Archiv der Kategorie 'Suckway'

Super Gemeinschaftsprojekt!

Ziemlich viele Leute um mich herum haben dazu beigetragen, 2010 zum für mich bislang besten von 32 Jahren zu machen. Einige dieser Leute wissen das auch ohne, dass ich es hier hinschreibe, andere dürfen es sich ruhig noch mal sagen lassen – zum Beispiel Jasper und Simon, mit denen ich (wenn ich richtig zähle) 12 Schlotzen&Kloben-Auftritte und ein Buch hingelegt habe, zum Beispiel Karla, die dafür gesorgt hat, dass mit Hinterland eines der schönsten Bücher erschienen ist, an dem ich jemals mitarbeiten durfte, zum Beispiel das Shayol-Team, das sich offen für neue Projekte gezeigt hat, zum Beispiel die Phase2-Redaktion, die Nachsicht mit mir hatte, als es nötig war, zum Beispiel Markolf, der mit uns eine der schönsten, derbsten, lustigsten und forderndsten Rollenspielkampagnen gestartet hat, in der ich jemals dabei war, zum Beispiel eine WG, die alles in allem doch ziemlich viel mit mir durchgestanden hat … all die Leute seien nur zum Beispiel genannt. Wer ganz besonders und am allermeisten angesprochen ist, das schreibe ich hier nicht, muss ich auch nicht schreiben, denn das versteht sich wirklich von selbst.

Es gibt natürlich auch noch ein paar Leute, die hart daran gearbeitet haben, mir das Jahr zu versauen, zum Beispiel gewisse Exvermieter, neue Hauswärtinnen, Münchner Anwälte und ein Finanzamt. Die haben allerdings gegen die geballte Macht der obengenannten Lebensverschönerer voll abgekackt und weinen jetzt ganz doll.

Konsumorientierte Best-of-Listen verblassen natürlich ein bisschen gegen solche Menschen-Best-of-Listen, andererseits sind sie aber auch für andere Leute nützlich. Nun denn:

Bücher: K.J. Parkers Engineer-Trilogy, Paolo Bacigalupis The Windup Girl, Otto Basils Wenn das der Führer wüsste (nach fast 20 Jahren endlich gelesen!), David Maruseks Storysammlung Getting to Know You (durfte ich teilweise übersetzen!), Thomas Bernhards Der Untergeher, Scott Bakkers The Judging Eye (wo bleibt Band 2?), Nino Haratischwilis Juja, Joe Hills Story „Pop Art“, Frank Böhmerts Storysammlung Ein Abend beim Chinesen.

Musik: Morrisey: Years of Refusal, und neuentdeckt Ringleader of the Tormentors, Blitzen Trapper, John Adams‘: I Am Love (Soundtrack), Vampire Weekend: Contra. Eher dürftige Ausbeute dieses Jahr …

Filme: A Serious Man ist als einziger wirklich Hängengeblieben, der aber richtig. Inception und Shutter Island waren allerdings toll wegen altem, hässlichem Leonardo diCaprio!

Serien: Mad Men, Torchwood, Deadwood. Und als mein persönlicher Flop des Jahres: True Blood. In der Mitte von Staffel 3 abgebrochen, angewidert davon, wie es HBO gelungen ist, gleichzeitig derart hinter die eigenen Standards und die vor über zehn Jahren von Buffy gesetzten zurückzufallen.

Rube Goldberg

Ich weiß gar nicht, ob ich das schon mal verlinkt habe, aber es ist einfach immer wieder befreiend, sich diese wunderschöne Rube-Goldberg-Maschine hier anzusehen:

(Rube-Goldberg-Maschine: Eine hochkomplizierte Maschine, die eine extrem einfache Fuktion erfüllt.)

Runterkommen

Schwierig wird es, wenn man sich dauernd darüber aufregt, dass man sich aufregt … Vielleicht sollte ich mit Schachspielen oder so was anfangen, wo es tatsächlich sinnvoll ist, drei bis vier Züge im voraus zu planen.

Meine Schlussfolgerung: Am schlimmsten stressen die Sachen, die man beeinflussen aber nicht kontrollieren kann. Dazu zählen: Gesundheit, potentielle Rechtsstreitigkeiten, Autofahrten, Auftragslage, Zeit, Geld. Nicht dazu zählen: Konzerflügel, die einem auf den Kopf fallen, Inflation, Flugreisen, Weltlage, Tod, Steuern. Und Waldbrände in Russland. Deshalb muss ich mir über erstere Reihung unnötig den Kopf zerbrechen und darf über letztere Philosophenwitze machen.

Aus dem Leben eines Übersetzers

„Punch-line incoming at three-eight-one-seven mark twelve! Heading directly towards us.“
„ETA?“
„About two sentences … no wait … make that a paragraph. Wait again … a page!“
„A whole page. Well, that gives us plenty of time. Evasive action.“
„It’s no use, Captain. Still coming directly at us. It’s getting even slower! ETA now about four pages. Triangulation complete. Now we know exactly what it looks like.“
„As if that would do us any good.“
„Five Pages!“
Damn. I wish these dirty bastards would just get it over with …“

You know what it means if you know what it means …

Schlürfwetter

Man kraspelt sich so durch den Sommer wie ein Klettverschluss aus eingetrockneter Marmelade. In der Umlufthitze kriegt man erstaunlicherweise doch das eine oder andere gebacken. Zum Beispiel habe ich einen sehr schönen Übersetzungsauftrag an Land gezogen, den Titel darf ich noch nicht verraten, aber es geht um Leute, die sich genau so fühlen wie wir jetzt, bloß permanent, und die tot sind.
Auch gefreut haben mich unsere Videos, die eigentlich nicht ich gebacken gekriegt habe, sondern Lukas, der uns beim letzten Schlotztermin aufzeichnet. Man kann jetzt deshalb mich und auch Simon online sehen und hören. Genau das richtige, um die fresszellenartig sich fortwälzenden Sommersekunden rumzubringen – auf kleine Videofenster starren, die Gedanken nabeln sich langsam vom Kopf ab, während Augen und Gehör beschäftigt werden … Im Sommer haben die Hirnforscher nun doch einmal recht: Wir sind alle eine Ansammlung von Organen, gedacht wird bestenfalls im Nachhinein.

Spiel nicht mit den Schmuddelisraelis …

Ich will gar nicht damit anfangen, mich unbeliebt zu machen, indem ich über den neuen Anti-Israelischen Entrüstungssturm abkotze, der seit einer Woche durch alle Medien und allerlei Regierungen fegt. ich will eigentlich gar nicht sagen: Was erwarten die Leute, wenn sie mit den schon präventiv vom Märtyrertod schwärmenden militanten Islamisten vom türkischen IHH auf ein Boot steigen, oder mit dem islamistischen Flügel der faschistischen Grauen Wölfe, auf ein Boot, mit dessen Fahrt nach Gaza von Anfang an ein politisches und kein humanitäres Ziel durchgesetzt werden sollte? Was erwarten Leute, wenn sie das israelische Angebot, die Hilfsgüter gemeinsam auf dem Landweg nach Gaza zu bringen, konsequent ausschlagen und auf die mehrfache israelische Androhung, die Gaza-Solidaritätsflotte notfalls mit Gewalt aufzuhalten, nicht reagieren – außer durch die Feststellung, dass ggf. der Märtyrertod einen Sieg darstellt? Das will ich eigentlich alles gar nicht sagen, weil es Angesichts zahlreicher Verletzter und Toter auf der Mavi Marmara trotz aller Wut zynisch ist, das zu sagen. Na schön, jetzt ist es trotzdem raus. was erwartet man, wenn man bewaffnete Soldaten attackiert und sich damit faktisch (und ideologisch sowieso schon) zum Verbündeten einer feindlichen Kriegspartei macht?
Man erwartet, dass es Tote geben wird. Genau darauf haben es die Organisatoren der Gaza-Soliflotte offenbar angelegt, und genau dafür haben sie zahllose nützliche Idioten wie Henning Mankell gefunden. Und die IDF ist ihnen leider noch zur Hand gegangen. Ob aus Inkompetenz, aus Hardlinertum oder weil einzelne Soldaten in Panik waren oder auch einfach mörderische Arschlöcher mit dicken Eiern – wer weiß. Wird sich wohl nie rausstellen, weil Israel aus leidvoller Erfahrung heraus keinen Bock hat, sich einmal mehr von EU-Kommissionen unter islamistischer Federführung der Menschenrechtsverletzung und allgemeinen Schurkerei bezichtigen zu lassen.
Man kann jetzt zu recht abkotzen darüber, dass Israel bei einem unverhältnismäßigen Militäreinsatz Menschen umbringt, selbst, wenn der Einsatz sich gegen Leute richtete, die sich weitenteils nichts Geringeres als die Vernichtung Israels auf die Fahnen geschrieben haben (wie z.B. Henning Mankell). Man könnte sich aber auch mal wieder informieren, wie viele Staaten eigentlich täglich wie viel üblere Scheiße bauen (Guantanamo, Flüchtlinge an der EU-Außengrenze verrecken lassen, Tödliche Knebel bei Abschiebungen in Deutschland, staatlich geduldete antiziganisitsche Pogrome in Italien, staatliche Ermordung von Homosexuellen im Iran …), ohne, dass man gleich deren Abschaffung fordert und nicht nur all ihre Staatsbürger in Form von Boykottaktionen mit in Haftung nimmt, sondern am besten auch noch alle anderen Leute weltweit, die zufällig Juden sind und sich nicht wie Noam Chomsky oder Tony Judt brav als Kronzeugen gegen den „Zionismus“ zur Verfügung stellen.

Ach ja, die Boykotte, darauf wollte ich ja eigentlich hinaus:

Iain Banks will seine Bücher jetzt micht mehr ins Hebräische übersetzen lassen.

Die Pixies haben ihre Auftritte in Israel abgesagt.

Die israelische Delegation zur Gay Pride Parade in Madrid ist kurzerhand ausgeladen worden.

Das nur so als Kotzprobe.

Selbst, wenn man eine ernsthafte Kritik an der israelischen Regierungspolitik vorzubringen hat und nicht einfach nur dem antiisrealischen Reflex unterliegt, der jedesmal durch die Weltöffentlichkeit zuckt, wenn Israel sich nicht ganz feinartig beträgt (jaa, guter Judenstaat, braves Opfer, so ist’s gut, bloß nicht wehren – nein, nein! Aus! Böser Judenstaat!) – selbst wenn man informiert ist und wirklich etwas Ernsthaftes und Kritisches-Vernünftiges zum Thema Israel zu sagen hat, dann sollte man doch bitte, bitte, wissen, dass man die Bevölkerung Israels dafür nicht in Haftung zu nehmen hat – eine Bevölkerung, die politisch und kulturell so vielfältig ist wie kaum eine andere in der Region, weil sie nämlich in einem Staat lebt, der kulturelle und politische Vielfalt zulässt, und die zu großen Teilen selbst über den Einsatz gegen die Gaza-Soliflotte abkotzt.
Wenn man es sich genau überlegt: Warum lässt Iain Banks seine Bücher eigentlich in den USA verlegen (Folter, Todesstrafe, allerlei andere Schweinereien …), oder in Deutschland, dass ja auch gerne mal eine kleine Operation in Afghanistan mit mehrfacher Todesfolge verbockt? Wäre das nicht nur konsequent?

Es ist die ekligste Form des blinden Aktionismus, die da zum Ausdruck kommt: da geriert Banks sich noch edel, indem er auf Tantiemen aus Israel verzichtet, obwohl ihn der Verzicht auf diesen winzigen Markt so ziemlich null komma nix kosten wird – aber egal, Hauptsache, er hat etwas „unternommen“, auch wenn das, was er unternommen hat, im Endeffekt darin besteht, dem antisemitischen Kauft-nicht-bei-Juden ein antisemitisches Verkauft-nicht-an-Juden hinzuzufügen. Was bildet der Kerl sich ein, all die Menschen „bestrafen“ zu wollen, deren bevorzugte Lesesprache Hebräisch ist? Wenn er wirklich etwas tun will, sollte er dann nicht eher etwas Ernstzunehmendes zum Thema schreiben und dafür Sorge tragen, dass es ins Hebräische übersetzt wird?
Aber ich glaube nicht, dass Iain Banks irgendetwas tun will als sich als Teil einer kritischen Weltöffentlichkeit zu präsentieren. Und um sich zur „kritischen Weltöffentlichkeit“ zugehörig zu fühlen, reicht es derzeit offenbar mal wieder nicht, Israel zu hassen und die kaum verhohlen antisemitische Propaganda der „linken“ Hamas-Freunde nachzuplappern (oder gar die unverhohlen antisemitische Propaganda der Hamas selber). Nein, man muss etwas „unternehmen“, zum Beispiel Israelis boykottieren, oder besser noch „Zionisten“, wie es ein britischer Gewerkschaftler will (den ich jetzt beim besten Willen nicht wieder aus den Eingeweiden des Internet kramen mag), wobei er mit Zionisten anscheinend alle Juden außer den oben erwähnten Kronzeugen vom Chomsky-Zuschnitt meint.

Über diese Madridscheiße mag ich schon gar nicht mehr reden. Fuck you, Gay Pride Madrid, und diesmal ist damit ausnahmsweise „Fuck you“ im negativen Sinne gemeint. JedeR Queere, der oder die auch nur einen Funken Anstand im Leib hat, wird einer Veranstaltung fernbleiben, von der Menschen aufgrund ihrer Staatszugehörigkeit ausgeschlossen werden.

Okkulte Gerätschaften

Mit viel Hilfe kluger Forenspezialisten ist es mir endlich gelungen, auf meiner alten Laptopmöhre nach ihrem Zusammenbruch unter der gesammelten Last wild wuchernder Windows-Updates Ubuntu zu installieren. Der letzte, drei Tage währende Schritt bestand darin, die WLAN-Karte zum Laufen zu bringen, damit ich ins Internet konnte. Die Lösung bestand schließlich in einer Geheimformel, die man mir auf elektronischem Weg zuraunte:

sudo cp Broadcom_Firmware.tar.gz /lib/firmware
cd /lib/firmware
sudo tar xvf /lib/firmware/Broadcom_Firmware.tar.gz
sudo rm Broadcom_Firmware.tar.gz
cd

Man muss sich da noch ein paar Ausrufezeichen zwischendurch und ein „Iäh! Iäh! Cthulhu Ftaghn!“ ans Ende denken, und dann wird einem klar, was Adorno mit der zweiten Natur meint und was das wiederum mit Lovecraft zu tun hat …

Gute Dinge

Nach all dem Gejammer der letzten Blogeinträge jetzt mal eine kleine Liste der Guten Dinge, die sich in den letzten zwei Wochen begeben haben:

Die taz hat Schlotzen & Kloben sehr hübsch beworben, und entsprechend gerammelt voll war der Laden dann auch am 1. April. Und komischerweise habe ich trotzdem oder deshalb noch nie so entspannt vorgelesen.

Ich habe mir die Komplettbox von Torchwood besorgt. Hach, Captain Jack Harkness …!

Das Coen-Brüder-Film-Emulator-Spielleiterloses-Rollenspiel Fiasco ist bei mir eingetroffen, wurde gelesen und für großartig und sehr zwischendurchtauglich befunden.

Ich habe den Ersten Band von K.J. Parkers Engineer-Trilogie gelesen und freue mich zum ersten Mal seit langem wieder, dass bei einem Buch noch zwei gut 600 Seiten dicke Bände folgen! Ganz große Semi-Fantasy, Menschen mit moderner Psychologie, die einander schreckliche Dinge antun, in einem völlig unmagischen, monsterfreien Pseudo-Mittelalter. Irgendwo zwischen HBOs THE WIRE und Martins SONG OF ICE AND FIRE.

Und dann habe ich noch Laird Barrons im Mai erscheinende zweite Storysammlung THE OCCULTATION vorab in die Finger gekriegt – ein Wahnsinnshorrorerzähler, ungeheuer verstörende Naturmotive (eine gruselig-pornographische Szene mit Wespenknäueln in „30″), Lovecraftianisches ohne abgeschmacktes Lovecraft-Inventar („The Forest“, „The Broadsword“), zerfallende, mit Drogen und Alkohol geflickte Menschenwesen („Strappado“, „The Lagerstätte“, „Mysterium Tremendum“), und sogar zwei recht lustige Geschichten über Satanismus („Catch Hell“ und „Six Six Six“).

Alles in allem also trotz allem allerlei erfreuliches!

sick of sick and selbstständig

Ich will eine verdammte feste Stelle mit Monatslohn und dem Anrecht darauf, zwei Wochen lang nicht zu arbeiten, wenn der Attest vom Arzt das sagt. Oder drei Wochen. Genau das will ich jetzt. Ich will keine dummen Deadlines, die mir sagen: jede Stunde, die du heute im Bett liegst, arbeitest du nächste Woche nachts.

Puh, vorbei

Der 1. April, der schrecklichste Tag im Jahr, um EGAL WAS im Internet zu tun, ist vorbei. Fakt ist: Es gibt keine lustigen Aprilscherze. Schon gar nicht im Internet. Jedes Mal, wenn ich irgendeinen Aprilscherz-Forenthread sehe, überkommt mich sofort diese qualvolle Fremdscham.
Jetzt ist das ja erstmal wieder für ein Jahr vorbei!