weiß. Wird sich wohl nie rausstellen, weil Israel aus leidvoller Erfahrung heraus keinen Bock hat, sich einmal mehr von EU-Kommissionen unter islamistischer Federführung der Menschenrechtsverletzung und allgemeinen Schurkerei bezichtigen zu lassen.
Man kann jetzt zu recht abkotzen darüber, dass Israel bei einem unverhältnismäßigen Militäreinsatz Menschen umbringt, selbst, wenn der Einsatz sich gegen Leute richtete, die sich weitenteils nichts Geringeres als die Vernichtung Israels auf die Fahnen geschrieben haben (wie z.B. Henning Mankell). Man könnte sich aber auch mal wieder informieren, wie viele Staaten eigentlich täglich wie viel üblere Scheiße bauen (Guantanamo, Flüchtlinge an der EU-Außengrenze verrecken lassen, Tödliche Knebel bei Abschiebungen in Deutschland, staatlich geduldete antiziganisitsche Pogrome in Italien, staatliche Ermordung von Homosexuellen im Iran …), ohne, dass man gleich deren Abschaffung fordert und nicht nur all ihre Staatsbürger in Form von Boykottaktionen mit in Haftung nimmt, sondern am besten auch noch alle anderen Leute weltweit, die zufällig Juden sind und sich nicht wie Noam Chomsky oder Tony Judt brav als Kronzeugen gegen den „Zionismus“ zur Verfügung stellen.

Ach ja, die Boykotte, darauf wollte ich ja eigentlich hinaus:

Iain Banks will seine Bücher jetzt micht mehr ins Hebräische übersetzen lassen.

Die Pixies haben ihre Auftritte in Israel abgesagt.

Die israelische Delegation zur Gay Pride Parade in Madrid ist kurzerhand ausgeladen worden.

Das nur so als Kotzprobe.

Selbst, wenn man eine ernsthafte Kritik an der israelischen Regierungspolitik vorzubringen hat und nicht einfach nur dem antiisrealischen Reflex unterliegt, der jedesmal durch die Weltöffentlichkeit zuckt, wenn Israel sich nicht ganz feinartig beträgt (jaa, guter Judenstaat, braves Opfer, so ist’s gut, bloß nicht wehren – nein, nein! Aus! Böser Judenstaat!) – selbst wenn man informiert ist und wirklich etwas Ernsthaftes und Kritisches-Vernünftiges zum Thema Israel zu sagen hat, dann sollte man doch bitte, bitte, wissen, dass man die Bevölkerung Israels dafür nicht in Haftung zu nehmen hat – eine Bevölkerung, die politisch und kulturell so vielfältig ist wie kaum eine andere in der Region, weil sie nämlich in einem Staat lebt, der kulturelle und politische Vielfalt zulässt, und die zu großen Teilen selbst über den Einsatz gegen die Gaza-Soliflotte abkotzt.
Wenn man es sich genau überlegt: Warum lässt Iain Banks seine Bücher eigentlich in den USA verlegen (Folter, Todesstrafe, allerlei andere Schweinereien …), oder in Deutschland, dass ja auch gerne mal eine kleine Operation in Afghanistan mit mehrfacher Todesfolge verbockt? Wäre das nicht nur konsequent?

Es ist die ekligste Form des blinden Aktionismus, die da zum Ausdruck kommt: da geriert Banks sich noch edel, indem er auf Tantiemen aus Israel verzichtet, obwohl ihn der Verzicht auf diesen winzigen Markt so ziemlich null komma nix kosten wird – aber egal, Hauptsache, er hat etwas „unternommen“, auch wenn das, was er unternommen hat, im Endeffekt darin besteht, dem antisemitischen Kauft-nicht-bei-Juden ein antisemitisches Verkauft-nicht-an-Juden hinzuzufügen. Was bildet der Kerl sich ein, all die Menschen „bestrafen“ zu wollen, deren bevorzugte Lesesprache Hebräisch ist? Wenn er wirklich etwas tun will, sollte er dann nicht eher etwas Ernstzunehmendes zum Thema schreiben und dafür Sorge tragen, dass es ins Hebräische übersetzt wird?
Aber ich glaube nicht, dass Iain Banks irgendetwas tun will als sich als Teil einer kritischen Weltöffentlichkeit zu präsentieren. Und um sich zur „kritischen Weltöffentlichkeit“ zugehörig zu fühlen, reicht es derzeit offenbar mal wieder nicht, Israel zu hassen und die kaum verhohlen antisemitische Propaganda der „linken“ Hamas-Freunde nachzuplappern (oder gar die unverhohlen antisemitische Propaganda der Hamas selber). Nein, man muss etwas „unternehmen“, zum Beispiel Israelis boykottieren, oder besser noch „Zionisten“, wie es ein britischer Gewerkschaftler will (den ich jetzt beim besten Willen nicht wieder aus den Eingeweiden des Internet kramen mag), wobei er mit Zionisten anscheinend alle Juden außer den oben erwähnten Kronzeugen vom Chomsky-Zuschnitt meint.

Über diese Madridscheiße mag ich schon gar nicht mehr reden. Fuck you, Gay Pride Madrid, und diesmal ist damit ausnahmsweise „Fuck you“ im negativen Sinne gemeint. JedeR Queere, der oder die auch nur einen Funken Anstand im Leib hat, wird einer Veranstaltung fernbleiben, von der Menschen aufgrund ihrer Staatszugehörigkeit ausgeschlossen werden.

Okkulte Gerätschaften

Mit viel Hilfe kluger Forenspezialisten ist es mir endlich gelungen, auf meiner alten Laptopmöhre nach ihrem Zusammenbruch unter der gesammelten Last wild wuchernder Windows-Updates Ubuntu zu installieren. Der letzte, drei Tage währende Schritt bestand darin, die WLAN-Karte zum Laufen zu bringen, damit ich ins Internet konnte. Die Lösung bestand schließlich in einer Geheimformel, die man mir auf elektronischem Weg zuraunte:

sudo cp Broadcom_Firmware.tar.gz /lib/firmware
cd /lib/firmware
sudo tar xvf /lib/firmware/Broadcom_Firmware.tar.gz
sudo rm Broadcom_Firmware.tar.gz
cd

Man muss sich da noch ein paar Ausrufezeichen zwischendurch und ein „Iäh! Iäh! Cthulhu Ftaghn!“ ans Ende denken, und dann wird einem klar, was Adorno mit der zweiten Natur meint und was das wiederum mit Lovecraft zu tun hat …

Stop the deportation of Kiana Firouz!

Über Kiana Firouz

Richard Morgan zum Thema

Hal Duncan zum Thema

Dem ist nichts hinzuzufügen außer:

zum unterschreiben

sick of sick and selbstständig

Ich will eine verdammte feste Stelle mit Monatslohn und dem Anrecht darauf, zwei Wochen lang nicht zu arbeiten, wenn der Attest vom Arzt das sagt. Oder drei Wochen. Genau das will ich jetzt. Ich will keine dummen Deadlines, die mir sagen: jede Stunde, die du heute im Bett liegst, arbeitest du nächste Woche nachts.

Ekliger Freudscher

Das kommt davon, wenn man statt Bild die GMX-News liest, in denen so entlarvende Sätze verbraten werden:

Vergewaltigung ist laut Gesetz „mit Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren“ bedroht.

Aha, Vergewaltigung wird also im Gegensatz zu anderen Delikten nicht bestraft, sondern „bedroht“? Handelt es sich gar um eine „bedrohte Sexualpraxis“? Tut mir ja Leid, aber das ist schon widerlich, wie da die Sympathie für den armen, bedrohten Vergewaltiger aufscheint … und dann geht der Artikel auch noch um den lieben Wettermann, der kann doch nicht böse sein …

Kotzshirts

An manchen Wochenenden zweifelt man doch an allem, vor allem aber an der Zuverlässigkeit der eigenen Sehorgane. Samstagabend war ich nach langer Abstinenz endlich mal wieder auf einer schönen, großen, kuscheligen Party bei einer befreundeten WG. Wie das bei diesen semiprofessionellen Anlässen ist, schlossen laute Musik und geöffnete Fenster einander aus, weshalb es zwangsläufige Tanzpausen zum Zwecke des Luftaustauschs gab. In einer davon hatte ich das zweifelhafte Glück, den englischsprachigen T-Shirt-Aufdruck auf der Rückseite einer Tänzerin neben mir zu lesen: Das war ein Zitat von irgendeinem palästinensischen Studenten, der „nicht ruhen“ würde, „bis die Wahrheit über die Geschehnisse in Palästina ans Licht käme“. Danach wurde es dann richtig blutig und bodenständig, der Mann wollte, wenn ich mich recht erinnere, desweiteren bis zum Tode kämpfen, bis … da ging die Musik dann wieder los und das T-Shirt fing an zu wackeln, aber man kann sich schon ausmalen, was der Widerständler alles gerne mit den ihm verhassten Juden anstellen würde. Verzeihung, sicher hat er „Zionisten“ gesagt und Juden nur gemeint. Später las ich noch die Vorderseite, die trug ein schlichtes „Students for Palestine“ zur Schau.

Als ich später rumfragte, was denn ein derart rechtsradikales Shirt auf einer Party in einer linken WG zu suchen habe, erfuhr ich, dass die, die es trug, wohl Engländerin sei und da etwas andere Sitten und Gebräuche in der Linken herrschten …

Nun halte ich ja nicht viel von politischem Party-Policing, deshalb habe ich auf blödes Anmachen der so Geschmückten verzichtet. Verdorben war mir der bis dahin echt schöne Abend leider trotzdem ein bisschen. Ist es denn so schwer zu begreifen, dass es sich bei Hamas und bei den politischen Islamisten vordringlich um antisemitische Mordbanden handelt, die für autoritäre, kleptokratische Herrschaftsmodelle einstehen und absolut nicht das Geringste mit vernünftigen Vorstellungen von einer befreiten Gesellschaft zu tun haben? Das ironische Sahnehäubchen war, dass die Frau mit dem Palästina-Solishirt zu Britney Spears tanzte und dabei mit ihrer Freundin knutschte. Wie schizophren kann man eigentlich sein, sich mit den politischen Kräften zu solidarisieren, die einen wahrscheinlich steinigen würden, wenn sie einen in die Finger kriegten?

Zwei Tage später musste ich dann noch einen dicken Mann am U-Bahnhof sehen, der ein T-Shirt mit dem bekannten runden „Antifaschistische Aktion“-Logo trug. Nur war die rote Fahne vorne durch eine Palästina-Fahne ersetzt, und die Aufschrift lautete: „Antizionistische Aktion“. „Arschloch“, dachte ich mir da nur noch, nicht mehr und nicht weniger. So eine ekelhafte Entstellung kann eigentlich nur noch böser Wille sein, das lässt sich nicht mehr durch Dummheit oder Uninformiertheit entschuldigen.

Aus Verzweiflung lese ich jetzt Matthias Küntzels „Djihad und Judenhaß“, das detailliert die Genese des modernen islamistischen Antizionismus in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts darlegt, sowie dessen enge ideologische Verflechtung mit dem Nationalsozialismus. Die Informationen daraus sollte man manchen Leuten einfach direkt und augenblicklich ins Hirn beamen können. Was wahrscheinlich auch nicht helfen würde, aber immerhin wäre dann klar, das man es wirklich mit böswilligen Antisemiten zu tun hat und nicht nur mit elenden Trotteln.

Hintergründe und Machenschaften

Classless Kulla, seines Zeichens führender Entschwörungstheoretiker, hat nun die endgültige Aufdeckung der Hintergründe und Machenschaften aufgetan. Also: aller Hintergründe und Machenschaften. Wirklich aller. Erschreckend, erschütternd, empörend und doch eigentlich so offensichtlich. Seht, hört, begreift!

Am 10. Juli wird’s unbehaglich

Ebenfalls im Rahmen der linken Buchtage: Phase 2 Diskussionsveranstaltung „Unbehagen von Gewicht“ am Freitag, dem 10. Juli um 20 Uhr im Clash, Mehringhof, Gneisenaustr. 2a.

Und nicht vergessen: Schlotzen und Kloben hat am Abend des 11. Juli Premiere!